Temu meldet Wachstumseffekte bei europäischen Händlern
Europäische Händler, die über Temu verkaufen, berichten laut einer Plattformumfrage von zusätzlichem Wachstum, mehr Kapazität und neuen Absatzmöglichkeiten. Wie Channelx.world berichtet, gab die Hälfte der Befragten an, seit dem Einstieg bei Temu Kapazitäten ausgebaut, Personal eingestellt oder beides getan zu haben. Ein Drittel der Händler erschloss zudem neue Auslandsmärkte. Die Ergebnisse stammen allerdings von Temu selbst: Befragt wurden im Juni und Juli 2026 mehr als 150 lokale Verkäufer aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Polen und Großbritannien.
Die Zahlen zeichnen ein positives Bild der Rolle, die der Marktplatz für europäische Anbieter im E-Commerce spielen will. Drei Viertel der Befragten bezeichneten Temu als wichtigen zusätzlichen Vertriebskanal oder sogar als primären Verkaufskanal. Mehr als vier von zehn Händlern waren bereits seit über zehn Jahren am Markt, bevor sie sich der Plattform anschlossen. Temu interpretiert dies als Hinweis darauf, dass nicht nur junge Unternehmen, sondern auch etablierte Anbieter über einfachere und günstigere Zugänge zu neuen Kunden wachsen können.
Besonders häufig nannten Händler die Unterstützung durch die Plattform als Vorteil. Mehr als 65 Prozent hoben die persönliche Betreuung hervor, 38 Prozent bewerteten die Verkäuferplattform als einfach nutzbar, 35 Prozent verwiesen auf eine aus ihrer Sicht faire Kostenstruktur. Temu führt diese Ausrichtung auf Gespräche mit Branchenverbänden, Handelsorganisationen und weiteren Stakeholdern zurück, in denen vor allem Komplexität, Kosten und Anbindung als zentrale Hürden genannt worden seien.
Konkrete Beispiele sollen die Entwicklung illustrieren. Der britische Händler Money Cruncher, der auch als Spot On-Line auftritt, meldet seit dem Start bei Temu Anfang 2025 mehr als eine Million abgewickelte Bestellungen. Die Umsätze über Temu seien von rund 1.000 Pfund pro Tag auf mehr als 20.000 Pfund gestiegen. Im Lager in Leeds würden inzwischen mehr als 6.000 Pakete täglich versendet; die Zahl der Vollzeitkräfte im Lager sei von sieben auf 28 gestiegen. Das Unternehmen passte dafür Warenbestände und operative Abläufe an und rechnet mit weiterem Wachstum in Großbritannien, Europa und möglicherweise den USA.
Auch der Zubehörhändler Blillov aus Northamptonshire verweist auf operative Effekte. Das Unternehmen nutzte Temu nach eigenen Angaben, um Nachfrage besser zu steuern und Entscheidungen zum Bestand systematischer zu treffen. Statt unregelmäßiger Nachbestellungen stellte Blillov bei stark nachgefragten Artikeln auf wöchentliche Auffüllung um. Höhere Volumina halfen zudem bei besseren Lieferantenkonditionen. Innerhalb eines Jahres nach dem Einstieg in das Local Seller Programme im April 2025 entfielen rund 18 Prozent des Umsatzes auf Temu; zugleich zog das Unternehmen früher als geplant von einem 1.000 Quadratfuß großen Lager in eine 9.000 Quadratfuß große Fläche in Rushden um.
Für Temu sind solche Beispiele Teil einer breiteren Expansionsstrategie in Europa. Die Plattform startete dort im April 2023 und ist inzwischen in mehr als 90 Märkten aktiv, darunter alle EU-Mitgliedstaaten. Das Local Seller Programme steht nach Unternehmensangaben seit 2024 europäischen Unternehmen offen und ist heute in mehr als 35 Märkten verfügbar. Das Sortiment umfasst mehr als 700 Kategorien. Die genannten Händlerbeispiele zeigen vor allem, wie zusätzliche Reichweite, Nachfragebündelung und angepasste Logistik einzelne Anbieter zu Investitionen bewegen können.
Einzuordnen bleibt, dass es sich um eine von Temu erhobene Umfrage unter eigenen Händlern handelt. Die Ergebnisse liefern damit Hinweise auf Erfahrungen aktiver Verkäufer, ersetzen jedoch keine unabhängige Marktanalyse. Für Händler, die zusätzliche Vertriebskanäle prüfen, sind die Daten dennoch relevant: Sie zeigen, welche Faktoren auf Marktplätzen derzeit besonders zählen — verlässliche Betreuung, beherrschbare Kosten, einfache Tools und Zugang zu internationalen Kundengruppen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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