Mann mit dunklen Locken arbeitet an einem Laptop in einem hellen Büro.
© Black Forest Labs / Flux

Chinesische KI findet kaum deutsche Kunden

3 Min.
Teilen

Chinesische KI-Modelle liefern gute Werte, kosten nur ein Bruchteil der amerikanischen Konkurrenz, spielen in deutsche Unternehme aber trotzdem kaum eine Rolle, berichtet T3n.de. Nur zwei Prozent der KI-nutzenden Firmen würden zu Deepseek greifen, ein weiteres Prozent zu Alibabas Qwen. Die Gründe seien Bedenken bei Datenschutz und Cybersicherheit. Stattdessen setzten 76 Prozent auf OpenAI, 35 Prozent auf Microsoft Copilot, 28 Prozent auf Googles Gemini. Das europäische LLM Mistral erreiche null Prozent Nutzung.

Chinesische KI überzeugt technisch, bleibt in Deutschland aber Randerscheinung

Chinesische KI-Modelle gelten als leistungsfähig und deutlich günstiger als viele Angebote aus den USA. In deutschen Unternehmen kommen sie dennoch bislang kaum an, berichtet T3n.de. Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung unter 603 Unternehmen nutzen nur zwei Prozent der KI-anwendenden Firmen Deepseek. Qwen von Alibaba erreicht ein weiteres Prozent. Als zentrale Gründe nennt der Bericht Vorbehalte bei Datenschutz und Cybersicherheit.

Der Abstand zur amerikanischen Konkurrenz ist in der deutschen Nutzung groß. OpenAI bleibt mit 76 Prozent Nutzung klar führend und legte gegenüber dem Vorjahr von 70 Prozent weiter zu. Dahinter folgen Microsoft Copilot mit 35 Prozent und Googles Gemini mit 28 Prozent. Meta kommt auf acht Prozent, Anthropic auf drei Prozent. Besonders auffällig: Der europäische LLM-Anbieter Mistral wird von keinem der befragten Unternehmen genutzt.

Technischer Abstand schrumpft, Preisvorteil wächst

International holen chinesische Anbieter messbar auf. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 konkurrieren US-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google zunehmend mit KI-Laboren aus China. Laut AI Index Report 2026 der Stanford University lag Claude Opus 4.6 von Anthropic im März 2026 nur noch 2,7 Prozent vor dem chinesischen Modell Dola-Seed 2.0. Auch bei Patenten zeigt sich die Dynamik: China war 2024 für über 74 Prozent aller weltweiten KI-Patenterteilungen verantwortlich, die USA für 12 Prozent.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Kimi K3 des Pekinger Startups Moonshot AI. Das Unternehmen beschreibt K3 als bislang leistungsstärkstes Open-Source-Programmiermodell aus dem eigenen Haus. Es soll lange Entwicklungssitzungen bewältigen, große Repositories verarbeiten und Terminal-Tools koordinieren können. Moonshot AI sieht das Modell gegenüber Anthropics Fable 5 als konkurrenzfähig und gibt an, mehrere andere Modelle deutlich zu übertreffen. Laut Fortune hatten US-Analyst:innen nicht damit gerechnet, dass China schon jetzt ein Modell auf diesem Niveau veröffentlichen würde.

Der Preisunterschied verstärkt den Wettbewerbsdruck. Kimi K3 gilt für chinesische Verhältnisse bereits als relativ teuer und kostet 15 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Deepseek V4 liegt laut Bericht bei 0,87 Dollar. Zum Vergleich: Bei Fable 5 kostet dieselbe Ausgabemenge 50 Dollar. Damit verbinden chinesische Anbieter hohe technische Leistungsfähigkeit mit deutlich niedrigeren Kosten.

Digitale Souveränität bleibt offene Aufgabe

Für die deutsche Wirtschaft zeigt die Befragung ein klares Muster: Trotz wachsender Leistungsfähigkeit chinesischer Modelle bleibt die praktische Nutzung hierzulande stark auf US-Anbieter konzentriert. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst verweist deshalb auf die Frage digitaler Souveränität und fordert, europäischen Anbietern mehr Chancen zu geben. Zugleich betont er, dass viele Aufgaben im Unternehmen keine größten und neuesten Modelle benötigen. Spezialisierte, kleinere Systeme könnten für zahlreiche Anwendungen ausreichen und kostengünstiger eingesetzt werden.

Damit bleibt offen, ob europäische Anbieter wie Mistral künftig stärker berücksichtigt werden oder ob die deutsche KI-Nutzung weiter von US-Plattformen geprägt bleibt. Der aktuelle Befund ist eindeutig: Deepseek liegt bei zwei Prozent, Qwen bei einem Prozent, Mistral bei null Prozent Nutzung.

Teilen
Redaktion
RedaktionRedaktion

etailment

Unter dem Namen Redaktion veröffentlicht das Team von etailment.de gemeinsam recherchierte Nachrichten und Analysen aus dem digitalen Handel.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.