Neckermann vor dem Ausverkauf

Neckermann vor dem Ausverkauf

Letzte Schicht für die meisten Mitarbeiter, hohe Rabatte für die Kunden: Das wars für das Traditionsunternehmen Neckermann. "Der Markt hat entschieden", sagt der Insolvenzverwalter.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
2 Min.· Aktualisiert am
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Am Montag (1. Oktober) beginnt dann der finale Ausverkauf. Für diesen Tag ist auch die Eröffnung des ordentlichen Insolvenzverfahrens geplant. Den meisten Beschäftigten am Stammsitz Frankfurt und in Sachsen-Anhalt droht zunächst die Arbeitslosigkeit.

Die Letzten machen das Licht aus

Nur eine kleine Rumpfmannschaft soll noch bei der Abwicklung des Unternehmens helfen. Während die letzten Waren an Großabnehmer gehen sollen, will die Insolvenzverwaltung im Auftrag der Gläubiger unter anderem die Markenrechte, Internet-Adressen und die Kundenliste von Neckermann zu Geld machen.

Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten zuvor  abgewunken, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen.

Dem letzten, erst kurzfristig eingesprungenen Interessenten habe die Zeit zur Prüfung auch kartellrechtlicher Fragen gefehlt. "Der Markt hat entschieden, dass dieses Unternehmen nicht mehr zu retten war. Vollprofis haben sich das Unternehmen angesehen und festgestellt, dass die Kosten für ein Durchstarten viel zu hoch gewesen wären", bilanzierte Kühne.

Sprung in die neue Zeit nicht geschafft

Nach Meinung von Experten hat der klassische Katalogversender Neckermann den Wandel zum Internetversender nicht geschafft. Zahlreiche Eigentümer- und Managementwechsel haben wichtige Investitionen zum Beispiel in die Informationstechnologie verhindert.

Zuletzt hatte der US-Investor Sun Capital weitere Geldspritzen abgelehnt und das Unternehmen in die Pleite entlassen. Gerettet werden konnte lediglich die auf Übergrößen spezialisierte Tochter "Happy Size", die mit 80 Arbeitsplätzen an den Konkurrenten Klingel aus Pforzheim verkauft wurde.

Bereits in den vergangenen Wochen waren Produkte mit hohen Rabatten an die Kunden gebracht worden. Bis zu 70 Prozent betragen aktuell die Nachlässe, etwa auf Uhren und Schmuck, ausgewählte Spielwaren sind 60 Prozent billiger. Viele Artikel erscheinen auf der Internet-Seite allerdings bereits mit dem Vermerk "ausverkauft". Laut Insolvenzverwalter Kühne wird noch so lange ausgeliefert, wie Waren über die Seite bestellbar sind.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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