Mehr als jedes dritte Paar Schuhe von Shein, Temu und AliExpress verstößt gegen EU-Chemikalienrecht, zeigt eine Testkauf-Studie des Schuhverbands CEC. Bei 27 von 76 Paaren sei mindestens ein REACH-Grenzwert überschritten, meist durch Weichmacher. Sicherheitsschuhe schnitten noch schlechter ab: Acht von zehn Modellen seien bei Rutschfestigkeit, Durchtrittschutz oder Zehenkappe durchgefallen, mehreren fehle das CE-Kennzeichen. Der Verband fordert schärfere Kontrollen und eine Haftung der Plattformen für rechtswidrige Ware.
CEC-Testkäufe zeigen breite Verstöße bei Schuhen von Shein, Temu und AliExpress
Eine Testkauf-Studie des Schuhverbands CEC wirft ein deutliches Licht auf die Produktsicherheit im grenzüberschreitenden E-Commerce. Zwischen Februar und Mai 2026 kaufte die European Footwear Confederation Schuhe über Shein, Temu und AliExpress. Die Untersuchung umfasste sieben europäische Länder: Tschechien, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien und das Vereinigte Königreich.
Im Mittelpunkt standen Schuhe, die direkt über Online-Verkäufer und digitale Vertriebskanäle angeboten wurden. National akkreditierte Labore prüften 76 Paar Schuhe mit international anerkannten Testmethoden. Das Ergebnis: 27 von 76 Paaren überschritten mindestens eine chemikalienrechtliche Vorgabe nach den geltenden REACH-Beschränkungen. Das entspricht 36 Prozent der geprüften Produkte.
Getestet wurde auf mehrere problematische Stoffgruppen, darunter Phthalate, Formaldehyd, Schwermetalle, Chrom VI, Nickelabgabe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und kurzkettige chlorierte Paraffine. Die häufigste Ursache der Beanstandungen waren Weichmacher. Damit erfüllt mehr als jedes dritte geprüfte Paar nicht die Anforderungen, die für Produkte auf dem europäischen Markt gelten.
Sicherheitsschuhe fallen besonders häufig durch
Noch gravierender sind die Ergebnisse bei Schuhen, die als Schutz- oder Sicherheitsschuhe verkauft wurden. Von zehn geprüften Modellen erfüllten acht die einschlägigen EN-ISO-Anforderungen nicht. Die Mängel betrafen unter anderem Rutschfestigkeit, Durchtrittschutz, Stoß- und Druckbeständigkeit, Zehenschutzkappen sowie die Verbindung zwischen Schaft und Sohle.
Mehrere Produkte trugen nach Angaben des CEC zudem potenziell irreführende Sicherheitsangaben. Teilweise fehlte das vorgeschriebene CE-Kennzeichen oder die erwartete Konformitätsdokumentation. Für den Verbraucherschutz ist das relevant, weil solche Produkte ausdrücklich mit Schutzfunktionen beworben werden. Bei Sicherheitsschuhen bedeutet ein Prüfversagen ein unmittelbar praktisches Risiko.
Der Verband sieht die Ergebnisse als Hinweis auf ein strukturelles Problem bei Online-Marktplätzen und Direktimporten an Verbraucher. Produkte, die europäischen Kunden angeboten werden, müssten dieselben Sicherheits- und Regulierungsvorgaben erfüllen, unabhängig vom Vertriebsweg. CEC fordert deshalb schärfere Kontrollen, wirksamere Durchsetzung und klare Haftung der Plattformen, wenn rechtswidrige Ware vermittelt wird.
Studie fällt in laufende EU-Regulierungsdebatte
Die Veröffentlichung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der europäische Rechtsrahmen für digitale Handelskanäle weiterentwickelt wird. Die Europäische Union hat neue Regeln im Rahmen des Union Customs Code eingeführt. Zugleich wird eine vorgeschlagene Bearbeitungsgebühr von 2 Euro für E-Commerce-Importe unter 150 Euro im Europäischen Parlament und im Rat geprüft.
Auch eine Überarbeitung der Marktüberwachungsverordnung im Zuge des European Product Act wird für dieses Jahr erwartet. Der CEC sieht darin einen zentralen Ansatzpunkt, um Kontrollen entlang der E-Commerce-Lieferkette zu stärken. Offen bleibt, wie schnell zusätzliche Durchsetzungspflichten greifen und wie Plattformen künftig für nicht konforme Ware verantwortlich gemacht werden. Der veröffentlichte Befund bleibt klar beziffert: 36 Prozent chemische Beanstandungen und 8 von 10 durchgefallene Sicherheitsschuh-Modelle.
