
Redcare, Bauhaus + Mirakl, Bosch, Amazon, Chinas Quick Commerce, US-Weihnachtsrekord, Galaxus, Shrinkflation, KI im Support
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteurHANDEL NATIONAL
E-Rezept beschert Redcare 2,9 Mrd. Euro Umsatz
Redcare Pharmacy hat seine Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland im vergangenen Jahr von 254 Mio. auf 503 Mio. Euro verdoppelt, berichtet Retail-News.de. Das E-Rezept beschere dem niederländischen Online-Apotheker einen Jahresumsatz von 2,9 Mrd. Euro – ein Viertel mehr als 2024. Allein im vierten Quartal seien die Rx-Umsätze um 60 Prozent auf 155 Mio. Euro gestiegen, während rezeptfreie Produkte nur um knapp sechs Prozent zulegten. Die Kundenzahl sei auf 13,9 Mio. geklettert, der Zufriedenheitswert auf 74 Punkte.
Bauhaus setzt für Marktplatz-Wachstum auf Mirakl
Bauhaus migriert seinen im Oktober gelaunchten Online-Marktplatz auf die Mirakl-Plattform, berichtet Channelx.world. Der führende deutsche Heimwerker-Händler wolle damit sein Drittanbieter-Geschäft skalieren – mit derselben Technologie, die auch B&Q in Großbritannien erfolgreich nutze. SVP Johannes Wechsler spricht von digitaler Innovation im Kerngeschäft: Die wachsende Online-Nachfrage erfordere mehr Auswahl und Komfort; den Qualitätsanspruch wolle man nicht verwässern. Dank internationaler Präsenz sei eine europäische Expansion des Marktplatzes denkbar.
Bosch investiert 2,9 Mrd. Dollar in KI-Offensive
Bosch plant bis 2027 Investitionen von über 2,9 Mrd. Dollar in Künstliche Intelligenz, wie Digitalcommerce360.com unter Berufung auf Unternehmensangaben berichtet. Der Technologiekonzern wolle damit die Produktivität steigern und neue Produkte entwickeln, heiße es. Die Mittel flössen in KI-Anwendungen für Fertigung, Mobilitätssysteme, Industrieautomation und vernetzte Produkte. CEO Stefan Hartung bezeichne KI als zentralen Wachstumstreiber. Die Summe übertreffe frühere Investitionsziele aus den Jahren 2024 und 2025.
Einzelhandel legte 2025 um 2,4 Prozent zu – mit Sternchen
Der deutsche Einzelhandel erwirtschaftete 2025 real 2,4 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr, meldet das Statistische Bundesamt. Der scheinbar solide Zuwachs verdanke sich allerdings einem buchhalterischen Sondereffekt: Durch die Umstrukturierung eines großen Versandhändlers seien ab August 2024 bisher nicht erfasste Umsätze in die Statistik eingeflossen. Während das erste Halbjahr noch 3,8 Prozent Plus verzeichnete, schwächte sich das Wachstum im zweiten auf magere 1,1 Prozent ab. Im November sank der Umsatz gegenüber Oktober um 0,6 Prozent – wobei der Internet- und Versandhandel mit 5,9 Prozent Jahreswachstum weiter deutlich zulegte.
HANDEL INTERNATIONAL
„Shop Direct“ bietet externe Produkte auf Amazon an
Amazon testet in den USA das Feature „Shop Direct“, das Produkte von fremden Händler-Websites ohne deren Zustimmung auf der eigenen Plattform listet, berichtet Businessinsider.com. Die Funktion ziehe Daten von öffentlich zugänglichen Marken-Websites und leite Käufer auf die externen Shops weiter. Händler könnten nachträglich die Entfernung beantragen. Das Tool sei Teil des KI-Projekts „Starfish“, mit dem Amazon scheinbar alle Produkte weltweit erfassen wolle. Die Aktion wirke pikant, da der Konzern selbst KI-Scraper blockiere und Perplexity wegen ähnlicher Praktiken verklagt habe.
