
Kunden halten stationären Händlern die Treue
Zwar kaufen die Deutschen inzwischen ganz selbstverständlich im Netz ein. Aber sie schätzen durchaus noch den klassischen Einkauf, zeigt eine Studie.
Björn BöerChefredakteurSame Day Delivery nur bei jüngeren Personen im Fokus
Vor dem Hintergrund, dass mit 71 Prozent die Mehrheit der Deutschen im vergangenen Jahr ein- oder mehrmals im Internet bestellt hat, geht aus der forsa-Umfrage auch hervor, dass insbesondere die älteren Bevölkerungsteile seltener das Internet für ihren Einkauf nutzen (46 Prozent aller über 60-Jährigen). Zudem sind ältere Einkäufer seltener bereit, Extragebühren für die Lieferung innerhalb eines Tages (Same Day Delivery) zu zahlen.
Während 34 Prozent aller befragten 18- bis 29-Jährigen einen Aufschlag zahlen würden, sind es in der Altersklasse 60+ nur noch zwölf Prozent. Insgesamt stehen 21 Prozent aller Befragten möglichen Extragebühren für die Lieferung am selben Tag offen gegenüber. Davon würde wiederum die Mehrheit bis zu fünf Prozent des Bestellwertes ausgeben (71 Prozent der Befragten, die Extragebühren zahlen würden).
Zeitersparnis als Kernaspekt für Onlinehandel
"Onlineshopping spricht insbesondere Konsumenten an, die nicht so viel Zeit für Shopping aufwenden wollen, weil andere Sachen wie etwa die junge Familie oder auch der Beruf im Fokus stehen. Das Einkaufserlebnis wird dann häufig rationaler betrachtet und weicht anderen Aspekten der Zeiteinteilung", erläutert Schöberl. Das belege auch die forsa-Umfrage: So geben 42 Prozent aller befragten 30- bis 44-Jährigen an, dass sie Bücher bevorzugt im Internet bestellen, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es nur noch 36 Prozent.
"Einkaufen ist nun einmal auch Freizeitgestaltung. Einzelhändler, die diese Tatsache in ihrem Hause richtig integrieren und das Einkaufen zum Erlebnis machen, werden auch in den nächsten Jahren nachgefragt sein", meint Klaus Striebich, Vorsitzender des Vorstandes des ZIA-Mitgliedsverbandes German Council of Shopping Centers (GCSC).
Schaffung von neuen kommerziellen Räumen
Für das Einkaufserlebnis müsse aber auch die fortschreitende Digitalisierung berücksichtigt werden. "Der stationäre Einzelhandel darf die neuen Möglichkeiten nicht ablehnen. Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Wege, um Konsumenten besser zu bedienen", sagt Striebich. Der aktuelle Trend sei dabei das sogenannte Omni-Channeling, wodurch der Kunde kanalübergreifend angesprochen wird und einkaufen kann.
"In Shoppingcentern beispielsweise werden Konsumenten über mehrere Kanäle angesprochen, etwa über das Smartphone, das Auge, aber eben auch den Geruchssinn und weitere Sinne. Für den stationären Einzelhandel wird es nun darum gehen, sich vom reinen Distributions- zum Kommunikationskanal, also zum Omni-Channel-Retailer zu entwickeln – auch um die jüngere Generation durch die passenden Kanäle anzusprechen", fügt Striebich hinzu.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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