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Aktuelle E-Commerce-News zu Otto, Kaufland + Tiktok, DHL + Kanada, Aliexpress, Luisaviaroma, Tiktok, Amazon und weiteren Themen des Tages im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Otto verteidigt Marktplatz-Sperrungen vor Gericht
Otto hat erfolgreich gegen zwei Klagen gesperrter Marktplatz-Händler gewonnen, berichtet Onlinehaendler-News.de. Das Oberlandesgericht Hamburg stellte beide Verfahren ein, da keine „sortimentsbedingte Abhängigkeit“ der Seller vorliege. Hunderte Drittanbieter waren im Herbst wegen Regelverstößen ausgeschlossen worden – sie hätten unvollständige Rechtstexte geliefert, fehlerhafte Produktdaten übermittelt oder gegen Bildrichtlinien verstoßen. Otto-Chefin Petra Scharner-Wolff rechtfertige die Maßnahmen als Qualitätssicherung nach der Anlaufphase, die mit der Marktplatz-Öffnung 2020 begonnen habe.
Kaufland startet Tiktok-Verkauf
Kaufland testet den Verkauf über Tiktok-Shop und folge damit der Konzernschwester Lidl, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Die Schwarz-Tochter verkaufe seit kurzem ausgewählte Eigenmarken-Produkte über die im März gestartete deutsche Commerce-Funktion der Bytedance-Plattform. Kaufland konzentriere sich zunächst auf den Drogerie-Bereich und arbeite mit zwei Influencerinnen zusammen. Diese würden exklusive Beauty- und Family-Boxen der Marke „Bevola“ bewerben, die etwa 15 Produkten im Warenwert von über 40 Euro für nur fünf Euro verkauften. Geschäftsführer Christoph Schneider erkläre, man wolle Produkte gezielt dort platzieren, wo besondere Nachfrage bestehe.
DHL stellt Express-Dienst nach Kanada komplett ein
DHL Express stellt seinen Betrieb in Kanada ab morgen komplett ein, wie Paketda.de berichtet. Bereits seit dem 17. Juni würden keine Sendungen nach Kanada mehr angenommen. Grund sei der anhaltende Arbeitskampf mit der Gewerkschaft Unifor sowie ein neues kanadisches Gesetz, das Ersatzarbeitskräfte während Streiks verbiete. Bei Verstößen drohten Bußgelder von bis zu 100.000 kanadischen Dollar täglich. Andere DHL-Dienste außer Express seien allerdings nicht betroffen. Das Unternehmen wolle konstruktiv verhandeln und den Service schnellstmöglich wieder aufnehmen.
HANDEL INTERNATIONAL
Niederländer steigern Online-Ausgaben um acht Prozent
Niederländische Verbraucher geben erstmals seit der Pandemie wieder mehr Geld für Produkte im Online-Handel aus, meldet Ecommercenews.de. Die Ausgaben stiegen im ersten Quartal um acht Prozent, getrieben durch einen spektakulären Boom bei Küchen- und Haushaltsartikeln. Die Kategorie Home & Living explodiere förmlich, deren Online-Anteil schnelle von 24 auf 36 Prozent hoch. Parallel dazu verlören US-amerikanische Online-Shops an Boden – ihr Marktanteil schrumpfe von zwölf auf acht Prozent; es profitierten stattdessen europäische Anbieter.
Aliexpress verspricht schärfere Kontrollen illegaler Produkte
Aliexpress lenkt nach monatelangem EU-Druck ein und verpflichtet sich zu schärferen Kontrollen illegaler Produkte, berichtet Welt.de. Der chinesische Marktplatz wolle künftig verstärkt gegen gefährliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel vorgehen. Verbraucher könnten verdächtige Produkte einfacher melden, Werbesysteme würden transparenter gestaltet und Forscher erhielten besseren Datenzugang. Die rechtlich verbindlichen Zugeständnisse seien eine Reaktion auf Vorwürfe vom März 2024. Dennoch sieht Brüssel weiterhin Verstöße gegen das Digitale-Dienste-Gesetz, da Moderationssysteme unzureichend funktionierten und Sanktionen gegen Wiederholungstäter nicht konsequent durchgesetzt würden.
Luisaviaroma wird zum Marktplatz für italienische Luxusboutiquen
Die italienische Luxusmodeplattform Luisaviaroma wandelt ihr Geschäftsmodell grundlegend und startet als digitaler Marktplatz für unabhängige italienische Multibrand-Boutiquen, berichtet Retail-News.de. Das Unternehmen verfolge einen Farfetch-ähnlichen Ansatz und wolle den zersplitterten Vertriebsmarkt konsolidieren. In Partnerschaft mit der Online-Plattform „Thebs“ und „Camera Buyer Italia“ entstehe das erste authentische italienische Luxus-Ökosystem im E-Commerce. Ausgewählte Boutiquen erhielten in der Pilotphase bereits Zugang zu digitalen Tools und internationalem Traffic.
