Foto: Person misst an einem sauberen Packtisch einen Karton neben Unterlagen und Verpackungsmaterial.
© Black Forest Labs / Flux

Böttcher sagt Expansion wegen PPWR ab

2 Min.
Teilen

Die Böttcher AG, Online-Händler für Geschäftskunden aus Zöllnitz bei Jena, streicht ihre Europa-Expansion samt den geplanten Markteintritt in Österreich, berichtet Packaging-Journal.de. Steuern, Energiekosten und Bürokratie seien schon länger eine Last, den Ausschlag gebe aber die EU-Verpackungsverordnung PPWR: Der Aufwand für Registrierung, Meldung, Dokumentation und Entsorgung falle in jedem neuen Land erneut an. Das sei bei mehr als 250.000 Artikeln eine zu große Bürde. Nach eigener Rechnung verzichte der Bürobedarfsspezialist damit auf bis zu 500 Mio. Euro Jahresumsatz.

Die Böttcher AG aus Zöllnitz bei Jena beendet ihre geplante Europa-Expansion. Der vorbereitete Markteintritt in Österreich sowie weitere Vorhaben in europäischen Märkten werden nach Unternehmensangaben gestrichen. Darüber berichtet Packaging-Journal.de. Der B2B-Onlinehändler beziffert den entgangenen Wachstumsspielraum auf bis zu 500 Millionen Euro Jahresumsatz und bis zu 300 mögliche neue Arbeitsplätze.

PPWR als Auslöser für den Expansionsstopp

Als Belastungen nennt das Unternehmen hohe Unternehmenssteuern und Sozialabgaben, steigende Energie- und Arbeitskosten, fehlende Planungssicherheit sowie zunehmende Bürokratie. Den konkreten Ausschlag habe jedoch die europäische Verpackungsregulierung PPWR gegeben. Die Packaging and Packaging Waste Regulation bringe zusätzliche Pflichten bei Registrierung, Meldung, Dokumentation und Entsorgung mit sich. Diese Anforderungen fielen in jedem neuen Land erneut an.

Für Böttcher wiegt dieser Aufwand besonders schwer, weil das Unternehmen mehr als 250.000 Produkte im Sortiment führt. Jede Expansion in einen weiteren Markt würde damit zusätzliche administrative Prozesse auslösen. Nach Darstellung des Unternehmens stehen Kunden, Kapital, Technologie und Logistik für weiteres Wachstum zur Verfügung. Als Hemmnis benennt Böttcher vor allem politische Rahmenbedingungen, Regulierung, Steuern, Abgaben, Personalkosten und verschärfte Auflagen auf deutscher und europäischer Ebene.

Signal an Standort- und Regulierungspolitik

Das Unternehmen verbindet die Entscheidung mit einer grundsätzlichen Kritik am Wirtschaftsstandort Deutschland und an Vorgaben der EU. Aus Sicht der Böttcher AG tragen Unternehmer das wirtschaftliche Risiko mit Kapital, Existenz und Zukunft, während zugleich Kosten, Pflichten und Haftungsrisiken steigen. Die Folge seien sinkende Planungssicherheit und geringere Renditechancen.

Besonders kritisch bewertet Böttcher Investitionen, die aufgrund der Rahmenbedingungen gar nicht erst entstehen. Dazu zählt das Unternehmen ausbleibende Standorterweiterungen ebenso wie Arbeitsplätze, die im Zuge eines gestoppten Wachstumsplans wegfallen, bevor sie geschaffen werden. Gefordert werden niedrigere Steuern, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Böttcher AG bleibt ein großer B2B-Anbieter

Die Böttcher AG bezeichnet sich als Deutschlands größten Onlineshop für Geschäftskunden. Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben mehr als 10 Millionen Kunden, beschäftigt über 700 Mitarbeitende und erzielte 2025 rund eine Milliarde Euro Umsatz. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 170 Millionen Euro in den Standort investiert. Das Kernsortiment umfasst Bürobedarf und wird durch Bereiche wie Werkzeug, Multimedia, Garten und Drogerie ergänzt. Der nun gestoppte Expansionsplan betrifft bis zu 500 Millionen Euro zusätzlichen Jahresumsatz und bis zu 300 mögliche neue Stellen.

Teilen

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.