Meta setzt mit „Facebook Verified“ auf mehr Echtheit bei Facebook
Meta führt mit „Facebook Verified“ ein neues, kostenloses Abzeichen ein, das echte Nutzerinnen und Nutzer sichtbarer machen und zugleich gegen KI-Profile und Betrüger wirken soll. Wie Heise.de berichtet, richtet sich die Funktion an volljährige Facebook-Nutzer, deren Profile den Vertrauens- und Sicherheitsstandards der Plattform entsprechen. Das Abzeichen soll anzeigen, dass hinter einem Konto eine reale Person steht – ein Signal, das vor allem dort relevant ist, wo Vertrauen zwischen unbekannten Nutzern eine zentrale Rolle spielt.
Der Verifizierungsprozess basiert auf einem kurzen Gesichtsvideo. Nutzer nehmen dafür einen Scan ihres Gesichts auf, der mit den bereits vorhandenen Profilbildern abgeglichen wird. Erst wenn diese Prüfung erfolgreich ist, kann das Abzeichen erscheinen. Meta positioniert „Facebook Verified“ damit als Maßnahme, um automatisierte oder täuschende Profile besser von echten Menschen zu unterscheiden. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über KI-generierte Konten und betrügerische Aktivitäten soll die Kennzeichnung mehr Orientierung schaffen, ohne für Nutzer kostenpflichtig zu sein.
Zunächst soll das Häkchen an Stellen sichtbar werden, an denen Identität und Vertrauen besonders wichtig sind. Meta nennt dafür Facebook Dating, den Marketplace, Gruppen sowie normale Profile. Später ist geplant, das Abzeichen auch in Beiträgen im Feed anzuzeigen. Damit würde die Verifizierung stärker in den alltäglichen Nutzungskontext der Plattform hineinreichen und nicht nur in einzelnen Bereichen sichtbar bleiben. Für den Marktplatz könnte die Kennzeichnung insbesondere deshalb relevant sein, weil dort häufig direkte Kontakte zwischen Käuferinnen, Verkäufern und unbekannten Profilen entstehen.
Unklar bleibt, wann „Facebook Verified“ in Deutschland verfügbar sein wird. Meta spricht bislang lediglich von einer schrittweisen Einführung in unterschiedlichen Märkten und verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, das Abzeichen weltweit bereitzustellen. Ein konkreter Starttermin für den deutschen Markt wurde nicht genannt. Damit bleibt offen, wann deutsche Nutzer den Gesichtsscan durchführen und das neue Häkchen in ihren Profilen oder in anderen Facebook-Bereichen nutzen können.
Redaktionell betrachtet ist das Abzeichen mehr als eine reine Sicherheitsfunktion. Es wirkt auch wie ein Versuch, menschliche Präsenz und persönliche Interaktion auf Facebook wieder stärker zu betonen. Laut einer Umfrage von Incogni nutzen Menschen soziale Plattformen heute eher, um sich zu informieren, statt persönliche Inhalte mit Freunden und Verwandten zu teilen. Für Facebook kann diese Entwicklung problematisch sein, weil weniger persönliches Teilen perspektivisch auch zu weniger Verweildauer führen könnte. „Facebook Verified“ passt damit in eine Strategie, die Vertrauen, Sichtbarkeit echter Personen und aktive Nutzung enger miteinander verbindet.
Für Nutzer bedeutet die neue Funktion vor allem eine zusätzliche Möglichkeit, die eigene Echtheit sichtbar zu machen. Für Meta steht zugleich die Frage im Vordergrund, wie sich eine Plattform, die zunehmend mit automatisierten Profilen, Betrug und veränderten Nutzungsgewohnheiten konfrontiert ist, wieder glaubwürdiger gestalten lässt. Entscheidend wird sein, ob das kostenlose Abzeichen im Alltag tatsächlich als vertrauensbildendes Signal wahrgenommen wird – und ob die Gesichtsvideo-Prüfung genügend Akzeptanz findet, um breit genutzt zu werden.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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