
Outfittery + Lookiero, Picnic, Zalando, Mastercard, Google, JD.com, Klarna, Loyalty-Apps, Salesforce, KI auf dem Smartphone
Aktuelle E-Commerce-News: Outfittery + Lookiero, Picnic, Zalando, Mastercard, Google, JD.com, Klarna, Loyalty-Apps und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Stilberater-Hochzeit: Outfittery und Lookiero fusionieren
Online-Modehändler Outfittery fusioniert mit dem spanischen Konkurrenten Lookiero und schließt gleichzeitig eine neue Finanzierungsrunde von schätzungsweise 50 bis 60 Mio. Euro ab, berichtet Handelsblatt.com. Es handle sich bei beiden Unternehmen um Stilberater, die mittels Stylisten und Algorithmen komplette Outfits versenden würden. Während Outfittery sich auf höherpreisige Männermode im DACH-Raum spezialisiere, biete Lookiero preiswertere Damenmode mit Fokus auf den französischen Markt an. Gemeinsam verfügten die Unternehmen über drei Millionen Kunden und planten den Aufbau einer gemeinsamen KI-Datenplattform.
Picnic wächst langsamer, aber bleibt zuversichtlich
Der Online-Lebensmittellieferdienst Picnic hat 2024 mit rund 600 Mio. Euro Netto-Umsatz in Deutschland etwa 100 Mio. Euro weniger erwirtschaftet als ursprünglich geplant, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Die Edeka-Beteiligung habe dies mit verzögerten Baugenehmigungen für Lager und Hubs begründet, welche die Erschließung neuer Städte ausgebremst hätten. Trotz eines Nachsteuerverlustes von 140 Mio. Euro habe das Unternehmen seine Investitionen weiter vorangetrieben. Die Rhein-Ruhr-Region arbeite laut Picnic-Co-Founder Frederic Knaudt bereits profitabel.
Zalando wächst trotz Shein und plant Expansion
Zalando rechnet für 2025 dank seiner „Ökosystem-Strategie“ in den Bereichen B2C und B2B mit einem Wachstum von vier bis neun Prozent, wie aus der aktuellen Finanzprognose hervorgeht. Im B2C-Bereich sei es gelungen, sich auf „Qualität als Differenzierungsmerkmal“ zu fokussieren. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen ein bereinigtes Ebit von 511 Mio. Euro erzielt und damit sowohl den Vorjahreswert als auch die eigene Prognose übertroffen. Mit der geplanten Übernahme von About You möchte der Mode-Riese seine Marktposition ausbauen und außerdem mit Portugal, Griechenland und Bulgarien drei frische Märkte erschließen.
Checkout: Zwei Stunden jährlich für Dateneintippen
Mehr als 56 Millionen Deutsche hätten 2024 ihre Online-Einkäufe abgebrochen, weil der Check-out zu umständlich sei, so eine aktuelle Mastercard-Studie. Die manuelle Eingabe von Kartennummern und Adressen nerve über die Hälfte der Befragten und koste jeden Verbraucher jährlich mehr als zwei Stunden. Datenschutzbedenken spielten ebenfalls eine entscheidende Rolle – 87 Prozent der Käufer kritisierten die Abfrage unnötiger persönlicher Informationen. Mastercards „Click to Pay“ biete hingegen einen einfachen und sicheren Online-Check-out.
HANDEL INTERNATIONAL
Trotz ChatGPT wächst Googles Suche weiter
Google verzeichnet mittlerweile über fünf Bio. Suchanfragen jährlich, d.h. 13,7 Mrd. pro Tag, und widerlegt damit Befürchtungen einer existenziellen Bedrohung durch ChatGPT, berichtet Businessinsider.de. Die Suchanfragen seien seit ChatGPTs Markteinführung Ende 2022 sogar um mehr als 20 Prozent gestiegen. Google setze verstärkt auf neue KI-Suchwerkzeuge wie „Lens“ und „Circle to Search“ und zeige Ergebnisse als „AI Overviews“. Es bleibe allerdings offen, wie künftige KI-Agenten das Suchverhalten möglicherweise grundlegend verändern könnten.
Gewinnsprung bei JD.com trotz schwieriger Konjunktur
Der chinesische E-Commerce-Gigant JD.com steigerte seinen Umsatz im letzten Jahr um 6,8 Prozent auf 159 Mrd. Euro, berichtet Retail-News.de. Der Nettogewinn sei um mehr als 70 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro geklettert; das Unternehmen kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm über 5 Mrd. Dollar an. Zudem habe JD.com sein Plus-Mitgliedschaftsprogramm erweitert und sowohl die digitalen Gesundheitsdienste und das globale Logistiknetz ausgebaut. CEO Sandy Xu blicke optimistisch auf 2025 und plane, durch strategische Initiativen Marktanteile auszubauen und die Profitabilität weiter zu steigern.
