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Aktuelle E-Commerce-News: KI im Handel, dm, Zalando, Tiktok, EU-Zollkodex, Amazon, Inditex, Eli Lilly, digitales Stalking und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Mit Automatisierung und KI dem Personalmangel trotzen
Stationärer wie Onlinehandel stehen vor dem Dilemma, mit weniger Personal mehr leisten zu müssen, um ein überzeugendes Kundenerlebnis zu bieten. Auch aus diesem Grund wächst in der Branche das Interesse an künstlicher Intelligenz, dennoch sind in der Mehrheit der Handelsunternehmen KI-Lösungen weder im Einsatz noch in Planung. Dabei kann intelligente Automatisierung Personalnotstände wirksam abfedern, sagen Markus Kirchner und Christoph Kunz von der Unternehmensberatung rpc. In einem Gastbeitrag für Etailment erklären sie, wie die ersten Schritte einer KI-Strategie aussehen können.
Zalando: Umsatzminus, Gewinnplus und neue Strategie
Zalando meldet für 2023 einen Umsatzrückgang von 1,9 Prozent, 16 Mio. weniger Bestellungen, 1,6 Mio. weniger Kunden, aber dennoch fast eine Verdoppelung des Ebit von 185 Mio. Euro im Jahr 2022 auf 350 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Strategisch will das Unternehmen sein Plattformmodell zu einem „E-Commerce-Ökosystem“ für den europäischen Mode- und Lifestylemarkt ausbauen und Zeos (Zalando E-Commerce Operating System) im B2B-Bereich über die eigene Plattform hinaus erweitern.
dm, Nivea und Amazon sind die stärksten Marken
Die Marken mit den stärksten Identitäten sind laut „Identitätsindex 2024“ von Fehradvice: dm (71,6 Punkte), Nivea (70,1) und Amazon (70). Kein Lebensmittelhändler außer Edeka (63,1) schaffte es in die Top Ten, kein Kandidat aus der Mobilitätsbranche – VW (56,1), BMW (54,8), Share Now (53,5) – und auch kein Finanzinstitut. Hier stehen die Volks- und Raiffeisenbanken (50,3) an der Spitze, dicht gefolgt von der Digitalbank Revolut (45,6) und der DKB (44,7).
HANDEL INTERNATIONAL
US-Repräsentantenhaus will Tiktok in App-Stores verbieten
Das US-Repräsentantenhaus hat mit einer Mehrheit von 352 zu 65 Stimmen ein Gesetz verabschiedet, das App-Stores den Vertrieb von Tiktok unter Androhung hoher Geldstrafen verbieten könnte, berichtet Theguardian.com. Das Gesetz gibt Bytedance 165 Tage Zeit, Tiktok zu verkaufen, wenn die zweite Kammer des Parlaments, der Senat, mehrheitlich für den Gesetzesvorschlag stimmt. Dort ist das Abstimmungsergebnis allerdings noch nicht absehbar, es gibt durchaus ernsthafte verfassungsrechtliche Bedenken. Der Vorschlag ist so angelegt, dass er bei Bedarf auch auf andere „feindliche“ Länder oder andere chinesische Anwendungen ausgeweitet werden könnte.
EU-Parlament überarbeitet EU-Zollkodex-Reform
Der Zollkodex der Gemeinschaft muss nach Ansicht des Europäischen Parlaments wegen des zunehmenden E-Commerce überarbeitet werden. Die Abgeordneten einigten sich auf eine Position, die dem neu gewählten Parlament vorgelegt werden soll. Vor allem internationale Online-Plattformen sollen in die Pflicht genommen werden und künftig vorab Informationen über gekaufte Waren an die EU-Zollbehörden übermitteln. Vertrauenswürdige Anbieter sollen mit minimalen Kontrollen und weniger Formularen rechnen dürfen. Zudem soll eine neue zentrale IT-Plattform namens EU DataHub für alle europäischen Zollbehörden geschaffen werden.
Amazon verdiente letztes Jahr 636 Dollar in der Sekunde
Der Umsatz der globalen E-Commerce-Branche wird 2023 auf rund 3 Bio. Dollar geschätzt – der Löwenanteil davon entfällt auf Amazon, berichtet der Börsenanalysedienst Stocklytics. Amazon verdiente im vergangenen Jahr umgerechnet 636 Dollar pro Sekunde, Alibaba 430 Dollar und Pinduoduo 204 Dollar. Der Börsenwert von Amazon stieg auf 1,82 Bio. Dollar und übertrifft damit seine fünf nächsten Konkurrenten Alibaba (184 Mrd. Dollar), Pinduoduo (146 Mrd. Dollar), JD.com (39 Mrd. Dollar), Ebay (26 Mrd. Dollar) und Rakuten (12 Mrd. Dollar) zusammen um das Dreifache.
Online-Kontoeröffnung in der Schweiz bleibt schwierig
Bei einer Umfrage des Vergleichsdienstes Moneyland.ch bei 31 traditionellen Banken in der Schweiz können Neukunden bei 19 Banken online ein Privatkonto für den Zahlungsverkehr eröffnen. Dazu ist in der Regel ein Selfie oder ein Videointerview nötig. Bei 16 Banken ist die Einrichtung eines Sparkontos möglich, bei neun Banken allerdings nur in Verbindung mit einem bestehenden Girokonto. Ging es allerdings um ein Säule-3a-Konto für die gebundene Altersvorsorge waren nur noch sieben Banken dazu bereit. Eine Kontoeröffnung aus dem Ausland war nur bei der CA Next Bank möglich, allerdings nur nach Prüfung und nur für Auslandschweizer mit Wohnsitz in Deutschland, Frankreich oder Italien.
