Vinted Go gibt unzustellbaren Sendungen ein zweites Leben
Vinted Go testet mit „Rescued Value“ einen neuen Umgang mit Paketen, die trotz mehrerer Zustell- und Rücksendeversuche nicht an Käufer oder Verkäufer zurückgehen können. Seit dem Start des Pilotprogramms im November 2025 wurden nach Angaben der Vinted-Tochter bereits mehr als 100.000 Produkte erneut über den Secondhand-Marktplatz vermittelt. Darüber berichtet Ecommercenews.eu.
Die 2022 gegründete Vinted-Go-Einheit bündelt innerhalb der Vinted-Gruppe den Bereich Logistik und betreibt ein paneuropäisches Liefernetzwerk, über das täglich Millionen Secondhand-Artikel verschickt werden. Der überwiegende Teil der Sendungen erreicht regulär sein Ziel. In einer sehr kleinen Zahl von Fällen scheitert die Zustellung jedoch dauerhaft — etwa durch nicht abgeholte Pakete, beschädigte Labels, fehlgeschlagene Rücksendungen oder operative Probleme.
Für diese Fälle sieht Vinted Go nach Darstellung von CEO Vytautas Atkočaitis Schutzmechanismen für beide Seiten vor: Käufer können eine Erstattung beantragen, wenn eine Lieferung nicht zugestellt werden kann; Verkäufer erhalten eine Entschädigung, wenn der Artikel nicht an sie zurückgeführt werden kann. Das Programm setzt erst dort an, wo die reguläre Zustellung oder Rückführung nicht mehr möglich ist. Die Priorität bleibe laut Unternehmen weiterhin, Pakete erfolgreich zuzustellen oder an Verkäufer zurückzugeben.
Unter dem eigenen Account „Rescued Value“ werden betroffene Artikel erneut auf Vinted gelistet. Zugang haben Nutzerinnen und Nutzer in zehn Ländern: Frankreich, Niederlande, Belgien, Italien, Spanien, Portugal, Irland, Deutschland, Österreich und Luxemburg. Damit erprobt Vinted Go eine Alternative zu üblichen Verfahren in der Branche, bei denen unzustellbare Sendungen häufig entsorgt oder gebündelt weiterverkauft werden. Der Ansatz verbindet Wiederverkauf mit Nachhaltigkeit, bleibt operativ aber anspruchsvoll.
Atkočaitis betont, dass die erneute Vermarktung komplizierter und teurer sei als klassische Entsorgungswege. Die Erlöse aus dem Rescued-Value-Account sollen daher helfen, Kosten für Sammlung, Prüfung, Verarbeitung und Weiterverkauf der Artikel zu decken. Zugleich entstehen durch das Pilotprogramm Software- und Prozessgrundlagen, die Vinted Go für weitere Anwendungsfälle nutzen will.
Ein geplanter nächster Schritt betrifft Wohltätigkeitsorganisationen: Mithilfe der entwickelten Werkzeuge sollen Partnerorganisationen künftig in die Lage versetzt werden, gespendete Waren in größerem Umfang über Vinted zu verkaufen. Nach Angaben des Unternehmens gibt es dafür Nachfrage. Für den E-Commerce zeigt das Projekt, wie Plattformen mit schwierigen Randfällen umgehen können, ohne den Schutz von Käufern und Verkäufern aufzugeben.
Das Pilotprogramm bleibt auf einen kleinen Teil des gesamten Paketvolumens beschränkt. Dennoch setzt Vinted Go mit „Rescued Value“ ein sichtbares Zeichen: Nicht zustellbare Sendungen müssen nicht automatisch als Verlust enden, sondern können unter klaren Regeln eine zweite Nutzung erhalten.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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