Aliexpress und Temu gewinnen in Südkorea Nutzer, setzen aber weniger um, berichtet Chosun.com. Zusammen mit Shein seien die geschätzten Kartenzahlungen der Plattformen im August um 19,6 Prozent auf umgerechnet rund 91 Mio. Euro geschrumpft. Bei Aliexpress stehe einem Nutzerplus von 15,9 Prozent ein Zahlungsminus von 27,9 Prozent gegenüber. Marktführer Coupang habe dagegen um 12,6 Prozent auf rund 3,1 Mrd. Euro zugelegt. Analysten verweisen auf einen gesättigten Markt, den starken Dollar und die Schadstoffe in chinesischer Billigware.
AliExpress, Temu und Shein verlieren Zahlungsvolumen
AliExpress, Temu und Shein gewinnen in Südkorea zwar Nutzer, setzen dort aber weniger um. Wie Chosun.com unter Berufung auf den IGAworks Mobile Index berichtet, lagen die geschätzten Kredit- und Debitkartenzahlungen der drei chinesischen Plattformen im August bei 144,4 Milliarden Won. Das entspricht umgerechnet rund 91 Millionen Euro und einem Rückgang von 19,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im südkoreanischen E-Commerce zeigt sich damit eine wachsende Lücke zwischen App-Reichweite und tatsächlicher Kaufbereitschaft.
Reichweite wächst, Ausgaben je Nutzer sinken
Besonders deutlich fällt der Befund bei AliExpress aus. Die monatlich aktiven Nutzer stiegen im August um 15,9 Prozent auf 8.408.342. Gleichzeitig sanken die Zahlungen um 27,9 Prozent auf 81,7 Milliarden Won. Rechnerisch fiel der Umsatz je aktivem Nutzer von 15.625 Won auf 9.722 Won. Temu zeigt ein ähnliches Muster: Die monatlich aktiven Nutzer legten um 12,5 Prozent auf 7.951.938 zu, während die Zahlungen um 4,4 Prozent auf 58,9 Milliarden Won zurückgingen. Je Nutzer sank der Betrag von 8.721 Won auf 7.410 Won. Shein schnitt schwächer ab, weil sowohl Nutzerzahl als auch Zahlungsvolumen zurückgingen.
Coupang baut den Vorsprung aus
Der lokale Marktführer Coupang entwickelte sich im selben Zeitraum gegenläufig. Die geschätzten Kartenzahlungen stiegen im August um 12,6 Prozent auf 4,9301 Billionen Won, umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro. Damit lag Coupang beim Zahlungsvolumen etwa 34-mal so hoch wie AliExpress, Temu und Shein zusammen. Auch die monatlich aktiven Nutzer erreichten mit 35.949.122 den höchsten Wert seit rund einem Jahr. Als Gründe nennt die Branche wiederkehrende Käufe von Alltagsartikeln, schnelle Zustellung über Rocket Delivery und frühe Lieferungen sowie die Bindung durch die Wow-Mitgliedschaft. Diese Faktoren halfen offenbar, Nutzer trotz des im Vorjahr bekannt gewordenen Datenlecks zu halten.
Reifer Markt und Vertrauensprobleme bremsen C-Commerce
Analysten verweisen zugleich auf ein schwierigeres Umfeld für Plattformen aus China. Der südkoreanische Onlinehandel wächst nur noch langsam. Die Korea Chamber of Commerce and Industry erwartet für dieses Jahr ein Plus von 3,2 Prozent. Direkte Käufe aus China gingen im zweiten Quartal auf 1,382 Billionen Won zurück, ein Minus von 5,7 Prozent nach nahezu stagnierendem Wachstum im ersten Quartal. Belastend wirken laut Marktbeobachtern der starke Dollar-Won-Kurs, wiederholte Funde von Schadstoffen wie Schwermetallen in Billigware sowie nachlassende Impulse in Mode, Kosmetik und Bekleidung. Hinzu kommt, dass Asung Daiso, SPA-Marken und heimische Onlineanbieter ihr Niedrigpreissortiment ausgebaut haben.
Für AliExpress, Temu und Shein bleibt damit offen, ob Reichweite wieder in höhere Warenkörbe umschlägt. Dankooks Professor Jeong Yeonseung verweist darauf, dass der Markt wachsen müsste, während Coupang als starker Marktführer fest etabliert ist und die Logistik der chinesischen Anbieter noch nicht vollständig ausgebaut sei. Die genannten Zahlungswerte sind Schätzungen auf Basis von Kredit- und Debitkartendaten und können von tatsächlichen Umsätzen abweichen; der nächste Prüfpunkt ist, ob die Plattformen bei einem erwarteten Onlinewachstum von 3,2 Prozent wieder zulegen.

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