
Wolt + Knuspr, Hellofresh, Konsumklima, ChatGPT-Shopping, Amazon Prime Day, Yelp, Vinted, Kühlkette, Duolingo, Passwörter
Aktuelle E-Commerce-News: Wolt + Knuspr, Hellofresh, Konsumklima, ChatGPT-Shopping, Amazon Prime Day, Yelp, Vinted und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Wolt bringt Knuspr nach München und Frankfurt
Wolt und Knuspr erweitern laut Pressemitteilung ihre digitale Einkaufspartnerschaft auf den Großraum München und das Rhein-Main-Gebiet. Nach dem Berliner Pilotprojekt stünden nun in 332 zusätzlichen Postleitzahlgebieten bis zu 15.000 Produkte – von frischem Obst bis zu regionalen Spezialitäten – über die Wolt-Plattform zur Verfügung. Die Auslieferung erfolge in gekühlten Fahrzeugen direkt aus den Knuspr-Logistikzentren in Bischofsheim und Garching. Der Mindestbestellwert liege bei 39 Euro und die Lieferung sei ab 79 Euro kostenfrei.
Hellofresh: Vom Kochboxer zum Fertigkoch
Hellofreshs Quartalszahlen offenbaren im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von 6,9 Prozent auf 1,93 Mrd. Euro, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Das schwächelnde Kerngeschäft mit Kochboxen sei um 13,5 Prozent geschrumpft, während die Fertiggerichte-Sparte um 10,5 Prozent zugelegt habe. Trotz des wachsenden Fertiggerichte-Anteils von mittlerweile 28 Prozent sei aber unter dem Strich ein Verlust von 123,8 Mio. Euro angefallen.
Amazon streicht „Verstecken“ von Bestellungen
Amazon schafft die Option zum Archivieren von Bestellungen, um sie auszublenden, vollständig ab, berichtet Onlinehaendler-News.de. Die bislang für Überraschungen und Geschenke genutzte Funktion verschwinde wahrscheinlich ab 30. April. Der Konzern habe keine Gründe für die Entscheidung genannt, obwohl die Archivierungsmöglichkeit erst kürzlich in einem firmeneigenen Blogbeitrag beworben worden sei. Branchenexperten vermuten eine zu geringe Nutzung der Versteckfunktion.
Die Deutsche Wirtschaft ist verunsichert
28,3 Prozent der deutschen Firmen tun sich schwer, ihre Geschäftsentwicklung vorherzusagen, berichtet das Ifo-Institut. Das sei der höchste Wert seit November 2022. Besonders dramatisch sei die Lage in der Industrie, wo die Unsicherheit auf knapp 39 Prozent hochgeschnellt sei. Im Handel hätte rund ein Drittel von einer „schwierigen Situation“ berichtet.
Konsumklima klettert im Zickzack nach oben
Das Konsumklima in Deutschland setzt seinen Erholungskurs fort und steigt um 3,7 Zähler auf minus 20,6 Punkte, meldet Nielseniq.com. Die Einkommenserwartung habe mit einem Plus von 7,4 Zählern auf 4,3 Punkte den höchsten Stand seit Oktober erreicht, die Anschaffungsneigung sei um 3,3 Punkte auf minus 4,9 gestiegen. Besonders auffällig sei der deutliche Rückgang der Sparneigung um 5,4 Punkte auf 8,4 Zähler. Trotz dieser Lichtblicke drohe Deutschland das dritte Rezessionsjahr in Folge – ein historisches Novum.
HANDEL INTERNATIONAL
ChatGPT erhält Shopping-Funktion
OpenAI stattet seinen KI-Chatbot mit einer Shopping-Funktion aus, die Produktsuche, Produktvergleiche und den direkten Kauf innerhalb des Chats ermöglicht, berichtet Heise.de. Die neue Funktion zeige visuelle Produktdetails samt Preisen und Bewertungen an und sei zunächst auf die Bereiche Elektronik, Haushaltswaren, Beauty und Mode beschränkt. Ähnlich wie bei Google basierten die Empfehlungen auf persönlichen Nutzerdaten – die Auswahlkriterien entsprächen jedoch einer undurchsichtigen „Blackbox“.
Amazon Prime Day: Termin für Juli angekündigt
Amazon hat in einer Pressemitteilung den nächsten Prime Day für Juli angekündigt. Das exklusive Shopping-Event werde Prime-Mitgliedern in Deutschland, Österreich und 23 weiteren Ländern zugänglich sein. Konkrete Angebote würden erst kurz vor dem Event enthüllt, wobei der Fokus auf Elektronik, Mode und Haushaltswaren liege. Beim Prime Day 2024 seien über 200 Millionen Artikel verkauft worden, besonders von kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Amazon wälzt die Zölle auf seine Händler ab
Amazon nutzt seine Marktmacht, um Zulieferer zur Senkung der Preise für von US-Zöllen betroffene Waren zu zwingen, zitiert Businessinsider.de einen Artikel der Financial Times. Der E-Commerce-Riese fordere bei Haushaltsartikeln und Elektronik Preisnachlässe im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, wobei chinesische Hersteller besonders unter Druck stünden. Bei Importen aus anderen Ländern übernehme Amazon hingegen ein Drittel der Zollkosten selbst. Diese Strategie habe der Konzern bereits während Trumps erster Amtszeit erfolgreich eingesetzt.
