Vertrauen wird zur zentralen Hürde für autonome KI am Arbeitsplatz
Beschäftigte nutzen KI inzwischen selbstverständlich, wollen ihr aber nur selten vollständig freie Hand lassen. Wie Studienergebnisse von TeamViewer zeigen, verwenden drei von vier Arbeitnehmern KI täglich; zugleich sehen nur drei Prozent keinerlei spürbare Vorteile im Arbeitsalltag. Der positive Grundton täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Akzeptanz deutlich sinkt, sobald Software ohne menschliche Kontrolle handeln soll. Laut Bericht haben 95 Prozent der Befragten zumindest gewisse Bedenken, wenn KI eigenständig agiert.
Besonders deutlich wird diese Zurückhaltung beim Übergang von generativer KI zu agentischen Systemen. Während klassische KI-Anwendungen vor allem Inhalte erzeugen oder Vorschläge liefern, sollen autonome Agenten eigenständig Aufgaben ausführen. Genau hier liegt der Vertrauensbruch: Drei von fünf Befragten, konkret 61 Prozent, möchten nicht, dass KI unabhängig Maßnahmen ergreift. Nur 35 Prozent wären bereit, Software im eigenen Namen autonom handeln zu lassen. Selbst diese Gruppe setzt Grenzen: 71 Prozent würden dies ausschließlich für klar definierte Aufgaben akzeptieren.
Die Zahlen zeigen, dass das Problem weniger in der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit von KI gesehen wird, sondern in Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und Risikobegrenzung. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten, 56 Prozent, prüfen KI-Ergebnisse häufig oder immer, bevor sie sich darauf verlassen. Im Durchschnitt investieren sie dafür mehr als zwei Stunden pro Woche. Produktivität entsteht damit nicht automatisch durch den Einsatz von KI; sie hängt entscheidend davon ab, ob Systeme verlässlich genug wirken, um Kontrollaufwand tatsächlich zu reduzieren.
Als wichtigste Voraussetzung für mehr Akzeptanz nennen die Befragten Sicherheit und Datenschutz. Hinzu kommen konkrete Schutzmechanismen: Benachrichtigungen vor wesentlichen Änderungen, klare Beschränkungen beim Zugriff auf Informationen, Werkzeuge zur Überwachung der Agentenaktivität sowie die Möglichkeit, Aktionen rückgängig zu machen. Autonomie wird damit nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sondern an Leitplanken gebunden, die menschliche Eingriffsmöglichkeiten sichern.
TeamViewer-Chef Oliver Steil sieht die eigentliche Chance darin, KI und Automatisierung so einzusetzen, dass Störungen verhindert, digitale Erfahrungen verbessert und Menschen für höherwertige Aufgaben entlastet werden. Chief Product and Technology Officer Mei Dent formuliert den nächsten Entwicklungsschritt als Designfrage: Systeme müssten wissen, wann sie handeln, wann sie abwarten und wann sie Menschen in Entscheidungen einbeziehen. Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Wer autonome KI einführen will, muss nicht nur Funktionen bereitstellen, sondern Vertrauen systematisch einbauen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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