Amazon eröffnet deutschen Kindle-Store

Amazon eröffnet deutschen Kindle-Store

Nur wenige in Deutschland lesen bisher elektronische Bücher. Amazon steigt trotzdem jetzt in das Geschäft ein, dessen Zukunftsprognosen gut sind. Auch Apple und Google wollen kräftig mitmischen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
4 Min.· Aktualisiert am
Teilen
Jetzt startet auch Marktführer Amazon den Verkauf von digitalen Büchern in deutscher Sprache - für den Münchener Geschäftsführer Ralf Kleber "das wichtigste Ereignis, seit wir den Onlinestore gegründet haben" - das war in Deutschland Ende 1998, drei Jahre nach dem Start in den USA.

Bisher konnten die Amazon-Kunden aus einem Angebot von mehr als 600.000 zumeist englischsprachigen E-Books wählen. Jetzt kommen mehr als 25.000 Bücher auf Deutsch dazu. Amazon verkauft auch das Lesegerät dafür, den Kindle, dessen besondere E-Ink-Technik (elektronische Tinte) zwar keine Farben kennt, dafür aber wochenlang ohne Akku-Nachladen auskommt.

Für Smartphones und die neuen Tablet-Computer hat Amazon Apps bereitgestellt, mit denen die E-Books in dem speziellen, kopiergeschützten Kindle-Format gelesen werden können.

Lange erwarteter Einstieg

Die Branche hat den Einstieg von Amazon schon lange erwartet. Eine Zeit lang wurde befürchtet, dass Amazon das digitale Buchgeschäft ähnlich dominieren könnte wie Apple den Musikhandel mit seinem Onlineshop iTunes. Inzwischen aber sorgen sowohl Apple mit dem Buchvertrieb für das iPad als auch Google mit seinen Buchprojekten für Konkurrenz. Und daneben sind auch schon mehrere deutsche Vertriebsplattformen für E-Books etabliert.

"Das erweitert den Markt", sagt der Geschäftsführer des Hamburger E-Book-Portals Libri.de, Per Dalheimer, zum Amazon-Start. Der wichtigste Effekt sei, dass das Bewusstsein für das digitale Lesen gestärkt werde. Davon könnten auch diejenigen profitieren, die sich jetzt schon in diesem Markt engagierten.

"Andererseits bedeutet der Einstieg eines so starken Unternehmens wie Amazon natürlich auch eine Verstärkung des Wettbewerbs", sagt Dalheimer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Hier will Libri.de die Stärken des E-Book-Standards Epub zur Geltung bringen: "Wir setzen nicht auf ein geschlossenes, sondern auf ein offenes System."

Rundumlösung Kindle

Amazon-Geschäftsführer Kleber spricht vom "Kindle-Ökosystem", der Rundumlösung aus Hardware, Shop, Kundenservice und Partnern. Dazu gehört etwa die Besonderheit, dass sich das Lesegerät die Seite merkt, bei der das Lesen unterbrochen wurde, um dann auf einem anderen Gerät an derselben Stelle fortzufahren - die entsprechenden Daten werden online synchronisiert.

"Die Deutschen lesen leidenschaftlich gerne", betonte Greg Greeley, der bei Amazon für das Einzelhandelsgeschäft in Europa zuständig ist, in einer Pressemitteilung. Sein Unternehmen sei sicher, dass das Land nun auch die Vorteile des Lesens auf dem Kindle entdecken werde. Allerdings befindet sich Deutschland bei E-Books "noch in der Stunde Null", wie Kleber realistisch einräumt.

Verlage behalten mehr

In Erwartung eines Massenmarkts für das digitale Lesen werden jetzt die Vorentscheidungen für die Geschäftsbeziehungen zwischen Verlagen und den Handelsplattformen im Internet getroffen. Im klassischen Buchhandel, der von den E-Books massiv unter Druck gesetzt wird, kann der Händler üblicherweise 40 Prozent des Kaufpreises für sich behalten, 60 Prozent gingen an den Verlag. Bei den E-Book-Plattformen liegt das Verhältnis aber nach Informationen aus der Branche inzwischen zumeist bei 30 Prozent für den Händler und 70 Prozent für den Verleger - das ist auch die Apple-Formel für den Vertrieb von Apps.

Bei den Preisen dürfen sich die Leseratten keine allzu großen Hoffnungen machen, dass sie bei E-Books sehr viel billiger an ihren Stoff kommen. Das liegt auch, so betont die Verlagsbranche, an den unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen von 7 Prozent bei gedruckten Büchern und 19 Prozent bei E-Books. Dies gleiche die Kostenvorteile bei Produktion und Vertrieb zum Teil wieder aus, heißt es. Einzelne EU-Länder streben hier eine Anpassung an den niedrigeren Satz an, aber das kann in Brüssel noch lange dauern.

Größere Akzeptanz bei Fachliteratur

"Bei Fachtiteln gibt es das größte E-Book-Angebot und die größte Akzeptanz", sagt der Justiziar beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Christian Sprang. "Bei Publikumstiteln spürt man hingegen, dass noch zu wenig Lesegeräte im Markt sind und entsprechend nur eher geringe Titelzahlen abgesetzt werden können." Der Markt komme aber zunehmend in Bewegung und es bestehe Hoffnung, dass sich die Investitionen der Verlage allmählich auszahlten.

Peter Zschunke, dpa

Teilen
Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.