DHL eCommerce sucht in Osteuropa nach kaufbaren Paketdiensten, berichtet Ecommercenews.eu. Im Westen und Süden Europas gebe zunehmend weniger interessante Kandidaten. Jüngster Baustein sei der geplante Kauf des baltischen Anbieters Venipak mit rund 800 Paketautomaten. Spartenweit wachse das grenzüberschreitende Paketgeschäft jährlich um rund 15 Prozent, das Volumen an Paketshops und -automaten um 50 Prozent.
DHL eCommerce verlagert den Schwerpunkt seiner europäischen Zukaufspläne nach Osteuropa. Wie Ecommercenews.eu berichtet, sieht CEO Pablo Ciano im Westen und Süden Europas nur noch wenige Lücken, die sich durch Übernahmen sinnvoll schließen lassen. In Osteuropa sollen weitere Paketdienste helfen, dichtere Netze für nationale und grenzüberschreitende Zustellungen aufzubauen.
Venipak soll DHL im Baltikum stärken
Der jüngste Schritt ist der geplante Kauf des baltischen Anbieters Venipak. Vorbehaltlich der regulatorischen Zustimmung erhielte DHL eCommerce damit eigene Aktivitäten in Litauen, Lettland und Estland. Venipak bringt rund 800 Paketautomaten, Abholpunkte und ein lokales Zustellnetz ein. DHL will diese Infrastruktur an sein internationales Netzwerk anbinden und damit den Zugang zu verbundenen Lieferlösungen über Ländergrenzen hinweg verbessern.
Die Strategie folgt einem Muster, das DHL eCommerce bereits in anderen europäischen Märkten verfolgt. In Großbritannien wurden die Paketaktivitäten mit Evri zusammengeführt. Für Spanien und Portugal besteht eine Partnerschaft mit CTT. In Italien betreibt DHL eCommerce gemeinsam mit Poste Italiane ein Joint Venture für Paketautomaten. Damit setzt die Sparte in der Logistik auf lokale Reichweite, die international anschlussfähig ist.
Wachstum kommt aus grenzüberschreitenden Paketen
Nach Angaben von Ciano wächst das grenzüberschreitende Paketgeschäft von DHL eCommerce derzeit um rund 15 Prozent pro Jahr. Zusätzlich entwickelt die Sparte Verbindungen zwischen Europa und Amerika. Die genannten Zahlen beziehen sich auf Paketdienstleistungen, nicht auf den Warenwert im Onlinehandel.
Ein zweiter Wachstumstreiber sind Sendungen zwischen Privatpersonen. Paketshops und Automaten gewinnen dabei an Bedeutung, weil sie beide Seiten einer Transaktion abdecken können. Verkäufer geben Pakete dort ab, Käufer holen sie ohne Haustürzustellung ab. Das Volumen über diese Standorte wächst laut Ciano um rund 50 Prozent jährlich.
Secondhand-Plattformen erhöhen den Bedarf
Der Ausbau passt zur Dynamik im Secondhand-Handel. Vinted zeigt, wie stark grenzüberschreitende Sendungen zwischen Privatpersonen zunehmen können. Über die Plattform wurden 2025 Waren im Wert von 10,8 Milliarden Euro verkauft, 47 Prozent mehr als im Vorjahr. Da Vinted Käufer und Verkäufer über europäische Länder hinweg verbindet, steigt der Bedarf an internationalen Zustelloptionen.
DHL und Vinted haben ihre Zusammenarbeit in Deutschland im Juli ausgeweitet. Ziel ist, das Versenden und Empfangen über DHL-Paketautomaten zu erleichtern. Für DHL eCommerce ergänzt dieser Markt die klassischen B2C-Paketströme und stärkt die Rolle von Paketpunkten im europäischen Netz.
Cianos längerfristiges Ziel ist eine Verdopplung des Umsatzes von DHL eCommerce innerhalb von fünf Jahren. Er bezeichnet dies als strategisches Ziel, nicht als Prognose. Die Sparte erzielte 2025 einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro. Nächster Prüfpunkt bleibt die regulatorische Freigabe für Venipak im Baltikum.
