
"Der Milchmarkt quillt über"
Die Preise für Milchprodukte fallen. Aldi und Penny sind die Vorreiter, doch andere Händler werden folgen, sagen Experten vorher.
Björn BöerChefredakteurFür Experten sind diese Nachlässe der Auftakt für große Preissenkungen. "Im kompletten weißen Sortiment ist mit Preisrückgängen zu rechnen", sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, Reinhard Pauw, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dabei gehe es um eine Größenordnung im Durchschnitt von 10 bis 15 Prozent.
Wie einst im Sonderangebot
"Für die Verbraucher sind wir wieder auf dem Niveau von Mitte 2007 vor den großen Preissteigerungen angekommen", schilderte Pauw. Der Butterpreis habe im November 2007 mit 1,15 Euro im Durchschnitt auf seinem Höhepunkt gestanden.
Mit den Preissenkungen von Aldi und Penny bei Markenbutter um acht Prozent auf 73 Cent je 250-Gramm-Stück sei nun wieder ein historisch niedriges Preisniveau erreicht worden. Der Preis von 49 Cent je Liter fettarmer H-Milch bei den beiden
Discountern unterschreite sogar das Niveau von Anfang 2007. Ein so niedriger Preis sei sonst nur im Sonderangebot zu sehen gewesen.
Weniger Quark
Hintergrund des Preisrutsches bei den Discountern ist nach den Worten von Pauw ein "überquellender Milchmarkt". Zum einen sei der Konsum von Milchprodukten nach den kräftigten Preissteigerungen in der zweiten Jahreshälfte 2007 spürbar gesunken. In den ersten acht Monaten 2008 hätten die Bundesbürger beispielsweise mehr als zehn Prozent weniger Quark gegessen.
Bei Butter sei der Verbrauch um knapp 4 Prozent und bei Käse um etwa 3,5 Prozent gesunken. Dabei hätten sicherlich auch veränderte Rezepturen bei Lebensmitteln eine Rolle gespielt. Hersteller seien bei einigen Produkten aus Kostengründen
von tierischen Milchfetten auf pflanzliche Fette umgestiegen.
Mehr Milch aus Neuseeland
Ein weiterer Faktor sei der Weltmarkt. Die europäischen Exporte von Magermilchpulver und Butter nach Nordamerika sind nach Angaben des Experten zwischen 20 und 50 Prozent gesunken. "Das sorgt dafür, dass der Mengendruck im Markt ganz stark ansteigt", erläuterte Pauw.
Bei einigen Importen in die EU beispielsweise aus Neuseeland geben es zugleich Zuwächse. Pauw geht davon aus, dass der Mengendruck bei Milch in der EU noch zunehmen wird durch höhere Milchquoten.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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