Metas KI-Offensive setzt Anleger unter Druck
Meta finanziert seinen aggressiven Ausbau der KI-Infrastruktur weiterhin aus einem außergewöhnlich starken Werbegeschäft. Nach Angaben von Heise.de stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 28 Prozent auf den Rekordwert von 60,8 Milliarden Dollar. Trotz dieser Dynamik reagierten Anleger skeptisch: Der Ausblick auf das laufende Quartal von 61 bis 64 Milliarden Dollar blieb am unteren Rand hinter den Erwartungen zurück, die Aktie verlor nachbörslich zeitweise rund zehn Prozent.
Der Kursrückgang spiegelt vor allem die Sorge wider, dass Metas KI-Wette immer teurer wird, ohne dass der Zeitpunkt einer klaren Rendite absehbar ist. Für Investitionen in KI-Infrastruktur hob der Konzern das untere Ende der Prognosespanne von 125 auf 130 Milliarden Dollar an, während die Obergrenze bei 145 Milliarden Dollar blieb. Zum Vergleich: 2025 gab Meta dafür gut 72 Milliarden Dollar aus. Besonders deutlich wird der Druck beim freien Cashflow, der im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 91 Prozent einbrach – von 8,55 Milliarden auf nur noch 784 Millionen Dollar.
Mark Zuckerberg versucht, die hohen Ausgaben mit drei Ertragschancen zu begründen: KI soll die bestehenden Apps, Werbesysteme und die Produktentwicklung verbessern, persönliche KI-Agenten sollen neue Verbraucherprodukte ermöglichen, und Unternehmensdienste könnten zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Dazu zählen Programmierschnittstellen, Geschäftsagenten und perspektivisch auch vermietete Rechenleistung. Meta liegen bereits Angebote für überschüssige Kapazitäten vor, will einen großen Teil der Rechenleistung jedoch für eigene Modelle, Plattformfunktionen und neue Produkte nutzen. Weltweit betreibt oder baut der Konzern derzeit 32 Rechenzentren; das größte Projekt in Louisiana könnte bis zur Fertigstellung 250 Milliarden US-Dollar kosten.
Neben der KI-Strategie belastet auch Reality Labs die Bilanz. Die Sparte für VR-Headsets und KI-Brillen verzeichnete im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 4,6 Milliarden Dollar bei Einnahmen von 431 Millionen Dollar. Zuckerberg sieht KI-Brillen als mögliche zentrale Schnittstelle für persönliche Agenten. Der Partner EssilorLuxottica meldete zwar, dass sich der Umsatz mit KI-Brillen nahezu verdoppelt habe, doch die Marktgröße ist in dieser frühen Phase offen. Zugleich nimmt die Kritik an Kamerabrillen zu, was die Akzeptanz solcher Produkte zusätzlich beeinflussen könnte.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind rechtliche Risiken. Allein im zweiten Quartal verbuchte Meta Belastungen von 2,4 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Verfahren. Besonders schwer wiegen Vorwürfe zu möglichen Schäden für junge Nutzer: Vier US-Bundesstaaten fordern in einem bevorstehenden Prozess laut Bericht insgesamt bis zu 1,4 Billionen Dollar. Sie werfen Meta vor, Facebook und Instagram bewusst suchterzeugend gestaltet und die Öffentlichkeit über die Sicherheit der Plattformen für Minderjährige getäuscht zu haben. Meta weist die Vorwürfe zurück.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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