Online-Handel trotzt US-Einzelhandelskrise erfolgreich
Während die US-Einzelhandelsumsätze im Mai um 0,9 Prozent einbrachen, blieb der Online-Handel von dieser Schwäche verschont, wie Reuters.com berichtet. Die Kerndaten ohne die äußerst volatilen Autokäufe stiegen online sogar um 0,4 Prozent. Der stärkste Gesamtrückgang des Einzelhandels seit Januar markiere das Ende des zollbedingten Kaufrauschs vom März, als Verbraucher noch schnell vor den angekündigten 25-Prozent-Zöllen ausländische Fahrzeuge gekauft hätten. Oxford Economics prognostiziere eine weitere deutliche Abschwächung für die zweite Jahreshälfte, wenn Trumps Zollpolitik auch auf die Einkommen durchschlage.
Trump verlängert Tiktoks Gnadenfrist noch einmal
Trump plant laut Spiegel.de eine weitere 90-tägige Verlängerung der Tiktok-Verkaufsfrist. Seine Sprecherin Karoline Leavitt kündigte ein entsprechendes Dekret für diese Woche an. Es wäre bereits der dritte Aufschub, den der Präsident der chinesischen Video-Plattform gewähre. Bytedance müsse eigentlich bis 19. Januar sein US-Geschäft verkaufen, da der Kongress wegen mutmaßlicher Spionage für Peking ein entsprechendes Gesetz verabschiedet habe. Ein konkreter Verkaufsplan scheint jedoch – ähnlich wie z.B. eine Strategie der Regierung – nicht zu existieren.
Amazon kündigt KI-bedingten Personalabbau in Büros an
Amazon-Chef Andy Jassy kündigt laut NTV.de eine schrumpfende Belegschaft in den Büros an, bedingt durch Künstliche Intelligenz. Der Konzern plane, klassische Arbeitsplätze durch intelligente Software zu ersetzen, schrieb er der Belegschaft. Von den weltweit 1,5 Mio. Beschäftigten könnten besonders die 350.000 Büroangestellten betroffen sein. Statt Massenentlassungen setze Amazon jedoch auf natürliche Fluktuation – freiwerdende Stellen blieben unbesetzt. KI-Agenten sollen künftig verstärkt Aufgaben wie Programmierung, Übersetzungen und Datenanalyse übernehmen.
TRENDS & TECHNOLOGIE
KI-Lernbereitschaft klettert auf 60 Prozent
Das Interesse der Deutschen an Künstlicher Intelligenz wächst deutlich: 60 Prozent wollen mehr über KI lernen, wie eine Bitkom-Umfrage zeigt. Vor einem Jahr seien es erst 49 Prozent gewesen. Die Mehrheit der Befragten sehe Chancen für mehr digitale Teilhabe: 57 Prozent glaubten, KI mache komplexe Informationen verständlicher, 49 Prozent sähen einen einfacheren Zugang zu digitalen Technologien. Ein Viertel meine sogar, KI könne zu einer gerechteren Welt beitragen. Gleichzeitig bestünden Bedenken: 52 Prozent befürchteten eine Entmündigung des Menschen, 49 Prozent sorgten sich um Diskriminierung durch Vorurteile, welche die KI gelernt habe und verbreiten könnte.
Lehrer contra Politiker: Keine Altersgrenzen für Social Media
Der Deutsche Lehrerverband lehnt gesetzliche Altersgrenzen für soziale Medien ab, berichtet Heise.de. Verbandspräsident Stefan Düll bezeichne entsprechende Forderungen von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und CDU-Ministerpräsident Daniel Günther als realitätsfern. Facebook, Instagram und Tiktok seien Teil der Jugend-Realität, in der sich junge Menschen zurechtfinden müssten. Verbote ließen sich kaum durchsetzen und würden nicht weiterhelfen. Stattdessen komme es auf digitale Erziehung durch Eltern und Schulen an. Jugendliche nutzten Social Media auch häufig zur politischen Meinungsbildung und hätten durchaus ein Recht auf Information.
Bankdaten enthüllen gespaltene Krisenbewältigung
Deutsche Verbraucher überstanden die Krisenjahre 2021 bis 2024 unterschiedlich gut, zeigt eine Studie des Ifo-Instituts, der Digitalbank N26 und der TU München. Während junge Erwachsene trotz gestiegener Ausgaben von Lohnzuwächsen profitierten, kämpften ältere Menschen und Haushalte mit hohen Mietbelastungen weiterhin mit finanziellen Engpässen. Die Forscher analysierten anonymisierte Bankdaten und stellten fest, dass sich die finanziellen Spielräume durch die Krise eingeengt hätten. Negative Kontensalden belegten die geringe finanzielle Flexibilität vieler Konsumenten, weshalb sie eher wieder Ersparnisse aufbauten als konsumierten.
Berliner sind Könige im Land der Modemuffel
Deutsche geben laut aktueller NIQ-GfK-Studie mit 547 Euro pro Kopf deutlich weniger für Bekleidung und Schuhe aus als der europäische Durchschnitt. Es reicht gerade für Platz 18 unter den 25 untersuchten Ländern – der Durchschnittseuropäer investiere 772 Euro, der Durchschnitts-Luxemburger ist mit 1.777 Euro drei Mal so eitel wie der Deutsche. Doch beim Gefallen gibt es ein Gefälle: Während man in Hamburg und München ab und an ein neues Hemd oder Kleid kaufe, sparten die Berliner sogar schärfer als andere Bundesbürger.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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