
Euronics baut Multichannel-Angebot weiter aus
Der Preisverfall von Fernsehgeräten drückt den Umsatz von Euronics. Angesichts der wachsenden Internetkonkurrenz und den sich ändernden Konsumgewohnheiten baut die Elektronik-Verbundgruppe ihr Multichannel-Angebot weiter aus.
"Der andauernde Boom im Internetgeschäft, neue Vertriebswege und Kaufgewohnheiten, aber auch der anhaltende Preisverfall bei Produkten der Unterhaltungselektronik stellen den Elektrofachhandel vor neue Herausforderungen", erläuterte Vorstandssprecher Benedict Kober auf dem Euronics-Kongress in Leipzig. "Mit dem Ausbau unserer Multichannel-Strategie und einer neuen Qualifizierungsoffensive geben wir darauf die richtige Antwort. Klares Ziel für 2012 ist es, die Position unserer Mitglieder auch gegenüber Wettbewerbern im Netz nachhaltig zu stärken."
Impulse durch analoge Sat-Abschaltung
Als Impulsgeber für die Branche nennt Kober die Verschmelzung von Fernsehen und Internet, Medien und TV-Geräten in HD und 3D sowie den regelrechten Boom bei Tablet-PCs, Apps und Smartphones. Für positive Umsatzeffekte habe auch die bevorstehende Abschaltung des analogen Satelliten-Empfang gesorgt. Allerdings hätten die Rekordumsätze rund um den TV-Bereich aus dem Geschäftsjahr 2009/2010 aufgrund fehlender Sportgroßereignisse und dem anhaltenden Preisverfall in diesem Segment nicht wiederholt werden können.
Doch so viel moderne Technik ist erklärungsbedürftig – und somit eine Chance für den Fachhandel: "Die Ansprüche an den Bedienkomfort steigen. Neue Bedienkonzepte via Tablet-PC oder Smartphone stellen für viele Konsumenten neben Vernetzungsfähigkeit und Mobilität entscheidende Kaufargumente dar", ist Kober überzeugt. Fachhändler müssten sich jetzt mit attraktiven Angebotswelten sowie starken Beratungs- und Serviceleistungen auf diese veränderten Kundenwünsche einstellen. "TV-Hersteller, die zum Beispiel die Themen Smart-TV, Apps und Social Media in ihren neuen Gerätegenerationen kombinieren, setzen auf die kompetente Vorführung und Beratung im stationären Handel."
Auch die Neuheiten der "Weißen Ware" zeichneten sich durch intelligente Technologien aus, wie zum Beispiel die Anbindungsmöglichkeiten an das Internet. Angesichts der steigenden Energiekosten sei die Frage nach dem Stromsparpotenzial bei Kühlschrank, Waschmaschine & Co. für den Fachhandel vielerorts zum zentralen Beratungsthema geworden. Insgesamt zeigte sich demnach die Umsatzentwicklung bei den Großgeräten 2010/2011 auf einem soliden Vorjahresniveau.
Ausbau Multichannel
"Aktuell gewinnt man den Eindruck, unsere Branche entdeckt das Thema Multichannel gerade erst", so Kober, was durchaus als Seitenhieb auf den recht späten Einstieg beispielsweise der Metro-Tochter MediaMarkt ins Onlinegeschäft verstanden werden kann. Euronics setze bereits seit einigen Jahren auf Multichannel und baue die Präsenz im Internet kontinuierlich aus. "Käufe über den Internetshop werden bei uns dem stationären Handel zugeführt. Das bedeutet, ein Kunde kauft online und die Ware wird dann bei einem Euronics-Mitglied in seiner Nähe zur Abholung bereitgestellt oder auf Wunsch verschickt."
Diesen Ansatz will die Verbundgruppe 2012 weiter vorantreiben: Über verlinkte, individuelle Händlerseiten könnten sich die Händler im Netz mit ihren jeweiligen Kompetenzen, Sortimenten und Zusatzleistungen präsentieren. "Wir möchten alle Mitglieder in die Lage versetzen, sich im Internet mit einem attraktiven Dienstleistungsportfolio zu präsentieren und ein erfolgreiches Onlinemarketing zu betreiben", so Kober. Monatlich nutzten rund 2 Millionen Besucher die Portale euronics.de, euronics-xxl.de oder mediaathome.de. "Diese Zahl werden wir 2012 weiter steigern", verspricht der Vorstandssprecher.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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