September wird zum neuen Startpunkt für gute Vorsätze
Gute Vorsätze entstehen längst nicht mehr erst zum Jahreswechsel. Nach einer Datenanalyse von Wolt werden Pläne für Struktur, Gesundheit und Alltag zunehmend bereits im September gefasst. Der Lieferdienst verweist darauf, dass die Suche nach „Planer“ um 90 Prozent gestiegen sei — ein deutliches Signal dafür, dass viele Menschen den Übergang zurück in Routinen früher organisieren. Der September wirkt damit wie ein zweiter Januar: weniger symbolisch aufgeladen, aber offenbar besonders relevant für konkrete Vorbereitung.
Auch das Bestellverhalten stützt diese Beobachtung. Laut Wolt haben die Vorbestellungen um 31 Prozent zugenommen, zugleich sei der Warenkorbwert um 5,5 Prozent gewachsen. Die Interpretation des Unternehmens: Wer plant, denkt größer. Sichtbar wird das nicht nur bei Planern und Schreibwaren, sondern auch in Kategorien, die stärker mit Selbstoptimierung, Fitness und Alltagseffizienz verbunden sind. Vitamine und Nahrungsergänzung legten um 31 Prozent zu, Sportnahrung um 21 Prozent. Besonders gefragt waren außerdem Kopierpapier, Dokumentenhüllen und Permanentmarker, die sich zu Bestsellern entwickelten.
Damit zeichnet die Analyse ein kompaktes Bild veränderten Konsumverhaltens: Der Neustart nach der Sommerphase wird nicht allein emotional, sondern praktisch vorbereitet. Produkte, die Ordnung, Planung und persönliche Routinen unterstützen, gewinnen an Bedeutung. Für Anbieter im E-Commerce ist das ein Hinweis darauf, dass saisonale Nachfrage nicht nur an Feiertage oder klassische Aktionszeiträume gebunden ist. Entscheidend ist vielmehr, wann Menschen ihren Alltag neu strukturieren — und welche Produkte diesen Übergang erleichtern.
Wolt selbst positioniert sich als Plattform, die Bestellungen von Lebensmitteln und weiteren Produkten mit lokalen Anbietern sowie Kurier:innen verbindet. Das in Finnland gegründete Tech-Unternehmen wurde 2014 gegründet, ist seit 2022 Teil von DoorDash und seit 2020 in Deutschland aktiv. Weltweit ist Wolt in mehr als 30 Ländern vertreten. Die aktuelle Auswertung unterstreicht, wie Plattformdaten Hinweise auf Alltagsroutinen liefern können, ohne den Blick auf das operative Grundmodell zu verlieren: lokale Verfügbarkeit, digitale Bestellung und Lieferung in der Nachbarschaft.
Für Handel, Marken und Plattformanbieter liegt die zentrale Erkenntnis darin, dass der September als Planungsmonat stärker in den Fokus rückt. Wer Sortimente rund um Organisation, Gesundheit und Fitness anbietet, trifft in dieser Phase offenbar auf eine Kundschaft, die aktiv vorbereitet, vorbestellt und größere Warenkörbe bildet. Die Analyse, meldet der Lieferdienst Wolt, macht damit sichtbar, dass der Jahreswechsel als psychologischer Startpunkt Konkurrenz bekommt: Der Alltag beginnt früher — und mit ihm die Nachfrage nach Produkten, die Struktur schaffen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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