Team inspiziert leere moderne Lagerhalle nahe europäischem Binnenhafen für neue Logistikflächen
© Black Forest Labs / Flux

Chinas E-Commerce sucht Lager in Europa

Besonders chinesische E-Commerce-Unternehmen bauen in Europa zunehmend neue Lagerstrukturen auf und verändern dadurch die Nachfrage nach Gewerbe-Immobilien, berichtet Retail-News.de. Um Handels- und Zollrisiken zu senken, ersetzten sie Luftfracht und Direktversand durch regionale Bestände. Gefragt seien vor allem Standorte in Polen sowie entlang der Achse Rotterdam–Duisburg–Nordrhein-Westfalen. Dabei würden Bestandsimmobilien wegen ihrer schnellen Verfügbarkeit bevorzugt. Die durchschnittliche europäische Spitzenmiete liege bei 7,52 Euro je Quadratmeter; Investoren zahlten für eine Lagerhalle im Schnitt rund das 18-Fache der Jahresmiete.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Chinesische E-Commerce-Anbieter verschieben die Nachfrage nach Logistikflächen

Asiatische und insbesondere chinesische Unternehmen verändern den europäischen Markt für Logistikimmobilien. Wie Retail-News.de auf Basis der aktuellen GARBE PYRAMID MAP berichtet, bauen vor allem Akteure aus dem E-Commerce zunehmend regionale Lagerstrukturen in Europa auf. Statt Waren überwiegend per Luftfracht oder Direktversand an europäische Kunden zu liefern, setzen sie stärker auf eigene Bestände vor Ort. Ziel ist es, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und Handels- sowie Zollrisiken zu reduzieren.

Die GARBE PYRAMID MAP untersucht Spitzenmieten und Nettoanfangsrenditen in 122 Logistikregionen aus 25 europäischen Ländern. Zur Jahresmitte 2026 zeigt sich der Markt trotz geopolitischer und konjunktureller Unsicherheiten stabilisiert. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage: In mehreren Regionen treten asiatische Unternehmen verstärkt als Nutzer von Logistikflächen auf. Besonders sichtbar ist dieser Trend in Polen, wo der Onlinehandel nach einer schwächeren Vermietungsphase im Vorjahr wieder stärker zum Flächenumsatz beiträgt. Auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien zählen zu den relevanten Zielmärkten.

Für die Distribution nach Deutschland und in angrenzende Märkte hebt GARBE die Achse Rotterdam–Duisburg–Nordrhein-Westfalen hervor. Dort profitieren Nutzer von etablierten Verkehrsanbindungen und der Nähe zu wichtigen Absatzmärkten. Im E-Commerce ist zudem häufig die kurzfristige Verfügbarkeit entscheidend. Deshalb stehen Bestandsimmobilien besonders im Fokus, weil sie schneller genutzt werden können als Neubauten. Zusätzliche regionale Nachfrage entsteht laut GARBE außerdem durch Batteriespeicher sowie Lieferketten für Elektrofahrzeuge und Halbleiter. Eine europaweit einheitliche Entwicklung lässt sich daraus jedoch bislang nicht ableiten.

Die zusätzliche Nachfrage führt noch nicht flächendeckend zu steigenden Mieten. Zugleich stabilisiert sich der Leerstand, weil in vielen Regionen das verfügbare Angebot wieder sinkt. GARBE führt dies auf stärkere Bestandsvermietungen und weniger spekulative Neubauprojekte zurück. Als weiteren möglichen Nachfragetreiber nennt das Unternehmen den Verteidigungssektor, dessen langfristige Investitionsprogramme sich aber voraussichtlich erst in den kommenden Jahren stärker auf die Flächenmärkte auswirken werden.

Bei den Spitzenmieten zeigt sich ein überwiegend stabiles Bild. Von 122 untersuchten Regionen meldeten im ersten Halbjahr 79 stabile Spitzenmieten, 29 Märkte verzeichneten Zuwächse und 14 Rückgänge. Ende Juni lag die durchschnittliche europäische Spitzenmiete bei 7,52 Euro je Quadratmeter und Monat. Bei den Nettoanfangsrenditen drehte sich der Trend gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025: In 62 Regionen stiegen die Renditen leicht, in 51 blieben sie stabil, nur neun Märkte meldeten eine weitere Kompression. Im Durchschnitt erhöhte sich die Nettoanfangsrendite um acht Basispunkte auf 5,6 Prozent. Investoren zahlten für eine Lagerhalle im Schnitt rund das 18-Fache der Jahresmiete.

Besonders günstige Kombinationen aus steigenden Mieten und sinkenden Renditen zeigen sich derzeit in Spanien und ausgewählten britischen Sekundärmärkten. Barcelona erreichte ein Mietplus von 0,20 Euro je Quadratmeter bei einer Renditekompression um zehn Basispunkte, Zaragoza legte um 0,10 Euro zu und verzeichnete eine Kompression um 20 Basispunkte. Newcastle kam auf 0,20 Euro Mietwachstum bei zehn Basispunkten Renditekompression. In Deutschland bleiben München und Berlin City bei den Spitzenmieten führend; seit Ende 2025 stiegen sie laut GARBE um 6,9 beziehungsweise 3,3 Prozent. Bei den Renditen folgen beide Standorte jedoch dem allgemeinen Trend einer stabilen bis leicht schwächeren Entwicklung.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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