China verbietet großen Plattformen wie Alibaba, Meituan und JD.com, Online-Händler zu Rabattaktionen zu zwingen, berichtet Straitstimes.com. Die ab Februar gültigen Regelungen sollen den eskalierenden Preiskrieg dämpfen, der die Gewinnmargen zerfrisst – Meituan vermeldete im November den ersten Verlust seit drei Jahren. Die chinesischen Behörden verschärften die Kontrolle, nachdem die Konzerne mit Milliarden-Investitionen um die Dominanz im Quick-Commerce ringen würden und dabei kleinere Händler zunehmend unter Druck setzten. Separat würden zudem Falschbehauptungen von Influencern untersagt.
US-Weihnachtsrekord: 258 Mrd. Dollar Online-Umsatz
Die Amerikaner gaben zwischen November und Dezember online 257,8 Mrd. Dollar aus – ein neuer Rekordwert, meldet Reuters.com. Das Wachstum von 6,8 Prozent falle jedoch spürbar schwächer aus als im Vorjahr. Besonders hochpreisige Elektronik, Sportartikel und Haushaltsgeräte hätten von den Rabatten während der Cyber Week profitiert. Parallel dazu hätten BNPL-Finanzierungen mit 20 Mrd. Dollar um 9,8 Prozent zugelegt; KI-Shopping-Assistenten verzeichneten 693 Prozent mehr Traffic.
Zehn Millionen Produkte treiben Galaxus voran
Der Schweizer Online-Händler Galaxus steigerte laut Medienmitteilung seinen Umsatz um 17 Prozent auf 3,8 Mrd. Franken. Der Sprung markiere den zweitgrößten Wachstumsschub der Firmengeschichte. In den EU-Märkten habe man 15 Prozent zugelegt und 418 Mio. Euro umgesetzt. Das Sortiment sei dank des Marktplatzes binnen Jahresfrist von acht auf zehn Mio. Produkte gewachsen. CEO Florian Teuteberg führe das Wachstum auf Sortimentsausbau, verbesserte Einkaufserfahrung, Transparenz-Funktionen und neue Dienstleistungen zurück.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Shrinkflation vertreibt jeden zweiten Kunden
Die Hälfte der deutschen Verbraucher wechselt bei Shrinkflation – also versteckten Preiserhöhungen durch kleinere Packungen – die Marke, so der „Consumer Trends Report“ von Capgemini. 82 Prozent wären bereit, die Marke zu wechseln, wenn die Konkurrenzprodukte dauerhaft günstiger seien, trotzdem griffen nur neun Prozent zu Eigenmarken. Jeder sechste Deutsche habe 2025 KI-basierte Shopping-Tools genutzt, doch lediglich fünf Prozent seien bereit, dafür zu zahlen. Nur 48 Prozent der Deutschen gönnten sich ab und an kleine Belohnungen zur Stressbewältigung – international seien es 70 Prozent.
Drei Viertel der Kundendienst-Verantwortlichen wollen in KI investieren, doch fast die Hälfte scheitert an der Umsetzung, zeigt eine WOW24-7-Umfrage. Nur knapp 19 Prozent fühlten sich von ihrem Unternehmen unterstützt, zwei Drittel kämpften mit knappen Budgets – ein Viertel gehe davon aus, die Investition in KI gegenüber der Geschäftsführung nicht rechtfertigen zu können. Kein Wunder: 35 Prozent hätten sowieso Probleme, ihren Einfluss auf die Geschäftsergebnisse zu belegen. Das Ergebnis sei, dass die meisten Unternehmen ihren Support nur mit sieben von zehn Punkten bewerteten.
Umsatz im E-Commerce herbeigezaubert
„Wir befinden uns in einem Trend zum Magischen“, zitiert Zeit.de die Trendexpertin Gabriele Kaiser. So erkläre es sich, dass man auf Etsy, Instagram und ähnlichen Plattformen auch zahlreiche Zaubersprüche shoppen könne, sei es zum Schutz vor Unheil, für amouröse Zuwendung oder den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Hierbei reiche die Preisspanne von Kleinstbeträgen bis zu hunderten von Euro. Wie ernst die Shopper ihren Einkauf nehmen würden, ließe sich nicht sagen – in Deutschland glaubten immerhin 13 Prozent an Hexerei.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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