Die Risiken nehmen dramatisch zu. Mehr als 800 Millionen Schadprogramme sind im Umlauf, so die Zahlen des Bundesamtes für Sicherheit und Technologie (BSI) für 2018. Täglich, ja genau TÄGLICH entern zusätzlich 390 000 Schadprogramm-Varianten das Netz.
„Attacken funktionieren häufig nach dem Prinzip Schrotkugelhagel und sind damit erfolgreich“ erläutert Michael Fried, Vorstand der Sydys AG, die mittelständische Unternehmen zur Datensicherheit berät.
Was bedeutet es konkret im eigenen Unternehmen, wenn das IT-System lahmgelegt wird? Bleiben die Lichter aus? Gehen die Türen gar nicht auf, sind die Kassen blockiert, funktionieren Rechner, Drucker oder Kühlgeräte nicht mehr? Komplette Betriebsunterbrechung? Und vor allem – was kostet das alles?
Die Risikoanalyse von Cyberattacken gehört nicht zur Kernkompetenz der Einzelhändler, dennoch müssen sie sich dringend einarbeiten.
Die Basis
Es klingt ganz einfach: durchgängiger Virenschutz, Firewallstrukturen an allen Netzübergängen zum Internet, ein abgestuftes Rechtekonzept mit administrativen Kennungen ausschließlich für IT-Verantwortliche und eine wenigstens tägliche Datensicherung auf separaten Systemen oder Datenträgern. Wären allein diese Punkte im Handel überall umgesetzt, würde der Erfolg der digitalen Raubritter drastisch sinken.
Die potenziellen Kosten im Schadensfall
Für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland bedeutet es in den letzten 12 Monaten einen Schaden von durchschnittlich 46 000 Euro, bei Großunternehmen summiert er sich auf 342 000 Euro, so der Hiscox-Report 2018.
Hanno Pingsmann, CEO der Vergleichsplattform Cyberdirect listet beispielhaft auf, welche Posten im Schadensfall anfallen können.
IT-Forensik
300 Euro/Stunde
Der Einsatz dieser Spezialisten kann mehrere Tage dauern -> bei 50 Stunden ergeben sich 15 000 Euro
Wiederherstellung der IT-System e
Unterstützung durch externe IT-Dienstleister des Händlers -> rund 10 000 Euro
Rechtsanwaltliche Beratung bei einem Datenschutzvorfall
400 Euro/Stunde -> bei 50 Stunden ergeben sich 20 000 Euro
Benachrichtigung betroffener Kunden
2,50 Euro pro Datensatz -> bei 20 000 Kundendatensätzen ergeben sich
50 000 Euro
Verletzung von PCI-Vertragspflichten (Kreditkartensicherheit)
Rund 25 000 Euro und mehr
Schadensersatzkosten
Haftpflichtanspruch von Kunden, deren Persönlichkeitsrechte verletzt wurden.
Ertragsausfall
Bestellungen, die über den Online-Shop fünf Tage lang nicht angenommen werden können; Kassen, die im stationären Handel nicht funktionieren: 1–2 Prozent des Jahresumsatzes
Auch wenn man glaubt, mit einer Lösegeldzahlung von 20-40 000 Euro vergleichsweise günstig davonzukommen, lautet die Empfehlung: Ruhe bewahren, nicht bezahlen und die Technikprofis einschalten. „Denn meist werden auf die erste Zahlung nicht alle Daten freigegeben, die Erpressung geht in die zweite Runde“, erklärt Hanno Pingsmann von Cyberdirekt. „Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass wieder freigegebene Daten tatsächlich unversehrt sind.“
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Redakteurin Der Handel / etailment
Iki Kühn ist Redakteurin von Der Handel und etailment.de. Sie studierte Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaften, absolvierte ihr Volontariat bei der Lebensmittel Zeitung im Deutschen Fachverlag, für den sie über zehn Jahre arbeitete, und war unter anderem als Autorin für den Burda-Verlag sowie als stellvertretende Chefredakteurin für Titel der Medienunion tätig. Seit rund zehn Jahren widmet sie sich digitalen Medien wie Online-Publikationen und der Produktion von Kurzvideos.
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