
Bauernverband prognostiziert, dass Lebensmittel teurer werden
Der Bauernverband-Präsident Sonnleitner sieht den Talboden bei den Lebensmittelpreisen erreicht. In einem Interview macht er abermals die Disounter für den diesjährigen Preisverfall verantwortlich.
"Verbraucher zahlt den Schaden"
Es sei wie bei der Bankenkrise, so Sonnleitner: "Jetzt trägt der Lebensmitteleinzelhandel seinen Wettbewerb auf dem Rücken der Bauern aus, praktiziert also Marktwirtschaft pur ohne jede gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Bricht das Konstrukt ein, zahlt der Verbraucher den Schaden, nicht die Verursacher."
Denn wenn die landwirtschaftlichen Betriebe hohe Verluste einführen, schade das den Konsumenten: "Langfristig kriegt dann der Verbraucher die Rechnung, wenn die Landwirtschaft stirbt, die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet ist und wir abhängig werden von Import und extremen Preisschwankungen."
Lebensmittel in Deutschland kein Kulturgut
Um die Verbraucher nicht durch die zu erwartenden höheren Preise zu verprellen fordert er, mehr über Lebensmittel und ihren „wahren Wert“ zu reden: „Wie in Italien, da wird über jede Zutat diskutiert, jeder Wein hat eine Geschichte. Nahrungsmittel werden in Deutschland nicht mehr als Kulturgut gesehen“, beklagt Sonnleitner. „Sie brauchen eine neue Wertigkeit.“
Essen solle billig sein und nicht dick machen: „Aber dass es Lebensqualität ist, Genuss, kommt zu kurz“, so der Bauernverband-Präsident. „So etwas wie Liebe geht durch den Magen hört man nicht mehr. Deshalb müssen wir schon im Vorschulalter Kindern die Bedeutung von Essen und Trinken näherbringen. Dann gibt es auch wieder eine echte Esskultur in Deutschland."
In einer Pressemitteilung rechnet der Bauernverband heute vor, dass der Verbraucher immer wohlhabender werde: Vor 100 Jahren habe der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel am gesamten Konsum noch etwa 50 Prozent betragen. Heute liege dieser Anteil nur 15 Prozent. Dabei sei noch zu berücksichtigen, dass sich Qualität und Verarbeitung der Nahrungsmittel enorm verbessert haben.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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