
EC-Karten-Gebühren unter Druck (2. Teil)
Das deutsche EC-Kartenverfahren gerät unter Druck: Große Händler springen ab. Darüber hinaus wächst im Zuge von SEPA die Konkurrenz. Das Gebührenmodell der Banken wankt.
Björn BöerChefredakteurManfred Krüger, Geschäftsführer der Concardis, eines führenden Anbieters von bargeldlosen Zahlungslösungen in Deutschland, hofft, dass Bewegung ins Spiel kommt: „Wir würden es begrüßen, wenn es zu einer Absenkung der Gebühren bei Debit- und Kreditkarten kommt. Damit könnten wir die Akzeptanz von Kartenzahlungen im Handel erhöhen."
Vielleicht lässt der ZKA aber auch die Finger von der Preisschraube - aus Angst vor dem Bundeskartellamt. Bislang unterfallen die Girocard-Tarife einer sogenannten Legalausnahme. Ein neues Preismodell könnte bei den Wettbewerbshütern schlafende Hunde wecken.
ZKA sitzt in der Falle
Die deutschen Banken sitzen in der Zwickmühle, während der Druck auf ihr Girocard-System von anderer Seite wächst: Die Single Euro Payments Area zeigt immer deutlichere Auswirkungen auf dem deutschen Kartenmarkt. „Es gibt mehr Auswahl für die Händler, der Wettbewerb ist längst da", sagt Luke Olbrich, Head of Debit von Mastercard Europe, im Gespräch mit Der Handel.
„Für den deutschen Markt gibt es mittlerweile 19 Acquirer, die Verträge für die Maestro-Akzeptanz anbieten. Ich kann nur jedem Händler raten, sich umzuschauen, Angebote einzuholen und Preise zu vergleichen." Zwar sorgt bislang eine Regelung in den Akzeptanzverträgen des ZKA dafür, dass bei einer Girocard mit Maestro-Logo an deutschen Kassenterminals immer eine Girocard-Transaktion abgewickelt werden muss.
Doch ob diese Klausel im SEPA-Zeitalter noch zulässig ist, dahinter setzen immer mehr Händler und Netzbetreiber ein Fragezeichen. Da auf fast allen deutschen Debitkarten auch das Maestro-Zeichen prangt, schleppt die Girocard ihre eigene Konkurrenz ständig mit sich herum.
Neue Karten im Spiel
Und auch auf der Seite der Kartenherausgeber tut sich einiges: Sogenannte „Maestro-only"-Karten drängen verstärkt auf den deutschen Markt. Seit Oktober stattet beispielsweise das Loyality-Programm Payback seine Bonuskarte auf Wunsch auch mit Maestro-Funktion aus.
Laut Mastercard kann an rund 85 Prozent der Zahlungsterminals im deutschen Handel mit Maestro gezahlt werden - Tendenz steigend. 450.000 ehemalige „Payback-Plus"-Karten wurden in der ersten Oktoberwoche gegen Karten mit Maestro-Funktion ausgetauscht. „Wir haben auf den Wunsch der Kunden reagiert, die Karte auch bei anderen Händlern nutzen zu können", sagt Jürgen Schiebel, Kartenexperte bei der WestLB, die mit Payback zusammenarbeitet.
V-Pay als Alternative zu Maestro
Damit das Debitverfahren Maestro nicht zu stark wird, setzen einige Banken nun auf V-Pay als Alternative. V-Pay ist ein Debitverfahren der Kartenorganisation Visa. Seit Anfang Oktober emittieren rund 100 Volksbanken neue Karten mit V-Pay- und Girocard-Funktion. „Co-Badge" heißt diese Koexistenz, die im Grunde den gleichen Zweck erfüllt wie die Girocard mit Maestro-Logo.
V-Pay kommt den Banken aber auf dem nationalen Terrain nicht in die Quere und sichert Erträge und Einfluss, denn Visa Europe ist eine Mitgliederorganisation der europäischen Banken. „Bis zum ersten Quartal 2010 werden in Deutschland rund fünf Millionen Girocards mit V-Pay-Funktion herausgegeben", erklärt Ottmar Bloching, Deutschland-Chef von Visa Europe.
Das Ziel von SEPA wird konterkariert
Einige Volks- und Raiffeisenbanken verzichten seit neustem sogar gänzlich auf die internationalen Debitverfahren und geben ihre Girocard ohne Maestro- oder V-Pay-Funktion heraus. Rund eine Million Karten wurden von genossenschaftlichen Instituten emittiert, die lediglich das "Cirrus"-Logo tragen. Sie können im Ausland nur an Geldautomaten und nicht an der Ladenkasse, im Hotel oder Restaurant eingesetzt werden. Eine wenig kundenfreundliche Lösung, die das Ziel der Single Euro Payment Area, "Any card at any terminal", konterkariert.
„Maestro, V-Pay, Girocard, Monnet, Payfair - der Handel muss sich im Zuge von SEPA an eine neue Vielfalt gewöhnen", sagt Kay-Hendrik Eichler, Geschäftsführer von Montrada. „Unsere Aufgabe als Dienstleister ist es dabei, dass alle Karten an der Kasse auch reibungslos verarbeitet werden können."
Neue Vielfalt erhöht Komplexität
Keine banale Aufgabe, denn die neue Vielfalt erhöht die technische Komplexität und sorgt aktuell für viel Anpassungsbedarf bei der Infrastruktur im Handel. Für die Dienstleister verändert sich der Markt durch SEPA deutlich. „Wir sind mittlerweile in elf Ländern aktiv", sagt beispielsweise Matthias Kaufmann, Geschäftsführer der B + S Card Service.
Der Netzbetreiber aus der Sparkassen-Finanzgruppe mischt inzwischen europaweit im Acquiring-Geschäft mit und konnte jüngst BP für die Maestro-Akzeptanz in den Niederlanden gewinnen. Für große Aufmerksamkeit in der Branche sorgte auch die Übernahme von Easycash durch den französischenTerminalhersteller Ingenico.
Der Kunde selbst gerät in dem ganzen Ringen um Geschäftsmodelle und Erträge im Kartengeschäft etwas aus dem Blickfeld. „Kein Verbraucher versteht den Unterschied zwischen Maestro, Girocard, ELV und garantierter Zahlung", spottet ein Bankmanager. Aber vielleicht ist der Kunde am Ende dennoch das Zünglein an der Waage.
Hanno Bender
Dieser Artikel erschien im Rahmen des Sonderhefts in der November-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel.
Lesen Sie hier den ersten Teil des Artikels.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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