Kundin bezahlt kontaktlos per Karte an moderner SB-Kasse im hellen Supermarkt
© Black Forest Labs / Flux

Karte, SB-Zahlung, Wallets: Das sind die Trends an der Ladenkasse

Das Publikum kommt zurück in den stationären Handel. Es bringt allerdings einige Gewohnheiten aus dem E-Commerce mit, unter anderem den Wunsch nach mehr SB-Kassen. Und auch Kartenzahlungen legen weiter zu.

SBStefan BeckerRedakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Das Bestehen auf Bargeld und sogenannte offene Ladenkassen seien laut Oberfinanzdirektion grundsätzlich legal, eine Zunahme an Steuerbetrug werde nicht registriert, schrieben die Blätter. Die örtliche Polizei aber höre die Nachtigall durchaus trapsen. Ob nun Steuerhinterziehung dahinterstand oder nicht - kundenfreundlich treten die Läden jedenfalls nicht auf. Die Deutschen mögen zwar ihr Bargeld, aber auch ihre Plastikkarten und ihre Wallets. Umfragen zeigen das ganz klar.

Freie Wahl des Bezahlens ist wichtig

Eines der jüngsten Beispiele: Der Paymenttechnik-Spezialist Glory Global Solutions ließ im Juni 1.004 Menschen in Deutschland nach ihren Bezahlvorlieben befragen. 47% der Deutschen sagten, die freie Wahl der Bezahlwege sei ihnen sehr wichtig. In Österreich (57%, 500 Befragte) und der Schweiz (51%, 502 Befragte) ist dieser Wunsch noch etwas ausgeprägter.

Diese freie Wahl fällt der Glory-Studie zufolge immer häufiger zugunsten von Girocard, Debit- und Kreditkarten und zulasten des Bargelds aus: In den vergangenen vier Jahren näherten sich die beiden wichtigsten favorisierten Bezahlmethoden einander an, 2023 nun nennen in Deutschland 44% das Bargeld und 43% die Kartenzahlung als Vorliebe - also annähernd gleich viele.

94% zahlen regelmäßig mit Karte

Wenn es ans konkrete Bezahlen geht, legen immer mehr Verbraucher die Karte auf den Kassentresen - 94% der Befragten in Deutschland bezahlen regelmäßig per Karte, 87% regelmäßig mit Bargeld. "Das sind zehn Prozentpunkte weniger als noch vor Jahresfrist", schreibt Glory. "Der Trend in Richtung Kartenzahlung verfestigt sich also weiter."

Das liege sicherlich auch daran, dass mittlerweile die Kartenzahlungsoption nahezu überall angeboten wird. Unter anderem haben Bäckereien flächendeckend entsprechende Terminals nachgerüstet. Dazu komme die Ausbreitung des kontaktlosen Bezahlens, das den Prozess noch einmal vereinfacht.

Wallets legen zu

Ein Beispiel dafür ist das kontaktlose Bezahlen mit Wallets wie Apple Pay. "Der Abstand von Bargeld und Karte zu alternativen Zahlungsmitteln ist immer noch deutlich", fasst Glory zusammen. Google Pay oder (in der Schweiz) Twint legten aber ordentlich zu: "Mobile Payment ist in Deutschland für acht Prozent - doppelt so viele wie vergangenes Jahr - die präferierte Bezahlmethode." Bei den Händler-Apps habe sich der Anteil sogar verfünffacht.

Die Pandemie hat vermutlich auch hier dem Wandel einen zusätzlichen Schub gegeben, und das hat paradoxerweise wohl mit dem nachlassenden Onlinegeschäft zu tun. Nach Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) lagen die Onlineumsätze mit Waren im Zeitraum Januar bis September 2023 um 13,7% unter dem Vergleichswert von 2022. Das dritte Quartal schloss mit 17,1 Milliarden Euro und damit um 13,9% unter Vorjahr - und bot zudem ein Novum: Erstmals lag ein Quartal nominal sogar unter dem Niveau des Vergleichszeitraums im Jahr 2019.

