
Neckermann vor der Zerschlagung
Nachdem kein Investor für die Logistikabteilung gefunden wurde, steht Neckermann vor dem stückweisen Verkauf. Das Zentrallager wird voraussichtlich diese Woche geschlossen.
Thomas RehmRedakteurKundendienst und Logistik sollen künftig über Pforzheim abgewickelt werden. Klingel ist eines der größten Versandhäuser Deutschlands und beschäftigt am Hauptsitz Pforzheim rund 2.000 Mitarbeiter. Über die 1998 gegründete Happy Size war ein paralleles Insolvenzverfahren eingerichtet worden. Verwalter Niklas Lütcke von der Kanzlei CMS Hasche Sigle bezeichnete den Verkauf zu einem nicht genannten Preis als "zukunftsträchtige Lösung".
"Es gibt keinen, der sich dafür interessiert"
Im Frankfurter Zentrallager werden hingegen wohl schon am Freitag die Lichter ausgehen. "Es gibt keinen Investor, der sich dafür interessiert", sagte der Frankfurter Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig und bestätigte Informationen aus Unternehmenskreisen. In der Logistik arbeiten rund 820 Menschen, die demnach in der kommenden Woche arbeitslos werden. Zum Monatsende läuft das von der Arbeitsagentur gezahlte Insolvenzgeld aus. US-Eigentümer Sun Capital ist nicht bereit, weiteres Geld etwa für einen Sozialplan zur Verfügung zu stellen.
Für andere Neckermann-Geschäftsbereiche mit über 1.000 weiteren Beschäftigten soll es noch aussichtsreiche Verhandlungen mit zwei Interessenten geben, hieß es am Montag nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses in Frankfurt. Einen Abschluss teilte die Insolvenzverwaltung zunächst nicht mit.
Aussichtslose Lage
Sogar der vorläufige Insolvenzverwalter hatte allerdings den Glauben an eine Rettung des Unternehmens aufgegeben: Vor einigen Tagen sagte Joachim Kühne unverblümt, die Lage des Unternehmens werde "immer aussichtsloser".
Im April kündigte der Eigentümer an, insgesamt 1.380 Arbeitsplätze sowie das eigene Modesortiment streichen zu wollen. Das Katalog-Geschäft wurde ganz eingestellt.
Die Arbeitsagentur hat sich auf erhebliche Probleme bei der Vermittlung der Neckermann-Leute eingestellt. Es sei eine besondere Herausforderung, dass nahezu alle den gleichen Arbeitsort hätten, hatte der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, angemerkt. Hinzukommen fehlende Ausbildungsabschlüsse, geringe berufliche Qualifizierungen sowie sprachliche oder gesundheitliche Defizite.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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