IT-Sicherheitsteam untersucht nachts verdächtige digitale Aktivität in einem Unternehmens-Kontrollraum
© Black Forest Labs / Flux

Geheimdienste spähen deutsche Firmen aus

Es sind zunehmend ausländische Geheimdienste, die deutsche Unternehmen digital ausspähen, so eine Studie des Bitkom. 37 Prozent der von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffenen Firmen ordneten binnen zwölf Monaten mindestens einen Angriff einem fremden Nachrichtendienst zu. 2023 waren es nur sieben Prozent. Die Spur führe vor allem nach China und Russland, neuerdings auch in den Iran. Auffällig sei der Zeitpunkt: Nur noch 67 Prozent der Unternehmen könnten einen Angriff sicher belegen, nach 87 Prozent im Vorjahr.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Ausländische Geheimdienste rücken deutsche Unternehmen stärker ins Visier

Die digitale Bedrohungslage für die deutsche Wirtschaft verschärft sich deutlich: Laut einer Studie des Bitkom konnten 37 Prozent der betroffenen Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen Angriff einem ausländischen Nachrichtendienst zuordnen. 2023 lag dieser Anteil erst bei sieben Prozent, im Vorjahr bei 28 Prozent. Damit werden staatliche Akteure für Unternehmen in Deutschland zu einem immer sichtbareren Risiko bei Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage.

Insgesamt waren zuletzt 96 Prozent aller Unternehmen ab zehn Beschäftigten von entsprechenden Angriffen betroffen oder vermuten dies. Der Wert bleibt damit nahezu auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Zugleich wächst jedoch das Dunkelfeld: Nur noch 67 Prozent konnten Angriffe sicher belegen, nach 87 Prozent im Vorjahr. Der Anteil der Unternehmen, die einen Angriff vermuten, ihn aber nicht eindeutig nachweisen können, stieg von zehn auf 29 Prozent. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst verweist darauf, dass Nachrichtendienste professioneller und verdeckter vorgehen und Unternehmen dadurch vor neue Herausforderungen stellen.

Die Spur der Angriffe führt besonders häufig nach China und Russland. Mehr als die Hälfte der sicher betroffenen Unternehmen konnte mindestens einen Angriff nach China zurückverfolgen, 49 Prozent nach Russland. Mit Abstand folgen Osteuropa ohne die EU, die USA, EU-Länder ohne Deutschland sowie Deutschland selbst. Neu an Bedeutung gewinnt der Iran: Rund jedes zehnte Unternehmen konnte Angriffe dorthin zurückverfolgen, im Vorjahr waren es vier Prozent. Diese Entwicklung unterstreicht, dass wirtschaftliche Spionage zunehmend in einem geopolitisch geprägten Umfeld stattfindet.

Die finanziellen Folgen bleiben enorm. Die Schäden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage belaufen sich auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro. Darin enthalten sind direkte Kosten durch Betriebsausfälle, Ermittlungen, Ersatzmaßnahmen, Rechtsstreitigkeiten und Erpressung ebenso wie Umsatzeinbußen durch Plagiate und der Verlust von Wettbewerbsvorteilen. Drei Viertel der Schäden entfallen auf Cyberattacken. Dabei spielt KI eine wachsende Rolle, weil sie auch weniger professionellen Angreifern neue Möglichkeiten eröffnet.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht die Ergebnisse als Bestätigung einer hohen Bedrohungslage. Präsident Sinan Selen verweist darauf, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland im Zielspektrum staatlicher und nicht-staatlicher Cyberoperationen steht. Besonders ausländische Nachrichtendienste hätten ihre hybriden Aktivitäten intensiviert. Genannt werden unter anderem der anhaltende Angriffskrieg Russlands sowie die verdeckte Nutzung von KI bei Cyberangriffen, durch die sensible Daten gestohlen, Branchen ins Visier genommen und alltägliche Abläufe gestört werden.

Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Angriffe müssen frühzeitig erkannt, abgewehrt und dokumentiert werden. Entscheidend sind schnelle Beweissicherung, der Austausch mit Sicherheitsbehörden und belastbare Schutzmaßnahmen gegen Spionage und Sabotage. Die Bitkom-Erhebung zeigt damit nicht nur das Ausmaß der Bedrohung, sondern auch die wachsende Schwierigkeit, digitale Angriffe eindeutig nachzuweisen und wirksam zu begrenzen.

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Björn Böer
RedaktionBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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