Erwartungen haben sich verändert

"Trotz des schwierigen Umfelds und der schließungsbedingten Onlinekäufe während Corona behauptet sich der stationäre Handel und bleibt beim Konsumenten relevant und beliebt", sagte entsprechend Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung im EHI Retail Institute, im September bei der Vorstellung eines Rankings stationärer Vertriebslinien.

"Die Kunden sind zurück", folgert auch Glory für den stationären Handel. Und warnt: Die Händler "sehen sich einer veränderten Kundschaft mit gestiegenen Erwartungen gegenüber". Sie sei geprägt von den Erfahrungen mit dem Onlinehandel - und setzt den klassischen Händler mit ihren Erwartungen unter Druck.

Das manifestiert sich auch in weiteren Ergebnissen der Glory-Studie. Akzeptanz und Beliebtheit von Selbstpayment-Angeboten wie SB-Kassen und Self-Scanning seien "noch nie so hoch wie heute" gewesen. 43% der befragten Deutschen zum Beispiel nutzen 2023 Selbstbedienungskassen, acht Punkte mehr als 2022, 14% scannen ihre Produkte am Einkaufswagen selbst (plus vier Punkte) und 12% nutzen Bezahlstationen (unverändert zu 2022).

Nur 27 Prozent nutzen keine SB-Angebote

Insgesamt sagten lediglich 27% der Deutschen, sie nutzten keine SB-Angebote - satte 18 Punkte weniger als im Vorjahr. "Die Verbraucher sind neuen SB-Technologien gegenüber viel aufgeschlossener geworden", sagt Oliver Kapahnke, Deutschland-Geschäftsführer von Glory Global Solutuions. "Viele erwarten sie." Die digitale Transformation sei im Handel angekommen.

Aussterben wird das Bargeld auf absehbare Zeit nicht, da scheinen alle Experten einig. "Zu Beginn der Pandemie war zunächst ein deutlicher Rückgang in der Baregeldnutzung zu beobachten. Mittlerweile hat sich dieser rasante Rückgang nicht mehr fortgesetzt", sagt Roman Janecek, der bei der Deutschen Bundesbank das Monitoring des externen Bargeldrecyclings leitet, in der Glory-Studie.

Kundenbindung durch Bargeld-Service

Im Bargeld sieht Glory denn auch eine Chance der Kundenbindung. 44% der befragten Deutschen heben gelegentlich oder regelmäßig Geld an Supermarktkassen ab, so der Report. Von denen, die das nicht tun, würden 17% an einer SB-Kasse Bargeld abheben, weitere 48% würden es vielleicht tun.

Befürchtungen, Supermärkte übernähmen damit Aufgaben der Banken, tritt Bundesbank-Manager Janecek entgegen: Deutsche müssten im Schnitt 1,7 Kilometer bis zum nächsten Geldautomaten oder Bankschalter zurücklegen. Die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Ladenkasse mit Abhebemöglichkeit betrage 2,9 Kilometer. "Der Handel kann somit die Bargeldversorgung durch die Kreditwirtschaft ergänzen, aber nicht ersetzen."

Dieser Artikel erschien zuerst in Der Handel.

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Geschrieben vonStefan Becker

Redakteur

Stefan Becker arbeitet seit Sommer 2022 als Redakteur für „Der Handel“ und Etailment.de, nachdem er zuvor ein gutes Jahr als freier Mitarbeiter dabei war. Der Diplom-Journalist (TU Dortmund) kommt aus dem Lokaljournalismus („Recklinghäuser Zeitung“, Volontariat beim „Solinger Tageblatt“) und verbindet im Deutschen Fachverlag seine Erfahrungen aus dem Verbraucher- (sieben Jahre „Öko-Test“) und dem Fachzeitschriften-Journalismus (sechs Jahre „Touristik-Report“).

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