Online-Geschäft von Inditex wächst 16 Prozent
Der spanische Textilkonzern Inditex meldet für 2023 35,9 Mrd. Euro Umsatz, ein Plus von 10,4 Prozent. Die Ebit-Marge erhöhte sich laut Textilwirtschaft.de überproportional von 16,9 Prozent auf 18,9 Prozent. Für gut 9,1 Mrd. Euro waren die Erlöse des E-Commerce verantwortlich, der somit über ein Viertel des Gesamtgeschäfts ausmacht und um 16 Prozent gewachsen ist. Die Fast-Fashion-Marke Zara bleibt für Inditex am wichtigsten und erwirtschaftete on- und offline 72,5 Prozent des Umsatzes.
Eli Lilly liefert über Amazon Medikamente aus
Der Pharmakonzern Eli Lilly aus Indianapolis hat laut Reuters.com angekündigt, dass die Bestellungen seiner Kunden über die neue Online-Apotheke Lilly Direct in den USA nicht mehr nur über Truepill, sondern auch über Amazon ausgeliefert werden. Lilly Direct vertreibt Medikamente für chronisch Kranke, die an Migräne, Diabetes oder Adipositas leiden. Insbesondere das Geschäft mit Zepbound, einem Mittel gegen Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsreduktion, macht es offenbar notwendig, die anfallenden Lieferungen auf mehrere Anbieter zu verteilen.
TRENDS & TECH
KI, Roboter und Tracker am Arbeitsplatz senken Lebensqualität
Je intensiver Arbeitnehmer Software, die auf KI und maschinellem Lernen basiert oder Überwachungsgeräten wie tragbaren Tracker oder aber Robotik ausgesetzt sind, desto schlechter sind ihre Gesundheit und ihr Befinden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des „Institute for the Future of Work“ unter 5.000 Befragten in Großbritannien. Erstaunlich, dass hingegen lange etablierte Informations- und Kommunikationstechnologien wie Laptops, Tablets oder Instant Messaging am Arbeitsplatz tendenziell positive Wirkung auf das Wohlbefinden haben.
Webseitenbetreiber haften nicht für die Wayback Machine
Webseitenbetreiber haften für eigene Urheberrechtsverletzungen, nicht aber für Kopien, die in der Wayback Machine des Internet Archive gespeichert sind, so Heise.de. Ein Stadtplandienst hatte eine Kleinstadt verklagt, die Kartenausschnitte ohne Lizenz auf ihrer Website veröffentlicht hatte. Sie erhielt dafür 19.000 Euro Strafe, löschte alle Bilder, unterzeichnete eine Unterlassungserklärung und informierte die Wayback Machine mit der Bitte, die entsprechenden Kopien zu löschen. Ohne Erfolg. Da die umstrittenen Karten so nach wie vor im Internet zu finden waren, klagte das Unternehmen erneut und bekam in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht Nürnberg erklärt, dass die kryptischen Links, die notwendig sind, um die alten Versionen online zu finden, keine öffentliche Wiedergabe darstellen und daher kein wirtschaftlicher Schaden entsteht.
Beim digitalen Stalking ist Deutschland Europameister
Die Zahl der Betroffenen von digitalem Stalking ist weltweit auf 31.031 gestiegen, in Europa aber rückläufig, zitiert Zeit.de eine Analyse des Cybersicherheitsunternehmens Kaspersky. Dort liegt Deutschland mit 577 gemeldeten Fällen an der Spitze, mit großem Abstand folgen Frankreich (332), Großbritannien (271), Spanien (257) und Italien (252). Ein Drittel der Deutschen gab an, schon einmal gestalkt worden zu sein oder vermutet dies, und fast jeder Zehnte hat schon einmal das Smartphone des Partners mit Stalker-Ware wie vermeintlichen Anti-Diebstahl- oder Kindersicherungs-Apps manipuliert.
Globalisierungstrend bleibt ungebrochen
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die wirtschaftliche Vernetzung abnimmt, hat die Globalisierung im Jahr 2022 ein Rekordniveau erreicht und dieses trotz geopolitischer Spannungen auch im Jahr 2023 gehalten. Zu diesem Ergebnis kommt laut Onlinemarktplatz.de der „DHL Global Connectedness Report 2024“, den die New York University Stern School of Business im Auftrag von DHL erstellt hat. Sowohl Handels- und Kapitalströme als auch Informations- und Personenflüsse hätten sich im vergangenen Jahr intensiviert, ergab die Auswertung von neun Millionen Datenpunkten aus 181 Ländern.
NACHHALTIGKEIT
Moderne Segel an alten Schiffen sparen CO2
In einem Modellversuch wurde laut BBC.com die „Pyxis Ocean“, ein klassisches Frachtschiff mit Dieselantrieb, mit modernen starren Segeln ausgestattet, die aus dem gleichen Material bestehen wie die Rotorblätter von Windkraftanlagen. Im Hafen können sie eingeklappt werden, auf offener See entfalten sie sich in über 30 Metern Höhe. Die Steuerung erfolgt vollautomatisch. Nach einem halben Jahr im normalen Frachtbetrieb ergab die Auswertung eine Einsparung von 3.000 Kilogramm Treibstoff pro Tag, was einer Reduktion der CO2-Emissionen um täglich 11,2 Tonnen entspricht.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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