Jeder siebte deutsche Online-Händler verliert jährlich mehr als 100.000 Euro durch Betrug, meldet Bevh.org. Nur sieben Prozent seien bisher von Betrug oder Betrugsversuchen verschont geblieben, fast jeder zweite Händler registriere mehr Fälle als im Vorjahr. Häufigste Masche bleibe der Identitätsbetrug, oft mit manipulierten Namens- und Adressdaten. Schon eine einzelne Bestellung könne teuer werden: Knapp ein Drittel habe dabei mehr als 2.500 Euro eingebüßt.
Die aktuelle bevh-Umfrage „Betrug im E-Commerce“ zeigt, wie stark Betrug den deutschen Onlinehandel belastet. 93 Prozent der Online-Shops wurden demnach bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert, nur sieben Prozent blieben bislang verschont. Fast jeder zweite befragte Händler registrierte in den vergangenen zwölf Monaten mehr Fälle als im Vorjahr; 37 Prozent berichten von einem unverändert hohen Niveau, lediglich 15 Prozent von rückläufigen Fallzahlen. Über die Ergebnisse berichtet auch bevh.org.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Rund jedes siebte Unternehmen verliert pro Jahr mehr als 100.000 Euro durch Betrug. Schon einzelne Bestellungen können spürbare Schäden verursachen: Knapp ein Drittel der Händler gab an, bei einem einzelnen Betrugsfall mehr als 2.500 Euro eingebüßt zu haben. Zwar liege die Zahl der Betrugsfälle im gesamten Zahlungsverkehr laut bevh im Promille-Bereich, im Schadensfall fallen die Verluste jedoch zunehmend höher aus.
Identitätsbetrug bleibt das größte Risiko
Besonders stark betroffen ist der E-Commerce von identitätsbezogenen Betrugsformen. Mit 75 Prozent der Nennungen bleibt Identitätsbetrug die häufigste Masche. Dazu zählen manipulierte Namens- und Adressdaten, die 67 Prozent der befragten Shops nennen, sowie vollständig falsche Identitäten mit 55 Prozent. Sechs von zehn Unternehmen berichten zudem von Fällen, in denen Kundinnen oder Kunden den Erhalt der Ware bestreiten.
Weitere verbreitete Muster sind Eingehungsbetrug, den 57 Prozent der Händler nennen, sowie Account Takeover mit 56 Prozent. Dabei nutzen Täter fremde Kundenkonten für Bestellungen. Auch missbräuchliche Retouren gewinnen an Bedeutung: Return Fraud, etwa durch leere Pakete, betrifft 47 Prozent der Shops; Switch Fraud, bei dem andere Artikel zurückgesendet werden als bestellt, 42 Prozent. Gestohlene Zahlungsdaten, beispielsweise Kreditkarteninformationen, stehen bei 40 Prozent der Betrugsfälle im Fokus.
Mehr Daten, neue Risiken durch KI
CRIF-Geschäftsführer Dr. Frank Schlein beschreibt Betrugsprävention als fortlaufenden Wettlauf zwischen Händlern und Tätern. Neue Betrugsmaschen und Gegenmaßnahmen treffen in immer kürzeren Abständen aufeinander. KI werde diese Dynamik weiter verschärfen, da synthetische Identitäten und automatisierte Angriffe schwerer zu erkennen sind. Gleichzeitig kann eine bessere Datennutzung helfen, vertrauenswürdige und betrügerische Transaktionen früher zu unterscheiden.
Mit dem Aufkommen von Agentic Commerce, bei dem KI-Agenten eigenständig Kaufentscheidungen und Transaktionen im Auftrag von Konsumenten ausführen, entstehen zusätzliche Anforderungen an Identitäts- und Vertrauensprüfungen. Für Händler rückt damit die Balance zwischen Sicherheit und reibungsloser Customer Journey stärker in den Vordergrund. Grundlage der Ergebnisse ist eine bevh- und CRIF-Umfrage unter knapp 80 Online-Shops aus Deutschland.

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