Zalando übernimmt M&S-Logistik in 22 europäischen Märkten
Zalando baut sein Geschäft mit Dienstleistungen für Fremdmarken aus und vertieft die Zusammenarbeit mit Marks & Spencer. Der Berliner Online-Händler übernimmt künftig die Abwicklung der Online-Bestellungen des britischen Modehändlers in 22 europäischen Märkten. Dazu zählen zentrale Absatzländer wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Spanien. Nach Informationen von Handelsblatt.com soll Zalando damit eine Schlüsselrolle beim weiteren Ausbau des europäischen Onlinegeschäfts von M&S übernehmen.
Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Logistik: M&S erwartet schnellere Lieferungen, effizientere Retourenprozesse und eine deutliche Entlastung bei den operativen Kosten. Der britische Händler rechnet damit, die Logistikkosten bis zur Hälfte senken zu können. Für Zalando ist der Schritt zugleich ein Ausbau des Geschäftsmodells über den eigenen Marktplatz hinaus: Die Infrastruktur des Unternehmens wird nicht nur für den eigenen Handel genutzt, sondern zunehmend auch als Service für externe Marken und Händler.
Die Partnerschaft war bereits im November des vergangenen Jahres angekündigt worden. In diesem Monat wurde sie in Polen erfolgreich getestet. Mit der nun geplanten Ausweitung auf weitere Länder rückt die Kooperation in die wichtigsten europäischen Online-Märkte vor. Für M&S ist das ein strategischer Schritt, um die Präsenz in Kontinentaleuropa zu stärken und die Kundenerfahrung im digitalen Handel zu verbessern. Gerade im Modegeschäft sind verlässliche Zustellung und unkomplizierte Retouren zentrale Faktoren für Wachstum und Kundenbindung.
Der Ausbau erfolgt in einer Phase, in der Marks & Spencer nach eigenen Angaben weiterhin eine positive Dynamik im internationalen Onlinegeschäft verzeichnet. Das Unternehmen verweist auf eine wachsende Nachfrage nach seinem Mode-Angebot. Zugleich steht der Konzern unter dem Eindruck eines schwierigen Geschäftsjahres: 2025/26 war der Gewinn nach einem Cyberangriff, der Umsatz und Margen belastete, um 24 Prozent eingebrochen. Im Mai hatte M&S dennoch für das laufende Jahr eine Rückkehr zum Gewinnwachstum prognostiziert.
Für den europäischen Onlinehandel zeigt die Vereinbarung, wie wichtig leistungsfähige Fulfillment-Strukturen für internationale Expansion werden. M&S kann auf bestehende Zalando-Prozesse für Lieferung und Rücksendungen zurückgreifen, während Zalando seine Rolle als Infrastrukturpartner im Modehandel ausbaut. Die Kooperation verbindet damit zwei Ziele: M&S will sein Onlinegeschäft in Europa beschleunigen, Zalando stärkt sein Logistikgeschäft für Fremdmarken.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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