Amazon stärkt das Geschäft mit Retouren und generalüberholten Produkten
Amazon wiederholt vom 1. bis 10. September 2026 die „Second Chance Deal Days“, wie Retail-News.de berichtet. Im Mittelpunkt der Aktion stehen retournierte und generalüberholte Artikel, die der Onlinehändler mit Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung vergleichbarer Neuware anbietet. Das Sortiment reicht von Smartphones, Computern und Gaming-Produkten über Küchenartikel bis hin zu Heimwerkerbedarf.
Nach Unternehmensangaben umfasst das Second-Chance-Angebot mehr als 40 Millionen gebrauchte, retournierte und wiederaufbereitete Artikel in nahezu allen Produktkategorien. Während der Aktion sollen insbesondere Produkte im Zustand „gut“ deutlich günstiger erhältlich sein. Neu ist die Beteiligung des Luxury-Partners Luxclusif, über den gebrauchte Designertaschen und Accessoires mit zusätzlichen Rabatten angeboten werden.
Die Rabattaktion ist Teil einer umfassenderen Strategie, mit der Amazon das Recommerce-Geschäft in Europa ausbaut. Zwischen 2024 und 2026 investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 3,5 Milliarden Euro in Prozesse rund um Retouren, Prüfung, Aufbereitung und Wiedervermarktung. Die Nachfrage nach gebrauchten Produkten wächst deutlich: 2025 überschritt der europäische Umsatz in diesem Bereich erstmals die Marke von zwei Milliarden Euro. Deutsche Kundinnen und Kunden sparten demnach mehr als 170 Millionen Euro durch den Kauf gebrauchter oder generalüberholter Artikel.
Amazon verfolgt dabei das Ziel, möglichst viele zurückgesendete Produkte erneut nutzbar zu machen. Retouren werden geprüft, getestet, gereinigt und bei Bedarf repariert. Einwandfreie Artikel gehen wieder als Neuware in den Verkauf, Produkte mit Gebrauchsspuren werden mit transparenter Zustandsbeschreibung günstiger angeboten. Waren, die nicht mehr verkauft werden können, aber funktionsfähig sind, spendet das Unternehmen nach eigenen Angaben an gemeinnützige Organisationen.
Parallel arbeitet Amazon daran, Retouren bereits vor dem Kauf zu reduzieren. Dazu zählen detailliertere Produktinformationen, digitale Größenempfehlungen und Zusammenfassungen von Bewertungen mithilfe von KI. Damit verbindet der Konzern operative Effizienz mit einem Angebot, das stärker auf Wiederverwendung und längere Produktnutzung ausgerichtet ist. Für Kundinnen und Kunden soll der Kauf gebrauchter Ware zugleich ähnlich einfach und abgesichert bleiben wie der Erwerb neuer Produkte.
Gebündelt wird das Angebot über zwei Programme: Beim Amazon Retourenkauf verkauft das Unternehmen geöffnete oder gebrauchte Artikel mit Zustandsbewertungen von „Wie neu“ bis „Akzeptabel“. Amazon Renewed ergänzt das Sortiment um professionell generalüberholte Produkte qualifizierter Verkaufspartner. Beide Programme sind nach Unternehmensangaben durch die üblichen Rückgaberegelungen und den Kundenservice abgesichert.
Die Second Chance Deal Days zeigen, dass Recommerce für Amazon zunehmend zu einem wichtigen Wachstumsfeld wird. Neben Preisvorteilen für Verbraucherinnen und Verbraucher rückt auch der Aspekt der Nachhaltigkeit stärker in den Vordergrund: Produkte sollen länger im Umlauf bleiben, Retouren wiederverwendet und der Anteil ungenutzter Waren reduziert werden.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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