Rakuten France schließt nach gescheiterter Käufersuche
Der französische Online-Marktplatz Rakuten France wird zum Ende des Jahres eingestellt. Hintergrund ist eine erfolglose Suche nach einem Käufer, die nach rückläufigem Traffic und schwächeren Verkaufszahlen eingeleitet worden war. Nach Angaben des Unternehmens führten die Gespräche mit mehreren potenziellen Interessenten zu keiner tragfähigen Lösung. Damit endet ein Projekt, das einst als europäischer Herausforderer von Amazon positioniert wurde.
Rakuten hatte den französischen Marktplatz PriceMinister im Jahr 2010 für 200 Millionen Euro übernommen. Die Plattform sollte eine zentrale Rolle im europäischen E-Commerce einnehmen, verlor jedoch deutlich an wirtschaftlicher Stärke. Bereits 2016 wurde ihr Wert auf 65 Millionen Euro nach unten korrigiert – rund ein Drittel des ursprünglichen Kaufpreises. Seitdem verschlechterten sich wichtige Kennzahlen weiter: Die Zahl der aktiven Kundinnen und Kunden ging seit 2016 um 33 Prozent zurück, der Traffic sank um 42 Prozent.
Vor diesem Hintergrund kündigte Rakuten France im Mai an, nach einem Käufer zu suchen. Sollte keine Übernahme gelingen, sollte das Unternehmen noch vor Jahresende schließen. Mehrere Parteien zeigten Interesse, darunter Carrefour, Casino als Muttergesellschaft von Cdiscount, Pixmania und Back Market. Auch Pierre Kosciusko-Morizet, Gründer von PriceMinister, bereitete im Juni ein Gebot vor.
Nach Darstellung von Rakuten France lagen jedoch keine zufriedenstellenden Angebote vor. Die Gespräche mit potenziellen Käufern hätten keine viable Lösung ergeben. Ausschlaggebend seien unter anderem Kriterien wie der Erhalt von Arbeitsplätzen, die finanziellen Bedingungen und die Fähigkeit gewesen, die langfristige Tragfähigkeit des Geschäfts sicherzustellen. Da Rakuten France und Rakuten Spanien über dieselbe Struktur betrieben werden, wird auch die spanische Website geschlossen.
Begleitet wird die Entscheidung von Kritik am Verkaufsprozess. Pixmania stellt dessen Integrität infrage. CEO und Mitgründer Jean-Émile Rosenblum äußerte den Verdacht, Rakuten habe von Beginn an eher eine Schließung als einen Verkauf angestrebt und die Gespräche lediglich geführt, um die rechtlichen Voraussetzungen für die Einstellung des Geschäfts zu erfüllen. Rakuten France weist diese Vorwürfe entschieden zurück und verweist darauf, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen ein wichtiger Faktor im Prozess gewesen sei. Pixmania wollte nach Angaben aus dem Bericht ein Drittel der Belegschaft übernehmen.
Die Schließung markiert einen deutlichen Einschnitt für Rakutens Präsenz im europäischen Onlinehandel. Aus einer ambitionierten Übernahme wurde ein Rückzug aus zwei Märkten, nachdem sinkende Reichweite, rückläufige Kundenzahlen und ausbleibende Übernahmeangebote keine Perspektive für eine Fortführung eröffneten.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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