Lagermitarbeiter packt gemischtes Sortiment ein – Sinnbild für gescheiterten Bild-Marktplatz
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Bild schließt seinen Marktplatz

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Nach gut zwei Jahren macht der Bild-Marktplatz dicht, meldet Haendlerbund.de. Ein knapper Hinweis verweise Käufer nur noch auf ihre Gewährleistungsansprüche. Zum Start habe der Marktplatz über 30.000 Produkte von mehr als 50 Händlern versammelt und mit Werbeflächen im Bild-Umfeld gelockt. Was er aber wem verkaufen wolle, sei unklar geblieben. Die Kosten für technische Anbindung und Warenbestand hätten die Händler getragen: Vorleistungen für eine Plattform, die sich nicht für ein Sortiment entscheiden wollte.

Nach etwas mehr als zwei Jahren ist der Bild Marktplatz eingestellt worden. Wie Haendlerbund.de berichtet, informiert die Plattform ihre Kundschaft nur noch mit einem knappen Hinweis über das Ende. Für bereits getätigte Käufe bleiben demnach die gesetzlichen Rechte bestehen, insbesondere Gewährleistungsansprüche. Ein ausführliches Statement zu den Gründen gibt es bislang nicht.

Der Schritt markiert das leise Ende eines Projekts, das zum Start deutlich größer angelegt war. Der Marktplatz ging mit über 30.000 Produkten von mehr als 50 Händlern an den Start. Angeboten wurden Artikel aus zahlreichen Kategorien. Zugleich stellte Bild in Aussicht, das Sortiment zügig auszubauen und Händler:innen Zugang zu Werbeflächen im eigenen Medienumfeld zu verschaffen.

Große Reichweite, schwaches Profil

Zum Start sollte der Bild Marktplatz von der Reichweite der Marke profitieren. Potenziellen Werbekund:innen wurden unter anderem aufmerksamkeitsstarke Teaserflächen auf der Bild.de-Startseite in Aussicht gestellt. Christoph Eck-Schmidt, Geschäftsführer von Bild und des Springer-Vermarkters Media Impact, sprach damals von einer zusätzlichen Möglichkeit für konversionsstarke Produkt- und Abverkaufskampagnen.

Rückblickend zeigt sich jedoch, dass diese Verbindung offenbar nicht tragfähig wurde. Die Plattform konnte die Reichweite von Bild.de nach den vorliegenden Informationen nicht ausreichend in Bekanntheit, Nachfrage oder stabile Händlerumsätze übersetzen. Damit blieb ein zentraler Hebel des Modells hinter den Erwartungen zurück: Reichweite allein ersetzte keine erkennbare Handelsstrategie.

Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die Ausrichtung der Plattform. Marktplatz-Expertin Ingrid Lommer schrieb auf LinkedIn, in den ersten Wochen habe die Verbindung zwischen Plattform und Bild.de kaum existiert. Zudem sei die grundlegende Sortimentsstrategie erst nachgelagert worden. Welche Produkte der Bild Marktplatz an welche Zielgruppen verkaufen wollte, sollte demnach später aus Reaktionen von Leser:innen und Händler:innen abgeleitet werden.

Risiko für Händler verlagert

Gerade diese offene Strategie brachte laut Lommer ein strukturelles Problem mit sich. Geschwindigkeit ohne Sourcing- oder Sortimentskonzept verlagere das Risiko auf die Händler, die in technische Integration und Warenbestand investieren mussten. Für sie entstanden damit Vorleistungen ohne klares Zielbild einer Plattform, die noch nicht definiert hatte, wofür sie stehen wollte.

Aus Händlersicht ist das besonders relevant, weil Marktplatzanbindungen Aufwand verursachen. Technische Schnittstellen, Produktdaten, Lagerhaltung und operative Prozesse müssen vorbereitet werden, bevor Umsätze entstehen. Wenn eine Plattform ihr Profil erst im laufenden Betrieb sucht, tragen teilnehmende Anbieter einen Teil der Experimentierkosten. Lommer beschreibt sie deshalb sinngemäß als unbezahlte Beta-Tester.

Dass Bild seinen eigenen Marktplatz nun schließt, zeigt die Grenzen eines Modells, das Medienreichweite mit Handel verbinden wollte, aber offenbar keine belastbare Positionierung fand. Der konkrete Auslöser für die Einstellung ist nicht bekannt. Belegt ist bislang nur der Hinweis auf der Plattform selbst: Der Dienst steht nicht mehr zur Verfügung; bestehende Gewährleistungsansprüche bleiben bestehen.

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Björn Böer
RedaktionBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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