Mitarbeiterin sortiert große Mengen Fast-Fashion-Kleidung im Versandzentrum
© Black Forest Labs / Flux

Frankreich bittet Ultra-Fast-Fashion zur Kasse

Frankreich belegt „Ultra-Fast-Fashion“ seit dem 1. September mit einer Abgabe pro Kleidungsstück, berichtet Straitstimes.com. Wie hoch sie ausfällt, hänge von zwei Kriterien ab: der in Verkehr gebrachten Menge und den Reparaturkosten gemessen am Kaufpreis. In diesem Jahr würden 0,50 Euro auf Unterwäsche fällig, zwei Euro auf T-Shirts, neun auf Jeans, zwölf auf Jacken. Bis 2030 steige der Höchstsatz auf 19,50 Euro pro Stück, gedeckelt bei 50 Prozent des Nettopreises. Zara und H&M seien, laut Ministerium, nicht betroffen.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
3 Min.
Teilen

Frankreich verschärft den Umgang mit Ultra-Fast-Fashion und erhebt seit dem 1. September eine Abgabe pro Kleidungsstück, berichtet Straitstimes.com. Die Maßnahme richtet sich vor allem gegen große asiatische E-Commerce-Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress, deren Geschäftsmodell auf sehr großen Mengen, niedrigen Preisen und schnell wechselnden Sortimenten beruht. Die französische Regierung begründet den Schritt mit dokumentierten Schäden für Umwelt und Wirtschaft. Minister Mathieu Lefevre verwies bei der Veröffentlichung der Details auf die bekannten Folgen der Ultra-Fast-Fashion für beide Bereiche.

Wie die Abgabe berechnet wird

Ob ein Produkt unter die Regelung fällt, soll anhand von zwei Kriterien bestimmt werden: der Menge der in Verkehr gebrachten Kleidung und den Reparaturkosten im Verhältnis zum Kaufpreis. Je nach Bewertung auf dieser Skala fällt die Abgabe pro Artikel unterschiedlich hoch aus. Für 2026 werden als Beispiele 0,50 Euro für Unterwäsche, zwei Euro für T-Shirts, neun Euro für Jeans und zwölf Euro für Jacken genannt. Bis 2030 kann der Satz auf bis zu 19,50 Euro pro Stück steigen. Gleichzeitig bleibt die Belastung auf 50 Prozent des Nettopreises eines Produkts gedeckelt.

Damit setzt Frankreich ein Instrument ein, das Preisvorteile besonders günstiger Wegwerfmode abschwächen soll. Die Regierung arbeitet zudem an einem Verfahren, mit dem Daten unabhängig erhoben werden können. Es soll die Abhängigkeit von Selbstauskünften der Unternehmen verringern. Shein äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht. Temu und AliExpress reagierten zunächst ebenfalls nicht auf entsprechende Anfragen.

Kritik an der Reichweite der Regelung

Umstritten ist vor allem, welche Anbieter tatsächlich erfasst werden. Nach Angaben aus dem Ministerium soll die Abgabe nicht für Händler wie Zara oder H&M gelten. Kritiker sehen darin eine Schonung europäischer und französischer Unternehmen. Französische Regierungsvertreter betonen dagegen wiederholt, dass insbesondere Shein, Temu und AliExpress den starken Anstieg der Ultra-Fast-Fashion in Frankreich antreiben.

Die Regelung wurde im Juni vom französischen Parlament beschlossen und von der EU-Kommission geprüft. Nach Angaben aus Lefevres Büro seien die zuvor aufgeworfenen Fragen zur Vereinbarkeit mit EU-Recht ausgeräumt; eine Blockade der Maßnahme werde nicht erwartet. Parallel wächst die handelspolitische Spannung mit China. Peking warnte im Juli vor möglichen Gegenmaßnahmen und bezeichnete die französische Regelung als diskriminierend sowie als Verstoß gegen Handelsprinzipien.

Die neue Abgabe fügt sich in weitere Eingriffe gegen den Billigimport kleiner Sendungen ein. Seit dem 1. Juli gilt bereits eine separate EU-Abgabe von drei Euro auf solche Pakete. Nach Angaben der französischen Regierung sind die Importe kleiner Sendungen aus China in die EU seitdem um rund 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Der nächste Prüfpunkt ist die praktische Umsetzung der französischen Ultra-Fast-Fashion-Abgabe ab dem 1. September und ihr weiterer Anstieg bis 2030.

Teilen
David Wöllenstein
RedaktionDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.