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Aktuelle E-Commerce-News: Amazon Haul, Zoll-Bilanz, Ebay, GPSR, Konversionen, Worldline + Wero, Rewe, Social Commerce und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Amazon Haul Deutschland: Alles unter 20 Euro
Amazon startet laut Pressemitteilung in seiner Shopping-App den wahrscheinlich von Temu inspirierten Discount-Bereich „Haul“ als Beta-Version in Deutschland. Die Plattform biete Tausende Artikel aus Fashion, Wohnen und Lifestyle für maximal 20 Euro, die meisten sogar unter zehn Euro. Einige Produkte kosten nur einen Euro und seien als „krass günstig“ markiert. Kunden erhielten zusätzlich fünf Prozent Rabatt ab 50 Euro Bestellwert und zehn Prozent ab 75 Euro. Die Lieferung erfolge binnen zwei Wochen, ab 25 Euro kostenfrei. Retouren seien 15 Tage lang kostenlos möglich, alle Artikel durchliefen Amazons Qualitätskontrollen.
Zoll-Bilanz 2024: HDE attackiert Temu und Shein
Der Handelsverband Deutschland attackiert nach der Zoll-Jahresbilanz 2024 die Paketflut aus Fernost. Temu und Shein würden Produktsicherheitsvorgaben missachten und Warenwerte systematisch falsch deklarieren, kritisiert HDE-Präsident Alexander von Preen. Die Zollfreigrenze von 150 Euro müsse sofort verschwinden, da 4,6 Mrd. Pakete im vergangenen Jahr unkontrolliert durchrutschten – 91 Prozent stammten aus China. Besonders brisant: Nachdem die USA ihre Freigrenze im April abschafften, investiere Temu massiv in europäische Werbung und fokussiere sich auf Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
Ebay renoviert Verkäufer-Cockpit und Finanzierungsoptionen
Ebay Deutschland führt im Juni umfassende Updates für Online-Händler ein, wie aus den Ebay-Seller-News hervorgeht. Mit dem Partner „Youlend“ stehe eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit zur Verfügung. Refurbished- und „Neu: Sonstige“-Artikel erhielten künftig unter bestimmten Bedingungen das neue „Ebay Zusatzschutz“-Logo. Das Verkäufer-Cockpit erstrahle in neuem Design mit optimierter Übersichtsseite, die den Zugriff auf häufig genutzte Tools beschleunige. Die überarbeitete „Preisvorschläge“-Seite solle Händlern dabei helfen, Interessenten schneller in zahlende Kunden zu verwandeln.
GPSR-Compliance: Amazon verschärft Kontrollen
Amazon droht Sellern mit der Deaktivierung neuer Produktangebote binnen 24 Stunden, falls Compliance-Informationen im Sinne des GPSR (Produktsicherheitsverordnung) fehlen oder fehlerhaft seien, berichtet Onlinehaendler-News.de. Händler ohne bisherige Compliance-Daten müssten ihre Marke registrieren und Herstellerkontakte hinterlegen. Verkäufer mit bestehenden Informationen sollten E-Mail-Adressen verifizieren und Sicherheitsdokumente bereitstellen. Händler kritisieren das Amazon-System scharf: Die Software tauge nicht zur Verwaltung umfangreicher GPSR-Daten, Status-Meldungen stammten noch aus Herbst 2024, Support-Fälle lägen seit November unbearbeitet vor. Die Probleme erhöhten das Abmahnrisiko erheblich.
Konversionen steigen 4,2 Prozent
Die Konversionsrate im deutschen Online-Handel kletterte um 4,2 Prozent, wie der Digital Experience Benchmark Report von Contentsquare laut Pressemitteilung zeigt. Besonders wiederkehrende Mobile-Nutzer würden mit einem Plus von 9,4 Prozent auffallen – deutlich stärker als vergleichbare französische Nutzergruppen mit 2,8 Prozent. Smartphones dominierten bereits 81,2 Prozent aller Shop-Besuche, auch wenn die mobilen Konversionen mit 2,17 Prozent noch hinter Desktop-Werten von 3,89 Prozent zurückbleibe.
Worldline bringt Wero in deutsche Online-Shops
Das französische Fintech Worldline startet ab Sommer laut Pressemitteilung die E-Commerce-Integration des europäischen Zahlungssystems Wero in Deutschland. Das auf Sofortüberweisung basierende System sei bereits in drei Ländern mit über 40 Mio. Stammkunden etabliert und biete integrierten Käuferschutz sowie Banking-App-Zahlung. Händler profitierten von reduzierten Rückbuchungen und gesteigerten Konversionsraten – Kunden benötigten lediglich ihre Mobiltelefonnummer zur Aktivierung. Ab nächstem Jahr plane Wero eine Omnichannel-Lösung für den stationären Handel.
