Techniker verpackt Kampfdrohne im Lager als Symbol für Ukraines Militär-Marktplatz Brave1
© Black Forest Labs / Flux

Ukraines Marktplatz fürs Schlachtfeld

Auf dem ukrainischen Militär-Marktplatz „Brave1 Market“ erhielten Soldaten bestellte Drohnen zuletzt binnen acht statt vierzehn Tagen, meldet Businessinsider.de. Über die Plattform orderten Fronteinheiten Kampfdrohnen und taktische Ausrüstung direkt bei Herstellern und bewerteten sie anschließend für Kameraden. Im Juni summierten sich die Bestellungen laut Verteidigungsministerium auf rund 111 Mio. Dollar. Ein ePoints-System verrechne außerdem bestätigte Abschüsse als Gutschrift; über 500.000 Drohnen seien so bereits geordert worden.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Brave1 Market verkürzt Lieferzeiten für Front-Einheiten

Der ukrainische Militärmarktplatz Brave1 Market liefert bestellte Drohnen und Ausrüstung an Soldaten an der Front inzwischen deutlich schneller aus. Nach Angaben der Regierung in Kiew wurde die durchschnittliche Lieferzeit für vorrätige Artikel von 14 auf acht Tage reduziert, wie Businessinsider.de berichtet. Die Plattform funktioniert ähnlich wie Amazon, ist jedoch auf militärische Systeme spezialisiert: Ukrainische Hersteller bieten dort Drohnen, Anti-Drohnen-Technologie, taktische Ausrüstung, Komponenten und Munition direkt für Militäreinheiten an.

Brave1 Market ist damit nicht nur Beschaffungskanal, sondern auch ein digitaler Marktplatz mit Rückkopplung aus dem Einsatz. Fronteinheiten können Produkte online bestellen und anschließend Bewertungen oder Rezensionen hinterlassen, die anderen Soldaten bei der Auswahl helfen. Insgesamt umfasst das Angebot nach den vorliegenden Angaben mehr als 4.000 Artikel. Dazu zählen unter anderem Angriffs-Quadcopter mit First-Person-View-Technologie, einzelne Drohnenkomponenten sowie taktische Ausrüstung.

Die Zahlen zeigen die wachsende Bedeutung der Plattform für die ukrainische Kriegsführung. Allein im Juni erreichten die Drohnenbestellungen laut Verteidigungsministerium ein Volumen von rund fünf Milliarden Hrywnja, umgerechnet etwa 111 Millionen US-Dollar beziehungsweise rund 97,5 Millionen Euro. Das Ministerium bezeichnete dies als das größte monatliche Auftragsvolumen seit Bestehen des eBal-Programms. Unklar bleibt allerdings, welcher Anteil davon tatsächlich direkt von den Truppen bezahlt wurde.

Eine zentrale Rolle spielt das ePoints-System. Militäreinheiten können Gutschriften sammeln, wenn sie bestätigte Abschüsse erzielen, russische Ausrüstung zerstören oder andere militärische Leistungen erbringen. Dazu zählt etwa die Evakuierung von Kameraden mithilfe unbemannter Bodenfahrzeuge. Mit diesen Punkten lassen sich auf Brave1 Market neue Systeme bestellen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden über gesammelte ePoints bereits mehr als 500.000 Drohnen geordert.

Das System soll zugleich den Wettbewerb unter ukrainischen Herstellern stärken. Über ein sogenanntes Hersteller-Kabinett können Anbieter nachvollziehen, wie viele Einheiten ihre Produkte nutzen, wie viele ePoints diese monatlich einbringen und wie sich ihre Effektivität im Zeitverlauf entwickelt. Das Dashboard erlaubt zudem Vergleiche mit konkurrierenden Angeboten und macht operative Rückmeldungen aus dem Einsatz für die Produktentwicklung nutzbar.

Brave1 Market ist jedoch nur eine von mehreren Bezugsquellen für Drohnen. Die Ukraine will in diesem Jahr rund sieben Millionen Angriffsdrohnen beschaffen, was durchschnittlich etwa 19.000 Drohnen pro Tag entspricht. Neben regelmäßigen Lieferungen des Verteidigungsministeriums tragen auch zivile Crowdfunding-Organisationen zur Versorgung bestimmter Einheiten bei, insbesondere wenn diese dringend neue Ausrüstung benötigen oder sich im Einsatz bewährt haben.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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