
GermanShop24, Zalando + Wolt, Walmart, Amazon + Anthropic, OpenAI, Groww + Fisdom, Clarks, Zigzag + Shipup, Wero, Homeoffice
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteur – ein Muss, wenn Google in den nächsten Monaten das Universal Commerce Protocol integriert. -> Mehr lesen
HANDEL NATIONAL
GermanShop24: Lebensmittel-Exporteur zieht in die USA
Der sächsische Lebensmittel-Exporteur GermanShop24 ist insolvent, meldet Hna.de. Der 2007 gegründete Online-Händler habe sich auf den Versand deutscher Spezialitäten ins Ausland spezialisiert, vor allem in die USA. Statt aufzugeben, verlege das Unternehmen sein Logistikzentrum von Heidenau nach Stockton in Kalifornien. Laut Sächsischer Zeitung schrumpfte die Belegschaft von acht auf zuletzt drei Beschäftigte; der Abverkauf in Heidenau sei bereits gelaufen.
Pasta zum Pullover: Zalando koppelt Plus an Wolt+
Zalando verknüpft laut Pressemitteilung sein Treueprogramm Plus erstmals mit einem Partner außerhalb der Modewelt und bindet den Lieferdienst Wolt+ an. Mitglieder der drei höheren Stufen Shine, Star und Superstar erhielten je nach Engagement vier, sechs oder zwölf Monate kostenlosen Wolt+-Zugang. Zalando-Plus-Mitglieder besuchten die Plattform doppelt so oft und stöberten dreimal so lange im Sortiment wie normale Nutzer.
Einzelhandel an der Schmerzgrenze: HDE fordert echte Reformen
Der Einzelhandel fordert wirksame Entlastungen angesichts steigender Energie- und Personalkosten, so eine aktuelle HDE-Trendumfrage. 85 Prozent der befragten Händler hielten die Kraftstoffsteuersenkung für unzureichend, 83 Prozent sähen die 1000-Euro-Entlastungsprämie als staatliche Aufgabe und nicht als Arbeitgeberleistung. 89 Prozent rechneten infolge des Iran-Kriegs mit weiteren Kostensteigerungen, 72 Prozent fürchteten um Arbeitsplätze. HDE-Präsident Alexander von Preen forderte, die Stromsteuer auf das zulässige Minimum zu senken und die Lohnnebenkosten bei 40 Prozent zu deckeln.
HANDEL INTERNATIONAL
Walmart macht die Filiale zum E-Commerce-Lager
Walmart lagert Produkte von Marktplatz-Händlern testweise direkt in den Hinterräumen seiner Filialen, zitiert Finanztrends.de die Financial Times. Das Pilotprojekt laufe im Raum Dallas und ermögliche teils Lieferungen am selben Tag. Eine KI verteile die Ware nach lokaler Nachfrage, Platz schaffe die automatisierte Lieferkette. Analysten sähen in den knappen Filialflächen eine mögliche Bremse, allerdings, dank Walmarts Filialnetz, auch eine neue Sorge für Amazon.
Anthropic werde in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Mrd. Dollar für AWS-Technologien ausgeben, so Amazon in einer Pressemitteilung. Im Gegenzug sichere sich der KI-Entwickler bis zu fünf Gigawatt Rechenkapazität auf Amazons Trainium-Chips der Generationen zwei bis vier. Amazon investiere zu den bereits geflossenen acht Mrd. zusätzlich fünf Mrd. Dollar sofort und bis zu 20 weitere Mrd., gekoppelt an Meilensteine. Parallel werde Anthropics Claude für bestehende AWS-Konten zugänglich, ohne separate Vertragsbeziehung.
Florida ermittelt gegen OpenAI – Beihilfe zum Amoklauf?
Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hat strafrechtliche Ermittlungen gegen OpenAI eingeleitet, meldet Engadget.com. Der Attentäter des Amoklaufs an der Florida State University 2025 habe ChatGPT im Vorfeld genutzt; nach Floridas Beihilferecht könne das den Chatbot zum Mittäter machen. OpenAI weise jede Verantwortung zurück und verweise auf öffentlich zugängliche Informationen. Die Behörde verlange interne Richtlinien, Schulungsunterlagen und ein Organigramm.
Wenn der Broker zur Bank wird: Groww schluckt Fisdom
Der indische Fintech Groww hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr FY26 auf 500 Mio. Dollar gesteigert, ein Plus von 87 Prozent, berichtet Techinasia.com. Auch der Gewinn sei gewachsen. Zugleich übernehme Groww den Wealthtech-Anbieter Fisdom für 103 Mio. Dollar und erweitere damit sein Angebot um Portfoliomanagement und Versicherungen. Der Schritt reduziere die Abhängigkeit vom Derivatehandel, der zuletzt 57 Prozent der Einnahmen ausmachte, aber der Börsenaufsicht SEBI zunehmend ein Dorn im Auge sei.
Clarks öffnet die Türen: Vom Schuhhändler zum Marktplatz
Clarks öffnet seinen Online-Shop für Drittanbieter und betreibt den neuen Marktplatz auf der Technologie von Marketplacer, wie Channelx.world berichtet. Rund 50 Marken seien bereits gelistet, eine Verdopplung stehe kurz bevor. Aus den Bereichen Mode, Accessoires und Lifestyle seien bereits Cambridge Satchel, Mountain Warehouse und Swan an Bord. Der über 200 Jahre alte Schuhhersteller erweitere so sein Sortiment, ohne eigene Ware einzukaufen, und behalte zugleich die Auswahl seiner Handelspartner fest in der Hand.
Zigzag + Shipup = Zigzag Global
Das Retouren-Netzwerk Zigzag hat die Post-Purchase-Plattform Shipup übernommen, meldet Channelx.world. Damit wolle Zigzag Händlern die gesamte Spanne vom Versand bis zur abgeschlossenen Rücksendung aus einer Hand anbieten können. 97 Prozent der Händler betrachteten Retouren als festen Teil des der Kundenbindung. Das fusionierte Unternehmen beschäftige 250 Mitarbeitende in sechs Ländern und trete künftig als Zigzag Global auf.
Europas Paypal-Alternative Wero hängt an US-Wolke
Die European Payments Initiative (EPI), Trägerin von Wero und Zusammenschluss europäischer Banken wie Deutscher Bank, ING und Sparkassen, bestätigt gegenüber Netzpolitik.org die Nutzung von AWS-Diensten. Man behalte jedoch die volle Kontrolle über Architektur und Sicherheit. Trotzdem entstehe damit ein Widerspruch zum oft ausgelobten Anspruch digitaler europäischer Souveränität.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Hobbys im Homeoffice gelten als Arbeitszeitbetrug
44 Prozent der deutschen Beschäftigten erledigt im Homeoffice nebenbei Haushaltstätigkeiten, berichtet Businessinsider.de. Laut einer Yougov-Umfrage gingen 27 Prozent sogar ihren Hobbys nach. Laut Arbeitsrechtler Volker Görzel entspreche dies Arbeitszeitbetrug. Andererseits: 52 Prozent arbeiteten zu Hause konzentrierter, über ein Drittel leiste regelmäßig Überstunden.
Auf deutschen Smartphones tummeln sich im Schnitt 46 zusätzlich installierte Apps, ein Plus von vier gegenüber dem Vorjahr, meldet der Bitkom. 49 Prozent der Befragten hätten sogar mindestens 50 Anwendungen geladen, nur vier Prozent verzichteten komplett auf Zusatz-Apps. Am wichtigsten seien Messenger (83 Prozent), gefolgt von Banking- (80) und E-Mail-Apps (70). Shopping-Anwendungen landeten mit 61 Prozent im Mittelfeld, KI-Apps erreichten 47 Prozent.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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