Paketstationen werden für Handelsstandorte zum Besuchsanlass – vorausgesetzt, Standort, Genehmigung und Nahversorgung passen zusammen. Michael Knaupe, Chief Customer Experience & Business Development Officer beim Paketdienst DPD Deutschland, und Jascha Waffender, Director Out of Home & Product Innovation beim Paketdienst GLS Germany, beschreiben vier Faktoren, die aus ihrer Sicht über den Erfolg entscheiden.
Paketlogistik ist längst Teil unseres Alltags geworden – und die Erwartungen der Kunden steigen spürbar: Sendungen sollen zuverlässig ankommen, flexibel abholbar sein und sich in den Tagesablauf integrieren lassen. Deshalb gewinnen neben der klassischen Haustürlieferung vor allem Paketstationen an Bedeutung. Das E-Shopper Barometer 2025 der DPD-Konzernmutter Geopost zeigt, dass europaweit inzwischen 27 Prozent der E-Shopper Paketstationen präferieren – vier Prozentpunkte mehr als in der Erhebung von 2023. Damit liegen Paketstationen vor den Paketshops, die 24 Prozent der Befragten bevorzugen. Beim Empfang von Sendungen sind sie besonders stark: 31 Prozent der in Deutschland Befragten lassen sich Pakete regelmäßig direkt an eine Paketstation liefern, so die Last Mile Delivery Experience Study des GLS-Tochterunternehmens Bettermile. Weiter steigende E-Commerce-Volumen und hohe Retourenquoten verstärken den Trend, Pakete über Paketstationen sowohl zu empfangen als auch zu versenden.
Gerade jetzt, in der Skalierungsphase des Paketstationen-Netzes, kommt es darauf an, Reichweite und Alltagsnähe konsequent auszubauen – und zwar dort, wo Menschen ohnehin unterwegs sind. Genau hier ist der Handel ein zentraler Partner: vom Supermarkt über den Fachhandel bis zu frequenzstarken Standorten wie Tankstellen oder Nahversorgungszentren. Für Handelsstandorte entsteht daraus ein konkreter Nutzen: Paketstationen erweitern das bestehende Serviceangebot, schaffen wiederkehrende Besuchsanlässe und machen moderne Zustell- und Abhollogistik im Alltag sichtbar.
Die Paketdienste DPD und GLS haben inzwischen die Erfahrungen aus ihrer Zusammenarbeit beim Aufbau des inboxx-Netzwerkes aus anbieteroffenen Paketstationen ausgewertet. Daraus lassen sich vier Erfolgsfaktoren ableiten, von denen Handel und Paketdienste gleichermaßen profitieren.
1. Gemeinsame Infrastruktur statt Insellösungen
Anbieteroffene Paketstationen sind für Handel und Verbraucher deshalb so attraktiv, weil sie eine flexibel nutzbare Infrastruktur schaffen, statt mehrere geschlossene Systeme nebeneinander aufzubauen. Entscheidend ist dabei nicht, wer das Paket liefert, sondern dass der Kunde es gut erreichbar abholen kann. Für Einzelhandelsstandorte entsteht so ein zusätzlicher, wiederkehrender Besuchsanlass – Abholung, Retoure, Versand – bei geringem Platzbedarf.
2. Mehr geeignete Standorte dank leicht integrierbarer Lösungen
Der Engpass beim Ausbau von Paketstationen ist oft nicht die Technik, sondern der Standort: verfügbare Fläche, Zugänglichkeit, Genehmigungen und Alltagstauglichkeit spielen eine Rolle. Paketdienste wie GLS und DPD übernehmen für ihre Partner deshalb bereits heute die genehmigungsseitige und bauliche Umsetzung. Moderne Paketstationen sind zudem modular, autark vom Stromnetz und häufig ohne bauliche Maßnahmen aufstellbar. Das erleichtert die Integration auf Parkflächen und an Gewerbestandorten.
3. Nahversorgung im Blick haben und sich profilieren
Paketstationen entfalten ihren Nutzen am besten, wenn sie nicht als Einzelstandorte betrachtet werden, sondern als Teil der Nahversorgung. Wo die Infrastruktur sinnvoll im Quartier verteilt ist, entstehen direkt spürbare Effekte für die Bewohner: weniger Zustellverkehr, Entlastung von Wohngebieten, mehr Aufenthaltsqualität. Entscheidend ist deshalb, Innenstädte, Quartiere oder Kleinstädte als Gesamtsystem zu planen, also Funktionen so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig ergänzen und der Standort für die Bewohner an Attraktivität gewinnt.
Für den Handel ist das eine Chance zur Profilierung: Wer Paketstationen als ergänzenden Service anbietet, positioniert sich sichtbar als lokaler Infrastrukturpartner – mit zusätzlicher Frequenz und einem Mehrwert, der über das eigene Kerngeschäft hinausgeht.
4. Synergien mit E-Commerce kreativ nutzen
Der Leitgedanke, Paketstationen als neue ortsnahe Infrastruktur zu betrachten, eröffnet immer wieder zusätzliche Entwicklungsperspektiven für sämtliche Akteure. Zu nennen sind insbesondere Geschäftsideen, die die Synergien mit dem wachsenden E-Commerce nutzen. Beispielsweise kann der stationäre Handel an neue Click-&-Collect-Angebote denken, der 24-Stunden-Laden an eine Erweiterung seines durchgehenden Serviceangebotes oder der Dorfladen an eine zentrale Paketstation als Teil der Nahversorgung im ländlichen Raum.
Fazit
Der Auf- und Ausbau eines dichten Netzes an Paketstationen ist aus unserer Sicht der tragfähigste Hebel, um das künftige Wachstum des E-Commerce mit einer starken Position des Handels zu verbinden. Der Handel kann dabei im wohlverstandenen Eigeninteresse eine wichtige Rolle spielen, sich als Netzwerkpartner vor Ort profilieren und zugleich den Wachstumsmotor E-Commerce für sich nutzen.

DPD Deutschland & GLS Germany
Michael Knaupe ist Chief Customer Experience & Business Development Officer bei DPD Deutschland. Er arbeitet seit 2012 für den Paketdienst und war dort zuvor unter anderem für Strategie und Geschäftsentwicklung sowie für die B2C-Produkte zuständig. Knaupe gehört zudem dem Vorstand der DPD Stiftung an. Jascha Waffender ist Director Out of Home & Product Innovation bei GLS Germany und verantwortet dort den Ausbau des Paketstationsnetzes. Zuvor leitete er bei GLS die Bereiche Marketing und Kommunikation, Online-Kanäle und ParcelShops. DPD Deutschland und GLS Germany betreiben seit Oktober 2024 gemeinsam ein anbieteroffenes Out-of-Home-Netz, das seit 2026 unter der Marke inboxx läuft. Mehr Informationen: https://www.inboxx.com/
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