Amazon Prime Day: Verkäufer-Exodus
Zahlreiche Amazon-Dritthändler verzichten dieses Jahr auf eine Teilnahme am Prime Day oder drosseln ihr Angebot, berichtet Techinasia.com. Die drastischen amerikanischen Zölle auf chinesische Waren hätten die einst lukrativen Gewinnmargen von 15 bis 20 Prozent pulverisiert. Für die Teilnahme müssten Händler zwischen 500 und 1.000 Dollar zuzüglich der üblichen 15-prozentigen Verkaufsprovision berappen.
Yelp präsentiert KI-Telefonassistenten
Yelp entwickelt KI-gestützte „Voice Agents“, die Restaurants und Dienstleistern bei der Anrufbearbeitung helfen sollen, berichtet TechCrunch.com. Die digitalen Assistenten könnten grundlegende Fragen beantworten und einfache Aufgaben wie das Hinzufügen von Kunden zu Wartelisten übernehmen. Sie benötigten keine komplizierte Einrichtung und könnten bestehende Metadaten nutzen. Bei komplexeren Anfragen würde das Gespräch an einen menschlichen Mitarbeiter weitergeleitet. Yelp verwende OpenAIs Realtime API für die Anrufbearbeitung.
Vinted vervielfacht Gewinn und erweitert Portfolio
Der litauische E-Commerce-Konzern Vinted Group hat seinen Nettogewinn 2024 um satte 330 Prozent auf 76,7 Mio. Euro vervielfacht, berichtet Fashionunited.de. Der Umsatz des Second-Hand-Marktplatzes sei um 36 Prozent auf 813,4 Mio. Euro geklettert, womit das Unternehmen das zweite Jahr in Folge in der Gewinnzone lande. Neben Kleidung biete der Marktplatz inzwischen auch Bücher und Elektronik an, während die Logistiktochter Vinted Go ihr Paketfächernetzwerk von Frankreich und den Benelux-Ländern auf die iberische Halbinsel ausweite.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Kühlkette und letzte Meile – eine Herausforderung für Lebensmittel-Lieferer
Die Kühlkette zählt im E-Food-Bereich zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren, wird jedoch von vielen Anbietern noch immer unterschätzt. Für Händler geht es nicht nur um Gesetzeskonformität und die Wahrung des Markenimages, sondern auch um langfristige Profitabilität. E-Food-Experte Matthias Schu aus dem Etailment.de-Expertenrat skizziert auf Etailment.de die verschiedenen Optionen.
KI im E-Commerce: Hohe Investitionen, bescheidene Ergebnisse
US-Online-Händler investierten im vergangenen Jahr durchschnittlich mehr als 400.000 Dollar in KI-gestützte Kundenerlebnisse, berichtet Retaildive.com. Bei einer Umfrage von Storyblok unter 300 E-Commerce-Unternehmen hätten jedoch 30 Prozent der Führungskräfte eingeräumt, die Technologie habe das Kundenerlebnis nur geringfügig verbessert. Dennoch seien 97 Prozent der Befragten mit der Kapitalrendite zufrieden. Die Unternehmen nutzten KI vor allem für Kundenservice (61 Prozent), Marketinganalysen (60 Prozent) und administrative Automatisierung (42 Prozent).
Duolingo setzt auf KI statt Freelancer
Duolingo plant schrittweise den Ersatz von Freelancern durch künstliche Intelligenz, berichtet Theverge.com. Der Sprachlern-Anbieter werde künftig nach dem „KI-first-Prinzip“ agieren, wobei Personalaufstockung nur noch genehmigt werde, wenn Teams ihre Arbeit nicht weiter automatisieren könnten. Dies sei keine Mitarbeiterersetzung, sondern befreie das Team von Routineaufgaben, beteuere CEO Luis von Ahn.
Pakete und Service sind die größten Frustquellen
Lieferprobleme und komplizierter Kundenservice sind die größten Ärgernisse für Kunden im stationären und Online-Handel, zeigt der aktuelle „Retail Market Trend 2025“ von Foundever. Mit 25 Prozent führten Lieferprobleme die Frustliste an, dicht gefolgt vom Kundenservice mit 23 Prozent. Bestellabwicklung (12 Prozent), unflexiblen Konditionen (11 Prozent) und fehlerhafte Abrechnungen (10 Prozent).
Jeder Zweite recycelt seine Passwörter
Die Hälfte aller Internetnutzer verwendet identische Passwörter für verschiedene Onlinedienste, berichtet Zeit.de. Sieben Prozent der Befragten nutzten sogar dasselbe Passwort für alle Logins, was erhebliche Sicherheitsrisiken berge. Ein Drittel setze daher bereits auf passwortlose Authentifizierung via Passkey. Besonders bei E-Mail-Diensten, Online-Shopping-Konten und Cloud-Speichern wünschten sich die Nutzer mehr Sicherheit durch Multi-Faktor-Authentifizierung.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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