Rewe will steigenden Kosten und neuer Konkurrenz trotzen

Rewe will steigenden Kosten und neuer Konkurrenz trotzen

Auf den Handel kommen weitere Kostensteigerungen zu. Außerdem werden sich Supermärkte und Discounter immer ähnlicher. Rewe-Chef Caparros setzt daher auf Kreativität. Der Kölner Konzern hat aber mehrere Baustellen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Wie stark der Wettbewerb um die Gunst der Verbraucher hierzulande sei, verdeutliche ein Blick auf Preise ins Ausland: "Ein Glas Nutella 450 Gramm kostet in Deutschland 2,29 Euro. In Rumänien, wo die Leute ein Durchschnittsgehalt von 200 bis 250 Euro haben, kosten 200 Gramm 1,98 Euro", erzählt Caparros. Neben Rohstoffen verteuere sich auch Energie. Die Rewe werde wegen der höheren Umlage für erneuerbare Energien im kommenden Jahr in Deutschland 50 Millionen Euro mehr Aufwand haben, um Kühlregale am Laufen zu halten und Märkte zu beleuchten. "Wir können natürlich nicht den Joghurt über Nacht 10 Cent teuer machen."

Baustelle Penny

Stark steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie neue Konkurrenz bei umsatzstarken Markenartikeln: Caparros, der seit sechs Jahren an der Rewe-Spitze steht, muss an vielen Schrauben gleichzeitig drehen. Außerdem muss der Konzern auf seiner größten Baustelle vorankommen. Die Discounttochter Penny Deutschland soll mit Millionen-Aufwand aus den tiefroten Zahlen geholt werden. Das Filialnetz wird modernisiert. Zu den Maßnahmen gehörte auch, dass 70 unrentable Penny-Filialen geschlossen wurden. Auch die Elektronikkette ProMarkt ist eine Baustelle: Zehn unrentable Märkte sollen geschlossen und die Kette modernisiert werden.

Ausgerechnet jetzt nimmt Aldi zugstarke Markenprodukte in sein Sortiment. Das wird nicht spurlos an der Rewe vorbeigehen. Caparros gibt sich aber relativ gelassen, weil die Rewe-Supermärkte ihrerseits Aldi in der untersten Preislage Paroli böten. "Im Endeffekt, die zwei Konzepte kommen sich immer näher", meint der Manager, der selbst sechs Jahre lang bei dem führenden Discounter tätig war. Für Aldi sei der Strategiewechsel, auch Markenartikel anzubieten, kein Selbstläufer. Die Kostenführerschaft von Aldi liege in einem schmalen Sortiment mit einfachen Abläufen. Mit dem Sortiment nehme auch die Komplexität zu.

Dienstleistungen und Erlebniswelten

Caparros setzt angesichts der Herausforderungen auf Kreativität: "Wir müssen mehr Dienstleistungen anbieten, die die Kunden begeistern und in neue Erlebniswelten entführen." Das könnten unter anderem Gastronomieangebote sein oder Kochkurse, die Supermärkte anbieten. In fünf Großstädten gibt es bei Rewe bereits einen Lieferservice für Lebensmittel. Mittel- und langfristig ist eine Ausdehnung des Angebotes auf weitere Großstädte denkbar. Weil die Zahl der Single-Haushalte zunimmt, sieht der Rewe-Chef das Bedürfnis vieler Menschen, der Einsamkeit zu entkommen. "Früher war der Marktplatz, der Ort, an dem sich die Leute getroffen haben, warum sollte das heute nicht der Supermarkt an der Ecke sein?", meint der Chef des Handelskonzerns.

Die Supermärkte sind ein Wachstumsmotor der Gruppe. Auch das Touristikgeschäft läuft gut. Beträchtliches Potenzial sieht Caparros in der Verzahnung der Kerngeschäfte, in dem Supermärkte und Penny-Filialen mehr Reisen vermarkten. Außerdem hält er es für sinnvoll, die Breite der Aktivitäten und des Auslandsgeschäftes regelmäßig zu prüfen. In einigen Ländern sehen Handelsexperten Rewe auf schwachen Positionen. Allerdings will der Rewe-Chef Unternehmen nicht öffentlich zum Verkauf stellen wie es Metro vor Jahren mit ihrer Warenhaustochter Kaufhof machte. Das verunsichere nur Mitarbeiter, betont Caparros.

Simone Hett, dpa-AFX und Volker Danisch, dpa

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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