Klarnas Milliardenplan für die US-Börse
Der schwedische Zahlungsanbieter Klarna plant sein Börsendebüt in den USA mit einem anvisierten Erlös von mindestens einer Mrd. Dollar, berichtet Manager-Magazin.de. Das von Sebastian Siemiatkowski geführte Unternehmen strebe eine Bewertung von über 15 Mrd. Dollar an und könnte bereits kommende Woche die notwendigen Unterlagen einreichen. Die Preisfestlegung solle voraussichtlich Anfang April erfolgen, wobei die Bewertung des Unternehmens in den vergangenen Jahren zwischen knapp sieben und fast 46 Mrd. Dollar geschwankt habe.
Leichte Delle im Euroraum-Einzelhandel
Das Einzelhandelsvolumen im Euroraum schrumpfte im Januar um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, berichtet Eurostat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat habe das Volumen jedoch um 1,5 Prozent zugelegt. Während der Handel mit Lebensmitteln, Getränke und Tabak um 0,6 Prozent zugelegt habe, hätten Non-Food-Produkte um 0,7 Prozent und Kraftstoffe um 0,3 Prozent nachgegeben. Die Slowakei rutsche mit minus neun Prozent am stärksten ab, wohingegen Slowenien sich mit einem Plus von 2,3 Prozent den ersten Listenplatz sicherte.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Loyalty-Apps boomen – echte Kundenbindung bleibt schwierig
Loyalty-Apps erfreuen sich großer Beliebtheit bei 70 Prozent der deutschen Konsumenten, wie eine Studie von IFH Köln und Media Central zeigt. Die Nutzer hätten durchschnittlich 4,2 solcher Apps installiert, wobei branchenübergreifende Programme sowie Anwendungen aus dem Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriemärkten besonders stark vertreten seien. Gerade die „Heavy User“ mit fünf oder mehr Apps verglichen jedoch häufig nur Angebote, anstatt sich langfristig an einen Anbieter zu binden. Für nachhaltigen Erfolg seien deswegen vor allem das Sammeln von Punkten (77 Prozent der Befragten), die Einlösung von Gutscheinen (75 Prozent) sowie eine unkomplizierte Bedienung (77 Prozent) entscheidend.
Salesforce macht seine KI-Agenten autonom
Salesforce führt mit „Agentforce 2dx“ eine bedeutende Erweiterung seiner KI-Plattform ein, die KI-Agenten von reaktiven zu proaktiven autonomen Systemen weiterentwickelt, berichtet Techradar.com. Die verbesserte Technologie solle besonders Unternehmen entlasten, die unter Arbeitskräftemangel leiden. Parallel dazu starte der Konzern „Agentexchange“, einen Marktplatz mit über 200 Partnern, der Zugang zu sofort einsetzbaren Templates und Aktionen biete. Marc Benioff, CEO von Salesforce, prophezeie eine Zukunft, in der Führungskräfte sowohl menschliche Mitarbeiter als auch KI-Agenten managen müssten.
Digitaljobs brauchen mehr weibliche Perspektiven
Frauen fehlen weiterhin in den IT- und Digitalberufen, obwohl 64 Prozent der deutschen Unternehmen dies als Gefahr für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft betrachten, so eine aktuelle Bitkom-Studie. In 94 Prozent der Firmen besetze das weibliche Geschlecht weniger als die Hälfte der IT-Stellen – vielleicht weil 39 Prozent der Befragten Männer für grundsätzlich besser geeignet hielten? Um gegenzusteuern, hätten 37 Prozent der Unternehmen bereits Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils verankert und 60 Prozent setzten auf gezielte Recruiting-Maßnahmen wie Hochschulkooperationen oder spezielle Einstiegsprogramme.
Die KI-Revolution auf dem Smartphone ist vertagt
Die KI-Revolution auf dem Smartphone wird mangels Beteiligung auf unbestimmte Zeit verschoben – laut einer Umfrage von Sellcell haben rund 60 Prozent der befragten Besitzer die Funktionen noch nicht einmal ausprobiert. Grund: Schlicht kein Interesse. 73 Prozent der iPhone- und sogar 87 Prozent der Galaxy-Nutzer halten die beworbenen KI-Features für wertlos. Käme die KI nicht automatisch mit dem neuen Telefon, würden 86,5 Prozent der Apple-Kunden und 94,5 Prozent der Samsung-Kunden keinen Cent extra für sie bezahlen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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