AliExpress soll Nutzer per unhörbarem Audio-Fingerprinting erkannt haben
AliExpress soll auf seiner Startseite eine ungewöhnliche Tracking-Methode eingesetzt haben: Skripte erzeugten im Browser eine lautlose Tonwelle und analysierten, wie das jeweilige Gerät dieses Signal verarbeitet. Darüber berichten ITMagazine.ch und Techspot unter Berufung auf Sicherheitsforscher. Da Hardware, Browser und Audioverarbeitung minimale Unterschiede erzeugen, können daraus Merkmale entstehen, die einzelne Geräte wiedererkennbar machen – selbst dann, wenn keine klassischen Cookies eingesetzt werden.
Der Fall betrifft den Online-Händler AliExpress, der zum chinesischen Konzern Alibaba gehört. Nach den vorliegenden Berichten lief der Prozess im Hintergrund über die Web Audio API. Auffällig wurde das Verhalten nur zufällig: Ein Entwickler bemerkte, dass seine Bluetooth-Kopfhörer nicht mehr sauber zwischen Rechner und Smartphone wechselten, solange ein AliExpress-Tab geöffnet war. Offenbar hielten die Audio-Prozesse die Verbindung des Computers aktiv, obwohl die Lautstärke auf null gesetzt war. Selbst das Stummschalten des Browser-Tabs beendete die Vorgänge demnach nicht.
Die Audioanalyse war nach den Untersuchungen nicht der einzige erfasste Datenpunkt. Die Skripte sollen zusätzlich Informationen zu Canvas- und WebGL-Darstellung, Bildschirmmaßen, Hardware-Eigenschaften, Arbeitsspeicher, Browser-Plugins, WebRTC sowie Mausbewegungen und weiteren Nutzerinteraktionen gesammelt haben. In Kombination entsteht daraus ein digitaler Fingerabdruck, der Geräte über verschiedene Besuche hinweg identifizierbar machen kann. Für den Datenschutz ist diese Form des Trackings besonders sensibel, weil sie nicht auf sichtbare Zustimmungselemente oder einfach löschbare Cookies angewiesen ist.
Der Browseranbieter Brave machte vor wenigen Tagen auf das Verhalten aufmerksam und erklärte, die betreffenden AliExpress-Skripte zu blockieren. Das Unternehmen verweist darauf, bereits seit mehreren Jahren Schutzmechanismen gegen Audio-Fingerprinting einzusetzen. Dabei werden bestimmte Browser-Ausgaben gezielt verändert, damit sie sich weniger zuverlässig zur Wiedererkennung eignen. Inzwischen nutzt Brave nach eigenen Angaben ähnliche Verfahren auch gegen Fingerprinting über Grafikprozessoren, also über eine weitere technische Ebene der Geräteanalyse.
Für Nutzer anderer Browser bleibt als Gegenmaßnahme vor allem der Einsatz von Content-Blockern wie uBlock Origin. Solche Werkzeuge können verdächtige Skripte unterbinden, allerdings mit möglichen Nebenwirkungen: Einzelne Funktionen einer Website, etwa Sicherheits- oder Betrugspräventionsmechanismen, könnten dadurch eingeschränkt werden. Der Fall zeigt, wie Tracking im modernen Onlinehandel zunehmend jenseits klassischer Cookie-Technik stattfindet – und wie schwer solche Verfahren für Nutzer erkennbar sind, wenn sie unbemerkt im Hintergrund laufen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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