Frankreich verschärft den Umgang mit Ultra-Fast-Fashion und erhebt seit dem 1. September eine Abgabe pro Kleidungsstück, berichtet Straitstimes.com. Die Maßnahme richtet sich vor allem gegen große asiatische E-Commerce-Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress, deren Geschäftsmodell auf sehr großen Mengen, niedrigen Preisen und schnell wechselnden Sortimenten beruht. Die französische Regierung begründet den Schritt mit dokumentierten Schäden für Umwelt und Wirtschaft. Minister Mathieu Lefevre verwies bei der Veröffentlichung der Details auf die bekannten Folgen der Ultra-Fast-Fashion für beide Bereiche.
Wie die Abgabe berechnet wird
Ob ein Produkt unter die Regelung fällt, soll anhand von zwei Kriterien bestimmt werden: der Menge der in Verkehr gebrachten Kleidung und den Reparaturkosten im Verhältnis zum Kaufpreis. Je nach Bewertung auf dieser Skala fällt die Abgabe pro Artikel unterschiedlich hoch aus. Für 2026 werden als Beispiele 0,50 Euro für Unterwäsche, zwei Euro für T-Shirts, neun Euro für Jeans und zwölf Euro für Jacken genannt. Bis 2030 kann der Satz auf bis zu 19,50 Euro pro Stück steigen. Gleichzeitig bleibt die Belastung auf 50 Prozent des Nettopreises eines Produkts gedeckelt.
Damit setzt Frankreich ein Instrument ein, das Preisvorteile besonders günstiger Wegwerfmode abschwächen soll. Die Regierung arbeitet zudem an einem Verfahren, mit dem Daten unabhängig erhoben werden können. Es soll die Abhängigkeit von Selbstauskünften der Unternehmen verringern. Shein äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht. Temu und AliExpress reagierten zunächst ebenfalls nicht auf entsprechende Anfragen.
Kritik an der Reichweite der Regelung
Umstritten ist vor allem, welche Anbieter tatsächlich erfasst werden. Nach Angaben aus dem Ministerium soll die Abgabe nicht für Händler wie Zara oder H&M gelten. Kritiker sehen darin eine Schonung europäischer und französischer Unternehmen. Französische Regierungsvertreter betonen dagegen wiederholt, dass insbesondere Shein, Temu und AliExpress den starken Anstieg der Ultra-Fast-Fashion in Frankreich antreiben.
Die Regelung wurde im Juni vom französischen Parlament beschlossen und von der EU-Kommission geprüft. Nach Angaben aus Lefevres Büro seien die zuvor aufgeworfenen Fragen zur Vereinbarkeit mit EU-Recht ausgeräumt; eine Blockade der Maßnahme werde nicht erwartet. Parallel wächst die handelspolitische Spannung mit China. Peking warnte im Juli vor möglichen Gegenmaßnahmen und bezeichnete die französische Regelung als diskriminierend sowie als Verstoß gegen Handelsprinzipien.
Die neue Abgabe fügt sich in weitere Eingriffe gegen den Billigimport kleiner Sendungen ein. Seit dem 1. Juli gilt bereits eine separate EU-Abgabe von drei Euro auf solche Pakete. Nach Angaben der französischen Regierung sind die Importe kleiner Sendungen aus China in die EU seitdem um rund 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Der nächste Prüfpunkt ist die praktische Umsetzung der französischen Ultra-Fast-Fashion-Abgabe ab dem 1. September und ihr weiterer Anstieg bis 2030.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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