Illustration: Firma über wenige dicke Kabel mit Schloss an große Servertürme gekoppelt, ein Kabel lose
© Black Forest Labs / Flux

Deutschland hängt am stärksten an fremder Technik

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Kein Land hängt so stark an wenigen Technologieanbietern wie Deutschland: 94 Prozent der Unternehmen stecken in Abhängigkeiten von ausländisch oder extern kontrollierten Lieferketten; der weltweite Durchschnitt liege bei 86 Prozent, berichtet Haendlerbund.de. Nur 14 Prozent hätten vollen Überblick über ihre technischen Verflechtungen. Ein Anbieterwechsel bei kritischen Systemen dauere bei mehr als einem Drittel länger als zwölf Monate, aber jedes zehnte Unternehmen sehe sowieso keine Alternative.

Digitale Souveränität wird zur Führungsaufgabe

Deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich besonders stark von wenigen Technologieanbietern abhängig. Laut einer Studie des Capgemini Research Institute, für die weltweit 1.300 Entscheider aus Wirtschaft und Technologie befragt wurden, sind 94 Prozent der Unternehmen in Deutschland erheblichen Abhängigkeiten von ausländischen oder extern kontrollierten Lieferketten ausgesetzt. Der globale Durchschnitt liegt bei 86 Prozent, berichtet Haendlerbund.de.

Auslöser dieser Entwicklung sind vor allem Cloud-Migration, digitale Transformation und die Einführung von KI. In den vergangenen zehn Jahren haben sie viele Organisationen enger an eine kleine Gruppe globaler Anbieter gebunden. Vollständige technologische Unabhängigkeit gilt für viele Firmen inzwischen als kaum realistisch. Stattdessen rückt ein pragmatischer Ansatz in den Vordergrund: kritische Geschäftsprozesse schützen, zentrale digitale Fähigkeiten kontrollieren und einseitige Anbieterbindungen begrenzen.

Resiliente Interdependenz statt vollständiger Autonomie

Zwei Drittel der befragten Organisationen verstehen digitale Souveränität als „resiliente Interdependenz“. Gemeint ist die Kombination aus gezielter Kontrolle über besonders wichtige Technologien und strategischen Partnerschaften. In Europa ist diese Sicht mit 75 Prozent stärker verbreitet als in den USA, wo nur 50 Prozent der Unternehmen digitale Souveränität so einordnen und das Thema häufiger als Compliance-Frage betrachten.

Für den deutschen Markt verweist Capgemini-Manager Urs Krämer auf die Realität hochgradig vernetzter Technologieökosysteme. Digitale Souveränität bedeute demnach keine vollständige Autonomie. Wichtiger sei ein klares Bild der bestehenden Abhängigkeiten, damit Risiken gezielt gesteuert werden können. Genau an diesem Punkt zeigen sich jedoch erhebliche Lücken: Nur 14 Prozent haben vollständige Transparenz über ihre technologischen Verflechtungen.

Wechsel kritischer Systeme bleibt langwierig

Besonders relevant ist der Befund für Unternehmen mit stark technologiegetriebenen Geschäftsmodellen, etwa im Onlinehandel. Ein Wechsel des Anbieters bei kritischen Systemen würde bei mehr als einem Drittel der Organisationen länger als zwölf Monate dauern. Jede zehnte Organisation sieht laut Studie derzeit gar keine realistische Alternative zu bestehenden Lösungen.

Auch die Vorbereitung auf Störungen ist begrenzt. Von den Organisationen, die jüngst operative Ausfälle oder Beeinträchtigungen erlebt haben, verfügen nur 42 Prozent über entsprechende Notfallpläne. US-Unternehmen schneiden dabei am besten ab, während in Europa nur rund ein Drittel vorbereitet ist. Für viele Firmen entsteht damit ein Spannungsfeld aus Resilienz, Kostenkontrolle und Wettbewerbsfähigkeit.

Mehr Souveränität hat ihren Preis

Knapp die Hälfte der Befragten wäre grundsätzlich bereit, für mehr digitale Souveränität einen Aufpreis zu zahlen. Im Durchschnitt akzeptieren diese Unternehmen Mehrkosten von 23 Prozent. Das unterstreicht, dass digitale Souveränität zunehmend als Investition in Stabilität und Handlungsfähigkeit verstanden wird, zugleich aber wirtschaftlich begründet werden muss.

In Deutschland wird das Thema stärker in der Unternehmensführung verankert. 45 Prozent der befragten Firmen haben digitale Souveränität bereits als festen Punkt in der Unternehmensführung etabliert. Weitere 53 Prozent erwägen die Einführung eines Chief Sovereignty Officers. Der nächste Prüfpunkt liegt damit in der Umsetzung: mehr Transparenz über Abhängigkeiten und belastbare Notfallpläne für kritische Systeme.

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