Frachtschiff mit Crewmitglied durchfährt arktisches Eis auf neuer Route nach Europa
© Black Forest Labs / Flux

China halbiert den Seeweg nach Europa

Die chinesische Reederei Sea Legend nimmt diese Woche den ersten regelmäßigen Container-Liniendienst durch die Arktis auf, meldet Manager-Magazin.de. Das schmelzende Polareis halbiere die Fahrzeit zwischen Ningbo und Felixstowe, die Route umgehe dabei Konfliktzonen wie das Rote Meer. Europäische Reedereien mieden die „Eis-Seidenstraße“ bislang, vor allem wegen des heiklen Ökosystems und ihrer Nähe zu Russland. Ungefährlich wäre sie auch nicht: Laut Allianz sei es in zehn Jahren zu über 500 Schiffsunfällen im Polarkreis gekommen.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Sea Legend eröffnet regelmäßige Arktis-Route

Die chinesische Reederei Sea Legend nimmt in dieser Woche ihren ersten regelmäßigen Container-Liniendienst durch die Arktis auf. Die Verbindung soll den Hafen Ningbo an der chinesischen Ostküste mit Felixstowe in Großbritannien deutlich schneller erreichen als die etablierten Routen zwischen Asien und Europa. Berichten von Manager-Magazin.de und der „FT“ zufolge macht das schmelzende Polareis die sogenannte „Eis-Seidenstraße“ zunehmend praktikabel – eine Entwicklung mit großer Bedeutung für die internationale Logistik.

Der zentrale Vorteil liegt in der Geschwindigkeit: Während die Fahrt zwischen Ningbo und Felixstowe üblicherweise rund 40 Tage dauert, könnte die Route entlang der nordrussischen Küste die Reisezeit um bis zu die Hälfte verkürzen. Sea Legend will die Strecke künftig wöchentlich befahren. Im Sommer zieht sich das Meereis so weit zurück, dass Schiffe die Passage unter bestimmten Bedingungen ohne Unterstützung durch Eisbrecher nutzen können.

Zeitgewinn trifft auf geopolitische Risiken

Für Reedereien ist die Arktis-Route auch deshalb interessant, weil sie Engpässe und Konfliktzonen auf klassischen Seewegen umgehen kann. Besonders das Rote Meer und die Meerenge von Bab al-Mandab stehen im Fokus, nachdem die Huthis dort zuletzt verstärkt Tanker angegriffen hatten. Rahul Khanna, globaler Leiter der Marine-Risikoberatung beim Versicherer Allianz, verweist laut „FT“ auf einen deutlichen Anstieg des Schiffsverkehrs durch die Arktis und die Nordostpassage. Reeder sähen darin die Chance, Zeit und Kosten zu sparen und geopolitische Engpässe zu vermeiden.

Gleichzeitig bleibt die Route politisch sensibel. Die Nordostpassage ist in 28 Abschnitte unterteilt; Genehmigungen und Verwaltung liegen beim russischen Staatskonzern Rosatom. Europäische Reedereien haben die Strecke bislang weitgehend gemieden. Zwar schickte Maersk bereits 2018 ein Containerschiff durch die Arktis, doch verpflichteten sich das dänische Unternehmen und andere europäische Wettbewerber grundsätzlich, die Route nicht zu nutzen. Als Gründe gelten die Nähe zu Russland, die Folgen des Klimawandels und die Sorge um das empfindliche arktische Ökosystem.

Umwelt, Sicherheit und Navigation bleiben kritisch

Die Durchfahrt stellt hohe Anforderungen an Besatzungen und Technik. Eisfelder erfordern Erfahrung, GPS kann in hohen nördlichen Breiten ausfallen, und Such- sowie Rettungsdienste sind weit entfernt. Malte Humpert, Experte für Arktisschifffahrt bei „High North News“, verweist zudem auf Risiken wie Ölunfälle oder Umweltverschmutzung. Zugleich nennt er das Gegenargument, dass kürzere Routen potenziell CO₂-Emissionen reduzieren könnten – ein Spannungsfeld, das die Debatte über Nachhaltigkeit im globalen Seeverkehr verschärft.

Die Sicherheitsbilanz zeigt, warum die Euphorie begrenzt bleibt: Nach einer Analyse der Allianz wurden im Polarkreis in den vergangenen zehn Jahren mehr als 500 Schifffahrtsvorfälle gemeldet. Fast die Hälfte davon ging auf Maschinenschäden oder -ausfälle zurück. Sea Legends Vorstoß markiert damit keinen risikolosen Durchbruch, sondern einen strategischen Testfall: China nutzt die veränderten Bedingungen in der Arktis, während europäische Wettbewerber zwischen Effizienzgewinnen, Umweltverantwortung und geopolitischer Zurückhaltung abwägen.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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