Walmarts Filialen entwickeln sich zur Logistikinfrastruktur: Im Quartal bis Ende Juli 2026 legte der weltweite Online-Umsatz um 23 Prozent zu, berichtet Merca20.com. Rund 80 Prozent der US-Bestellungen und sämtliche Expresslieferungen liefen über die 4.615 Läden. Zustellungen aus der Filiale wuchsen um 43 Prozent, Expresslieferungen um 48 Prozent. Der US-Marktplatz legte um 52 Prozent zu und füttert das Werbegeschäft, das global 38 Prozent gewann.
Walmarts Filialnetz wird zum digitalen Wachstumsmotor
Walmart verzahnt seine stationären Märkte immer enger mit dem Onlinegeschäft und nutzt damit einen Vorteil, den reine Onlineanbieter nur schwer kopieren können: ein dichtes Netz physischer Standorte. Im Quartal bis zum 31. Juli 2026 stieg der weltweite Umsatz im E-Commerce um 23 Prozent, wie Merca20.com berichtet. Onlineverkäufe stehen damit inzwischen für rund 24 Prozent des globalen Nettoumsatzes. Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung in den USA: Walmart U.S. erzielte Nettoumsätze von 125,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 3,5 Prozent. Das digitale Geschäft wuchs dort mit 24 Prozent deutlich schneller.
Im Wettbewerb mit Amazon setzt Walmart auf die Stärke seiner Ladenfläche. Zum Stichtag betrieb der Konzern 4.615 Walmart-Standorte in den USA, darunter Supercenter, Discount Stores, Neighborhood Markets und weitere Formate. Hinzu kamen 602 Sam’s-Club-Filialen. Diese Infrastruktur wird zunehmend zur Logistik der letzten Meile: Rund 80 Prozent der US-E-Commerce-Bestellungen und sämtliche Expresslieferungen werden über Läden abgewickelt. Waren, die ursprünglich für Regale vorgesehen sind, können so zugleich Onlinebestellungen bedienen.
Filialen übernehmen die letzte Meile
Die operative Wirkung zeigt sich in den Wachstumsraten. Zustellungen, die aus Filialen erfüllt wurden, legten im Quartal um 43 Prozent zu. Etwa 37 Prozent dieser Bestellungen waren beschleunigte Lieferungen, die in weniger als drei Stunden abgeschlossen wurden. Lieferungen unter 30 Minuten hat Walmart inzwischen auf 38 US-Märkte ausgeweitet. Expresslieferungen wuchsen im Berichtszeitraum um 48 Prozent. Für den Konzern ist Geschwindigkeit damit ein Instrument zur Kundenbindung: Nutzer von Expresslieferungen kaufen häufiger ein und wechseln eher in das Mitgliedschaftsprogramm Walmart+.
Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Läden im Konzernmodell. Walmart zählt eine Bestellung als Onlineumsatz, wenn sie digital bezahlt wird, auch wenn ein Filialmitarbeiter das Produkt aus dem Regal nimmt, die Bestellung vorbereitet und an den Kunden ausliefert. Dadurch bewegen sich laut Unternehmen mehr Einheiten als je zuvor durch die Märkte. Stationärer Einkauf, Abholung und Lieferung greifen stärker ineinander, statt als getrennte Kanäle organisiert zu sein.
Marktplatz und Werbung verstärken den Effekt
Die digitale Offensive reicht über den Verkauf eigener Ware hinaus. Der US-Marktplatz wuchs um 52 Prozent. Fast die Hälfte dieses Geschäfts nutzte im Quartal Walmart Fulfillment Services, knapp 400 Basispunkte mehr als ein Jahr zuvor. Drittanbieter können so zusätzliche Produkte in Walmarts digitales Sortiment bringen, ohne dass der Konzern jede Ware selbst einkaufen und lagern muss. Dieses Wachstum stützt zugleich margenträchtigere Bereiche wie Fulfillment, Daten und Werbung.
Auch das Werbegeschäft profitiert von der größeren Reichweite des digitalen Ökosystems. Global legte Walmarts Advertising-Geschäft um 38 Prozent zu, Walmart Connect wuchs in den USA um 43 Prozent. Der Konzern positioniert seine Filialen damit zunehmend als Knotenpunkte eines einheitlichen Handelsmodells, in dem Ladenbestand, App-Bestellung, Marktplatz, Fulfillment und Werbung zusammenwirken. Der nächste Prüfpunkt bleibt, wie skalierbar diese Verknüpfung bei weiter steigendem Bestellvolumen ist; aktuell laufen rund 80 Prozent der US-Onlinebestellungen über die Filialen.

etailment
Unter dem Namen Redaktion veröffentlicht das Team von etailment.de gemeinsam recherchierte Nachrichten und Analysen aus dem digitalen Handel.
Alle Beiträge