Autonome KI-Agenten haben hunderte Online-Shops nach Sicherheitslücken durchkämmt und Kreditkarten-Skimmer in Checkouts geschmuggelt, berichtet T3N.de. Laut dem Sicherheitsunternehmen Gambit Security, das die Kampagne rekonstruiert hat, wurden gezielt Shops mit individuellem Code ausgewählt und Standardplattformen aussortiert. Mindestens 27 Unternehmen seien betroffen, bei zweien seien mehr als 600.000 Kartendatensätze abgeflossen. Die Rechnung für die Angreifer sei denkbar schlank: Ein KI-Scan koste im Schnitt 25 Dollar pro Shop.
Autonome KI-Agenten haben nach Angaben von Gambit Security hunderte Onlineshops systematisch nach Schwachstellen durchsucht. Ziel war es, Zugänge zu erbeuten und Schadcode in Checkout-Prozesse einzuschleusen. Über die rekonstruierte Kampagne berichtet T3N.de. Besonders auffällig ist die industrielle Effizienz: Ein abgeschlossener KI-Scan kostete laut Gambit im Schnitt 25 US-Dollar pro Shop.
Die Angreifer:innen gingen offenbar selektiv vor. Zunächst nutzten sie einen Dienst für Website-Traffic-Rankings und filterten dort die Kategorie Shopping. Shops auf großen Standardplattformen wurden aussortiert. Übrig blieben Anbieter mit individuellerem Code, bei denen die Täter:innen eher auf verwertbare Sicherheitslücken hofften. Anschließend wurden Hunderte Ziele an KI-Agenten übergeben. Allein zwischen dem 10. und 15. September registrierte Gambit 105 Angriffsprojekte.
Skimmer im Checkout als zentrales Angriffsziel
Im Kern der Kampagne standen sogenannte Kreditkarten-Skimmer. Dabei wird schädlicher Javascript-Code in den Checkout eingebunden, um Zahlungsinformationen während der Eingabe abzugreifen. Laut Gambit wurden Skimmer bei mindestens 27 konkret benannten Opfern angefordert und bei 19 während der Kampagne tatsächlich gefunden. Insgesamt seien mindestens 27 Unternehmen in unterschiedlichem Ausmaß kompromittiert worden.
Die Schadsoftware wurde auf verschiedenen Wegen platziert. Gambit nennt angehängten Code in bestehenden Javascript-Dateien, manipulierte Produktbeschreibungen, Seitencaches und Cloud-Infrastrukturen. In einem Fall soll ein automatisierter Task den Skimmer nach einem regulären Deployment erneut installiert haben. Bei zwei Unternehmen flossen nach den Erkenntnissen der Sicherheitsfirma mehr als 600.000 aktuelle Kartendatensätze ab.
Automatisierung senkt die Angriffskosten
Für den E-Commerce ist vor allem die Kostenstruktur der Kampagne relevant. Gambit zufolge kamen drei Open-Source-Lösungen zum Einsatz, die Schwachstellen suchten, Angriffe weitgehend autonom ausführten und die Kampagne orchestrierten. Dafür reichten knappe Anweisungen, die laut Bericht in chinesischer Sprache verfasst waren. Der günstigste Angriff lag bei gut drei US-Dollar, komplexere Fälle bei bis zu 80 US-Dollar.
Gambit sieht darin ein Signal für eine veränderte Bedrohungslage, zumal agentische KI-Funktionen auch im Onlinehandel an Bedeutung gewinnen. Anthropic und Cloudflare sollen im konkreten Fall Gegenmaßnahmen ergriffen haben. Auch Google Threat Intelligence beschreibt laut Bericht einen Übergang von einfachen KI-Prompts zu agentischen Workflows und automatisierten Angriffen. Die rekonstruierte Kampagne reicht nach Angaben von Gambit mindestens bis Juli 2026 zurück.
