
Auch Aldi will Emotionen wecken
Die Ansprüche der Kunden wachsen: Qualität und Service stehen immer stärker im Fokus. Viele Händler investieren deswegen kräftig in ihre Läden - sogar Lebensmitteldiscounter.
Björn BöerChefredakteurAlle 6,5 Jahre ist ein Umbau dran
Ein Komplettumbau des Ladens sei am häufigsten im Mode-, Schuh- und Sportartikelhandel angesagt - alle sechseinhalb Jahre im Schnitt. Dann gehe es meist auch gleich um ein neues Verkaufskonzept. "Je mehr Lifestyle, desto schneller", verdeutlicht Horbert das Tempo der Veränderungen.
Der Händler wolle die Sinne der Kunden ansprechen, Emotionen wecken. Ein Trend sei, in den Läden mit Schriftzügen zu experimentieren. "Riechen und Schmecken" stehe dann etwa auf Schildern über der Obst- und Gemüseabteilung. Die Gesamtinvestitionen des Handels in die Geschäfte schätzt das EHI auf fünf bis sechs Milliarden Euro pro Jahr.
Aldi Nord-Musterfiliale in Gent
Aldi Nord will europaweit seine Filialen "optisch modernisieren", wie das Essener Unternehmen der dpa bestätigte. In Deutschland sei der Einbau von Backstationen geplant. Zu Einzelheiten und Summen äußert sich Aldi Nord nicht.
Nach Informationen der "Lebensmittel Zeitung" handelt es sich um das größte Investitionsprogramm der Firmengeschichte mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Da die Märkte unterschiedliche bauliche Voraussetzungen hätten, würde Aldi Nord teilweise nur einzelne Elemente des Konzeptes umsetzen.
Wann und wo es losgeht, ist unklar. Als Musterfiliale für die Veränderungen bei Aldi Nord gilt ein Markt in der belgischen Stadt Gent. Dort sollen Bilder die Orientierung zwischen den Warengruppen erleichtern, Beleuchtung setze das Drogeriesortiment in Szene, berichtete das Fachblatt.
Auch Discounter-Filialen können Ambiente haben
Für Horbert ist dies keine Überraschung. Neue Kühlgeräte und neue Beleuchtung seien der stärkste Innovationstreiber im Handel. Wer ein Lebensmittelgeschäft umbaue, könne mit modernster Technik gleichzeitig auch die Energiekosten drastisch senken.
Aldi Nord ist nach Ansicht von Wolfgang Adlwarth unter Zugzwang. Über viele Jahre sei man puristisch gewesen. "Die Filialen mussten nicht schön aussehen, die Ware muss sehr günstig sein", meint der GfK-Marktforscher. In den vergangenen Jahren hätten die Supermärkte aber ihr Preisimage mit eigenen Marken in der unteren Preislage und Markenartikel im Sonderangebot verbessert. Sie machten Boden gut, gewönnen Marktanteile. Das Schwesterunternehmen Aldi Süd habe gezeigt, dass auch ein Discounter "helle, freundliche Läden mit gewissem Ambiente" bieten könne. Dort gebe es schon Backstationen.
Auch Penny und Netto möbeln ihre Filialen auf
Auch andere Discounter wollen ihre Filialen verschönern. Penny Deutschland feilt ebenfalls an einem neuen Konzept, dem "Dürener Modell". Die Waren sollen besser und hochwertiger präsentiert werden, ohne das Discounter-Image zu verlieren. Laut "Lebensmittel Zeitung" sollen rund 150 Millionen Euro in diesem Jahr für die aufwendige Modernisierung und Restrukturierung bei Penny aufgebracht werden.
Die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount setzt nach der Expansion mit 220 neuen Standorten 2011 in den kommenden Jahren ihren Schwerpunkt auf den Umbau von bestehenden Flächen. So ist für das laufende Netto-Geschäftsjahr die Modernisierung von 300 Filialen geplant.
Volker Danisch, dpa

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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