
Payment: Wie die Deutschen im Web zahlen wollen und was sie von Paydirekt halten
Mit seiner aktuellen Payment-Studie hat das ECC gerade nochmals die Vormachtstellung der Rechnung in den Köpfen der Kunden bestätigt. Die Beliebtheit bröckelt allerdings und liegt nur noch knapp 9 Prozentpunkt vor PayPal, das nochmals an Beliebtheit zulegt. Banken und Sparkassen, die nun mit Paydirekt einen Konkurrenten aufbauen wollen, könnten es da schwer haben.
2014 favorisierte noch jeder zweite Kunde die Zahlung per Rechnung. Diese Zahl muss manch einer der Händler im Kopf haben, der ohnehin nur Rechnung als Zahlungsweg im Webshop anbietet. Bequem ist das nicht. Manchmal auch teuer, wenn man auf Kunden wie meiner einen trifft, der die Bezahlung bis zur ersten Erinnerung oder Mahnung dann gerne einmal vergisst.
Inzwischen sind es nur noch 39,9 Prozent der Kunden, die die Rechnung als Zahlungsweg favorisieren. Viele davon dürften die Rechnung vor allem mit Blick auf geplante Retouren wählen.
PayPal hat in den vergangenen Jahren derweil mächtig aufgeholt. Knapp 31 Prozent der Online-Shopper wollen zu aller erst PayPal nutzen. Kreditkarte und Lastschrift sind erste Wahl bei 11 Prozent der Käufer und legen ebenfalls in der Gunst zu. Aktuell bieten deutsche Online-Händler ihren Kunden durchschnittlich 5,3 Zahlungsverfahren an. Die Anzahl der angebotenen Zahlungsverfahren bleibt damit weitgehend stabil.
Nun drängt auch das Online-Bezahlsystem Paydirekt der Deutschen Kreditwirtschaft auf den Markt. Nach eher holprigem Start soll das System derzeit für 250.000 Kunden gut sein. Ab April starten auch die Sparkassen mit Paydirekt. Zu hoffen ist, dass dann mehr als die derzeit zwei Dutzend Shops auch das Internetzahlverfahren akzeptieren. Die gegenwärtigen Anbieter kann man höflich als Nischen-Läden umschreiben. Immerhin will nun die Schuhkette Deichmann das Zahlverfahren in ihrem Webshop anbieten.
Dabei stünden die Chancen gar nicht so schlecht, wenn es Paydirekt gelingt, jene Kunden anzusprechen, denen PayPal zu amerikanisch ist, die Kreditkarte zu heikel, die Lastschrift zu lästig und die Rechnung inzwischen zu mühselig.
Dafür müsste aber Paydirekt die großen Player im Markt gewinnen. Ein Bremsklotz für die Händler ist allerdings neben den Gebühren die Komplexität der Entgeltverhandlungen, die derzeit mit sechs und nach dem Start der Sparkassen mit sieben Bankkonzentratoren (DSGV, Commerzbank, Deutsche Bank/Postbank, WGZ Bank/DZ Bank, HVB, Targobank) geführt werden müssen.
Schwer haben wird es Paydirekt auch aus einem anderen Grund. Laut ECC-Studie bewerten über 80 Prozent der Händler PayPal als prima und damit sogar noch besser als Vorkasse (79 Prozent) oder Barzahlung bei Abholung (76 Prozent).
Warum als Paydirekt installieren?
Der Kunden wegen?
Auch da gibt die ECC-Studie Auskunft. Die Meinung der Konsumenten zu Paydirekt ist zwiegespalten – eine Hälfte begrüßt den Vorstoß von Banken und Sparkassen, während die andere Hälfte das Verfahren überflüssig findet.
Für die Studie des ECC wurden im Dezember 2015 1.877 Konsumenten befragt, davon 883 aus Deutschland, 500 aus Österreich und 494 aus der Schweiz. Darüber hinaus wurde von November 2015 bis Januar 2016 eine Umfrage unter 394 deutschen Online-Händlern durchgeführt.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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