Foto: Paketfächer, Rückgabetheke und Kartons in einem modernen Filialbereich ohne Personen
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Neun Szenarien, eine Hausaufgabe: Filiale neu denken

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In einem von neun Szenarien für das Jahr 2036 werden Filialen zu Abhol- und Retourenstellen, womöglich sogar zu Fulfillment-Knoten, skizziert eine Studie des EHI. Ein zweites Szenario verlagere die Kaufentscheidung in digitale Erlebniswelten, während die Logistik die Ware unsichtbar im Hintergrund nachschiebe. Das verlange automatisiertes Fulfillment, schnelle Bestandsreaktionen und ein belastbares Retourenmanagement. Händlern rät das EHI zu interoperablen Datenstrukturen, die Online-Shop und Filiale verzahnen, zu flexiblen Lager- und Transportkapazitäten – und dazu, die künftige Rolle ihrer Filialen zu prüfen.

Die Studie des EHI zur Handelslogistik 2036 beschreibt neun mögliche Zukunftsbilder für Handel und Versorgung. Im Mittelpunkt stehen Effizienz, Resilienz, digitale Steuerung, Kundennähe sowie das Zusammenspiel globaler Vernetzung und regionaler Absicherung. Besonders deutlich wird: Stationäre Standorte können ihre Bedeutung behalten, wenn sie enger mit digitalen Kanälen, automatisierter Versorgung und flexiblen Netzwerken verbunden werden.

Filialen als Versorgungsanker

Das Szenario „Stationäre Anker“ skizziert eine Entwicklung, in der Filialen weiterhin Verkaufsorte bleiben, zugleich aber zusätzliche Aufgaben im Logistiknetz übernehmen. Sie werden zu Abhol- und Retourenstandorten und können, je nach Ausprägung, auch als filialnahe Fulfillment-Knoten dienen. Damit rücken Kundennähe, Bestandsverfügbarkeit und operative Versorgung enger zusammen. Für Handelsunternehmen bedeutet das, stationäre Standorte künftig stärker als Teil eines integrierten Netzes aus Verkauf, Lagerung, Auslieferung und Rücknahme zu betrachten.

Die Studie macht damit deutlich, dass die künftige Rolle der Filiale nicht allein über Sortiment und Fläche definiert wird. Relevanter wird, wie gut sie in Datenstrukturen, Transportkapazitäten und Bestandssteuerung eingebunden ist. Für die Logistik entstehen daraus neue Anforderungen an Prozesse, Systeme und Kooperationen zwischen Handel, Dienstleistern und Plattformen.

Digitale Erlebniswelten verändern die Abwicklung

Ein zweites prägnantes Szenario ist die „Virtuelle Erlebniswelt“. Hier prägen digitale Erlebnisse Nachfrage und Kaufentscheidungen, während die physische Versorgung im Hintergrund zuverlässig funktionieren muss. Die Ware soll dort verfügbar sein, wo Kundinnen und Kunden sie erwarten, auch wenn der eigentliche Kaufimpuls in digitalen Umgebungen entsteht. Dafür braucht es automatisiertes Fulfillment, schnelle Reaktionen auf Bestandsveränderungen und ein belastbares Retourenmanagement.

Tobias Röding vom EHI ordnet ein, dass Technologie und KI die Handelslogistik bis 2036 weiter verändern werden. Entscheidend sei, wie schnell daraus tragfähige Anwendungen für Prozesse, Beschäftigte und Kunden entstehen. Leistungsfähig werde die Handelslogistik dort sein, wo Handel, Logistikdienstleister, Plattformen und Kunden die Verantwortung für Versorgung gemeinsam neu organisieren.

Handlungsfelder für Unternehmen

Aus den Szenarien leitet das EHI mehrere strategische Aufgaben ab. Zentrale Grundlage sind interoperable Datenstrukturen, damit Onlineshops und stationäre Stores besser zusammenwirken können. Hinzu kommen robuste und flexible Netzwerke, anpassungsfähige Lager- und Transportkapazitäten sowie technologische Kompetenz. Unternehmen sollten prüfen, welche Funktion ihre Filialen künftig als Versorgungsanker, Abholorte oder Bestandteile integrierter Fulfillment-Strukturen übernehmen können.

Die Studie „Die Zukunft der Handelslogistik 2036“ wurde vom EHI in Kooperation mit dem Methodenpartner ScMI AG entwickelt. Sie richtet sich an Handelsunternehmen, Logistikdienstleister und Technologieanbieter und soll langfristige Orientierung, Investitionsentscheidungen und robuste Strategien unterstützen. Die Ergebnisse sind als kostenloser Download verfügbar. Ergänzend gibt es einen kostenpflichtigen Datenband, der für EHI-Mitglieder kostenlos ist und Einflussfaktoren, Zukunftsprojektionen, Wirkungszusammenhänge sowie Stakeholderanalysen vertieft. Methodische Grundlage war eine Szenarioanalyse mit einem 30-köpfigen Konsortium aus Handelsunternehmen, Technologieanbietern und Hochschulen im Frühjahr 2026.

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