Betrüger tarnen Fake-Shops zunehmend als regionale Familienbetriebe, berichtet NW.de. Es gebe ein bestimmtes Muster: Adressen aus Vorname und Stadt wie „anna-berlin.de“. Als Hintergrund diene beispielsweise eine angebliche Geschäftsaufgabe und im Frontend gebe es Rabatte bis zu 80 Prozent. Im Impressum fänden sich dann oft Adressen in Wyoming oder Hongkong, die Rücksendung führe nach Fernost. Die Ware überzeuge selten und hohe Rücksendekosten entwerteten das Widerrufsrecht.
Betrüger nutzen im Onlinehandel zunehmend das Vertrauen in Nähe, Tradition und persönliche Geschichten aus. Wie NW.de berichtet, treten unseriöse Shops derzeit vermehrt als vermeintliche regionale Familienbetriebe auf. Sie geben sich als traditionsreiche Anbieter aus, werben mit hochwertiger Ware und inszenieren eine angebliche Geschäftsaufgabe als Grund für stark reduzierte Preise.
Regionaler Eindruck, ausländische Adresse
Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen folgt die Masche häufig einem klaren Muster. In der Internetadresse tauchen Kombinationen aus Vorname und deutscher Stadt auf, etwa „anna-berlin.de“, „emma-frankfurt.de“ oder „stefanberlin.de“. Diese Namen sollen einen lokalen Bezug herstellen und den Eindruck eines vertrauten Betriebs aus der Region erzeugen.
Bei genauerem Blick zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Am Ende der Seiten oder im Impressum finden Verbraucher laut Verbraucherzentrale oft Firmensitze im Ausland, etwa im US-Bundesstaat Wyoming oder in Hongkong. Auch Rücksendeadressen liegen demnach häufig in Fernost. Teilweise seien Kontaktangaben unvollständig. Damit wird die angebliche Nähe zum Kunden fragwürdig, obwohl der Auftritt gezielt auf regionale Familienbetriebe anspielt.
Emotionale Geschichten und hoher Rabattdruck
Die Shops arbeiten laut der Rechtsexpertin Kathrin Bartsch mit emotionaler Ansprache und künstlicher Dringlichkeit. Eine angeblich befristete Aktion soll Vertrauen schaffen und zugleich zum schnellen Kauf bewegen. Besonders auffällig sind Rabatte bis zu 80 Prozent, die mit einer bevorstehenden Firmenaufgabe begründet werden.
Für Verbraucher kann die Erfahrung teuer werden. Die Qualität der gelieferten Ware überzeugt nach Einschätzung der Verbraucherzentrale meist nicht. Wer anschließend das Widerrufsrecht nutzen will, stößt auf ein praktisches Problem: Hohe Rücksendekosten ins Ausland können die Rückgabe wirtschaftlich entwerten. Damit verliert ein formales Recht im konkreten Online-Einkauf erheblich an Nutzen.
Woran sich unseriöse Shops erkennen lassen
Vor einer Bestellung lohnt sich ein genauer Blick auf zentrale Angaben. Wichtig sind vor allem Impressum und Rücksendeadresse: Wo sitzt das Unternehmen, sind die Kontaktdaten vollständig, und wohin müsste Ware zurückgeschickt werden? Auch unabhängige Bewertungen auf anderen Seiten können Hinweise liefern, ob ein Anbieter bereits auffällig geworden ist.
- Vorsicht bei übertriebenen Werbeversprechen und sehr hohen Preisnachlässen.
- Misstrauen ist angebracht, wenn Rabatte nur angeblich kurz gelten.
- Emotionale Erzählungen zur Geschäftsaufgabe sollten geprüft werden.
- Neu registrierte Webseiten verdienen besondere Aufmerksamkeit.
- Beworbene Siegel sollten auf ihre Existenz und Bedeutung überprüft werden.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, unsichere Shop-URLs im Fakeshop-Finder zu prüfen. Zeigt die Ampel dort Rot oder Gelb, sollten Verbraucher eine Bestellung nochmals sorgfältig abwägen. Zusätzlich lässt sich über Siegelklarheit.de kontrollieren, ob ein angegebenes Siegel existiert und wofür es steht.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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