Für Marktplatz-Händler zählt die Marge inzwischen mehr als der Umsatz, berichtet Ecommercenews.eu. Das gehe aus einer Umfrage von ChannelEngine unter mehr als 550 E-Commerce-Entscheidern in fünf Ländern hervor. Knapp die Hälfte habe zuletzt zwei bis drei Marktplätze erschlossen, obwohl diese Art der Expansion auf der Prioritätenliste von Platz vier auf acht gerutscht sei. Ganz oben stehe mittlerweile KI, ganz knapp vor der Profitabilität. Beim KI-Einsatz bilde Großbritannien die Spitze, Deutschland das Schlusslicht.
Marge vor Umsatz: Für Marktplatz-Händler verschiebt sich der Maßstab für Erfolg spürbar. Laut dem Marketplace Seller Trends Report 2026 von ChannelEngine zählen nicht mehr vorrangig Absatzvolumen oder Nettoumsätze, sondern die Rendite. Wie Ecommercenews.eu berichtet, basiert die Untersuchung auf einer Umfrage unter mehr als 550 Entscheidern aus dem E-Commerce in fünf Märkten. Erfasst wurden Großbritannien, Deutschland, Frankreich, die USA und die Niederlande.
Die Expansion über mehrere Plattformen geht dennoch weiter. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen hat im vergangenen Jahr zwei bis drei neue Marktplätze erschlossen. Der Anteil der Firmen, die auf sieben oder mehr Plattformen verkaufen, stieg von 34 auf 39 Prozent. Gleichzeitig verliert der Ausbau der Marktplatzpräsenz strategisch an Gewicht: In der Prioritätenliste der Verkäufer rutschte das Thema von Rang vier auf Rang acht.
KI rückt an die Spitze der Prioritäten
Der wichtigste operative Schwerpunkt ist inzwischen die Einführung von KI zur Verbesserung von Marktplatzprozessen. 26 Prozent der Befragten nennen diesen Punkt als Top-Priorität. Damit liegt KI knapp vor der Steigerung der Profitabilität, die auf 25 Prozent kommt. Insgesamt beschäftigen sich 82 Prozent der Unternehmen bereits mit KI im Marktplatzbetrieb oder ziehen den Einsatz in Betracht.
ChannelEngine beschreibt die bisherige Nutzung jedoch eher als unterstützend denn als tiefgreifend verändernd. Die größten Hürden liegen bei Risiko, Kontrolle und Zuverlässigkeit. Im Ländervergleich gilt Großbritannien als fortschrittlichster Markt beim KI-Einsatz. Deutschland bildet innerhalb der untersuchten Märkte das Schlusslicht.
Profitables Wachstum braucht bessere Prozesse
ChannelEngine-CEO Jorrit Steinz sieht einen klaren Fokuswechsel: Unternehmen achten stärker auf Margen und weniger auf reines Umsatzwachstum. Zugleich arbeiten drei von fünf Organisationen weiterhin überwiegend manuell oder nur teilweise automatisiert. Dadurch binden operative Kosten einen erheblichen Teil der möglichen Erträge.
Aus Sicht von Steinz wird die Verbindung von Daten und automatisierten Abläufen zentral, um Expansion und Investitionen in KI in profitables Wachstum zu übersetzen. Der Befund zeigt: Mehr Kanäle allein reichen nicht aus, wenn Prozesse, Datenflüsse und Kostenstrukturen nicht Schritt halten.
TikTok Shop wird fester Bestandteil des Marktplatzgeschäfts
Auch TikTok Shop hat sich laut Studie deutlich etabliert. 55 Prozent der befragten Unternehmen sind dort aktiv, entweder im Heimatmarkt oder international. Besonders weit ist Großbritannien, wo TikTok Shop länger verfügbar ist als in den übrigen untersuchten Märkten.
ChannelEngine bewertet die Entwicklung als Zeichen dafür, dass Social Commerce zunehmend zum Kern des Marktplatzgeschäfts gehört. TikTok Shop entwickle sich dabei zu einem pan-europäischen Marktplatz. Die nächste Bewährungsprobe liegt in der Frage, ob Händler die zusätzliche Reichweite in höhere Profitabilität übersetzen können; aktuell sind 55 Prozent bereits auf TikTok Shop aktiv.