Rewe: Fulfillmenttools soll Weltmarktführer werden
Die Rewe Group steckt 17 Mio. Dollar in ihre Tech-Tochter „Fulfillmenttools“, um deren internationales Wachstum zu beschleunigen, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Das 2020 gegründete Kölner Software-Unternehmen entwickle „Distributed Order Management“-Systeme, die Händlern wie Thalia dabei helfen würden, Online-Bestellungen intelligent zu routen. Digital-Vorstand Christoph Eltze sehe in der Plattform das Potenzial, den Omnichannel-Handel nachhaltig zu verändern. Mit der strategischen Partnerschaft wolle Rewe gemeinsam die Zukunft des Handels gestalten und peile sogar die Weltmarktführerschaft an.
HANDEL INTERNATIONAL
Social Commerce verdrängt klassische Online-Shops
Künstliche Intelligenz und soziale Medien krempeln den Online-Handel grundlegend um, zeigt der neue „E-Commerce Trends Report“ von DHL. Die Befragung von 24.000 Käufern aus 24 Märkten ergebe, dass 70 Prozent bis 2030 hauptsächlich über Social-Media-Plattformen einkaufen wollten. Gleichzeitig wünschten sich ebenso viele KI-gestützte Shopping-Tools wie virtuelle Anproben oder Sprachsuche. Klassische Konversions-Killer blieben jedoch bestehen: 81 Prozent würden ihren Warenkorb verlassen, wenn die bevorzugte Lieferoption fehle, 79 Prozent bei unzureichenden Rückgabebedingungen. Die schon totgesagte Nachhaltigkeit gewinne massiv an Bedeutung – jeder Dritte breche den Kauf wegen Umweltbedenken ab.
Topshop startet eigenen Online-Shop neu
Die britische Modemarke Topshop plant für die zweite Jahreshälfte den Relaunch der eigenen Website und kehrt damit zu einer unabhängigen Online-Präsenz zurück, berichtet Fashionunited.de. Parallel solle ab August eine semi-permanente Einzelhandelspräsenz entstehen, im Herbst würden über einen Großhandelspartner erste physische Geschäfte eröffnen. Seit der Übernahme durch Asos 2021 war die Marke ausschließlich über den Shop der Muttergesellschaft verfügbar.
Pornhub sperrt Franzosen wegen neuer Jugendschutz-Regeln
Aylo, der Betreiber von Pornhub, Redtube und Youporn, sperrt ab heute französische Nutzer von seinen Plattformen aus, berichtet Spiegel.de. Das Unternehmen protestiere damit gegen neue Jugendschutz-Vorschriften, die eine externe Altersverifizierung durch Drittanbieter verlangen würden. Laut Aufsichtsbehörde Arcom besuchten 2023 monatlich 2,3 Mio. Minderjährige Pornoseiten – immerhin zwölf Prozent aller französischen Nutzer. Aylo bezeichne die Regelung als „symbolisch, nutzlos und gefährlich für das Privatleben“ und fordere stattdessen gerätebezogene Kontrollen durch Apple oder Google. Frankreich stelle nach den USA den zweitwichtigsten Markt für Pornhub dar.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Angriffe auf den E-Commerce in einem Jahr verdoppelt
Die Angriffe auf die E-Commerce-Branche haben sich binnen eines Jahres verdoppelt, wie Fastlys „Threat Insights Report“ zeigt. Bots würden mittlerweile 37 Prozent des gesamten Internet-Traffics ausmachen, wobei 89 Prozent davon als unerwünscht gelte. E-Commerce-Websites seien besonders betroffen und würden 39 Prozent des schädlichen Bot-Traffics anziehen. Online-Händler sollten automatische Besucher ihrer Websites besser filtern, um echte Kunden von schädlichen Programmen zu unterscheiden und dadurch Server-Kosten zu sparen sowie ihre Login-Systeme gegen Passwort-Angriffe zu stärken.
Verbraucher lieben Personalisierung und lehnen sichtbare KI ab
Eine SAP Emarsys-Studie enthüllt laut Pressemitteilung ein KI-Paradoxon im Konsumgüterbereich: Während 70 Prozent der Marketer KI für die Kundengewinnung als unerlässlich bezeichnen, wünschten sich nur neun Prozent der Verbraucher mehr KI-gesteuerte Interaktionen. Stattdessen bevorzugten 26 Prozent personalisierte Angebote ohne sichtbare Automatisierung. Deutsche Marken kämpften besonders mit interner Komplexität – 26 Prozent nannten als größtes Hindernis, dass verschiedene Software-Lösungen und Datenbanken verwendet würden, die nicht integriert sind.
Amazons EU-Cloud verspricht komplette Datenhoheit
Amazon strukturiert seine geplante „AWS European Sovereign Cloud“ als eigenständige EU-Muttergesellschaft mit Sitz in Potsdam, wie Heise.de berichtet. Die Cloud – ein 7,8-Mrd.-Euro-Investition – solle Ende diesn Jahres starten und physisch wie logisch von anderen AWS-Regionen getrennt bleiben. Sämtliches Personal, von der Geschäftsführung bis zum Support, bestehe ausschließlich aus EU-Staatsbürgern. Amazon verspreche, dass weder Kundendaten noch Metadaten die EU verlassen würden.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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