Wo der deutsche Mittelstand noch Nachholbedarf hat

Wo der deutsche Mittelstand noch Nachholbedarf hat

Der "War for Talents" bestimmt nicht nur die großen Konzerne, sondern auch den Mittelstand. Wollen mittelständische Unternehmen in Sachen Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting aber wirklich mit den ganz Großen mithalten, müssen sie vor allem in puncto Digitalisierung und Social Media noch einiges aufholen. Das ist das Ergebnis der Studie "Arbeitgeber Mittelstand: Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung" von der Hochschule Koblenz, Potentialpark und Territory Embrace.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Für die Studie wurden insgesamt 300 Unternehmen des Mittelstands, Familienunternehmen und Konzerne mit weniger als 30.000 Mitarbeitern zu den Faktoren Social Media, Karrierewebseite und Onlinewerbung untersucht. Dazu wurden 3320 Studierende und Absolventen zu ihren individuellen Informationsbedürfnissen befragt. Das Ergebnis: Die am besten platzierten Mittelständler liegen nach dem Schulnotensystem nicht besser als im befriedigenden Bereich.

Wenig Aktivitäten mit Social Media

Während Großkonzerne Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram bereits aktiv für Personalmarketing-Maßnahmen nutzen, haben die meisten mittelständischen Unternehmen noch Nachholbedarf: Nur 17 Prozent nutzen zum Beispiel einen Facebook-Karrierekanal, auf Instagram sind es nur acht Prozent. Doch über genau diese Kanäle sind Studierende und Absolventen am besten zu erreichen: 86 Prozent der Befragten nutzen Facebook, immerhin 64 Prozent Instagram. Aber es gibt auch Mittelständler, die in Sachen Personalmarketing vorbildlich in den sozialen Netzwerken unterwegs sind - zum Beispiel Brose, VEKA, Schüco International und Trumpf. "Den Top 10 der deutschen Mittelständler in Sachen Employer Branding und Recruiting ist gemein, dass sie ihre Karriere-Auftritte vom Kandidaten her denken. Sie haben erkannt, dass herkömmliche Methoden der Personalgewinnung nicht mehr ausreichen", sagt Julian Ziesing, Head of Innovation bei Potentialpark. Der Gesamtsieger der Studie unter den Mittelständlern ist Brose. Der Automobilzulieferer ist in allen drei Bereichen (Social Media, Karrierewebseite und Onlinebewerbung) sehr gut aufgestellt. Das Unternehmen ist auf den meisten Social-Media-Kanälen zu finden und biete mit abwechslungsreichen Beiträgen eine der besten Karrierewebseiten des Mittelstands, so die Begründung der Studienmacher.

Wenig Anreiz zum Bewerben

Gerade letzteres ist beispielhaft für die übrigen untersuchten Unternehmen: Die Karriereseiten der meisten Mittelständler bieten wenig Anreiz zum Bewerben. Weitere Vorbilder in diesem Bereich sind die Familienunternehmen Hansgrohe oder Wieland-Gruppe. Sie informieren Interessenten über aktuelle Ausbildungs- sowie Studienangebote und geben Einblicke in verschiedene Berufsbilder."Der Mittelstand muss aus der Deckung kommen. Viele Mittelständler können mit ihrer Kultur und ihren Werten nämlich ausgezeichnet punkten. Das können potenzielle Arbeitnehmer jedoch nur dann erkennen, wenn diese authentisch und professionell über die richtigen Kanäle kommuniziert werden", fasst Prof. Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz, die Ergebnisse zusammen.

Gero Hesse, Geschäftsführer von Territory Embrace, ergänzt: "Es ist für den Recruiting-Erfolg entscheidend, die Zielgruppe zu kennen und die richtigen Kanäle zu wählen, um diese auch zu erreichen. Gerade für den Mittelstand ist es wichtig, Alleinstellungsmerkmale hervorzuheben, selbstbewusst und authentisch zu agieren und mit gutem Storytelling zu überzeugen."

Der Beitrag erschien zuerst auf Horizont.net.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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